Clemens Schick

"Hollywood hat mit Film nicht viel zu tun"

Schauspieler Clemens Schick verrät im Gespräch mit Gala.de, warum er immer wieder den Fiesling spielt und weshalb es ihn nicht nach Hollywood zieht

Clemens Schick ist 2014 in vier Kinofilmen zu sehen.

Clemens Schick ist 2014 in vier Kinofilmen zu sehen.

ist unser Lieblingsbösewicht: eiskalter Blick, sonore Stimme, Tattoos auf den muskulösen Armen. Nach seinem Auftritt als Fiesling im James-Bond-Film "Casino Royale" drehte der 41-Jährige viel im Ausland. Auch in diesem Jahr war der Wahlberliner fleißig: 2014 laufen allein vier Kinofilme mit ihm an. Davor sehen wir ihn aber erst einmal im TV: In "Das Jerusalem-Syndrom", der komplett in Israel entstand, spielt er einen Sektenführer, der auf die Ankunft des Messias wartet. Gala.de verrät , der während seiner Studienzeit für knapp ein Jahr im Kloster lebte, warum es ihn immer wieder zu Schurkenrollen hinzieht und weshalb "Hollywood" nicht sein erklärtes Ziel ist.

Was bedeuten Ihnen Glaube oder Religion?

Früher war mir Religion sehr wichtig, heute ist mir Religion fremd. Ich habe kein Bedürfnis mehr, das, was ich mit Spiritualität verbinde, in Worte oder eine bestimmte Form einzugrenzen.

Sie spielen in "Das Jerusalem-Syndrom" einen Sektenführer. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?

Was mich an meinem Beruf immer mehr reizt, ist, dass ich meinen Voyeurismus, meine Neugier auf Menschen, ausleben kann. Ich kann mich meinen Rollen gnadenlos nähern, bis ich sozusagen die Figur bin. Für mich ist es besonders reizvoll, jemanden zu spielen, dessen Handeln ich nicht nachvollziehen kann.

Wie macht man das, in Rollen zu schlüpfen, die so gar nichts mit einem selbst zu tun haben?

Es ist gar nicht so wichtig, ob eine Rolle etwas mit einem zu tun hat, oder nicht. An erster Stelle stehen das Drehbuch, der Text, die Zusammenarbeit mit dem Regisseur und den Kollegen. Dann schaue ich mir Dokumentationen an, lese Bücher, suche im Internet nach Inspirationen. Ganz wichtig ist auch der Instinkt. Das sind so Punkte, die sich dann verbinden.

Der Film wurde in Jerusalem gedreht ...

… in Jerusalem und Tel Aviv.

War das auch eine Inspirationsquelle?

Absolut! Israel hat so viel Energie, ist so reich an allem: so reich an Kultur, so reich an Geschichte, so reich an Konflikten. Das alles beeinflusst einen sehr. Mich zumindest.

Welcher Ort ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Am Ende ist es das ganze Land. Ich bin großer Fan der arabischen und jüdischen Kultur. Israel macht mich aber immer auch melancholisch, weil die politische Situation zwischen den Palästinensern und Israelis so hoffnungslos ist.

Gab es eine Situation, in der Sie Angst hatten, dass zum Beispiel jemand die Dreharbeiten als Bühne für eine politische Aktion nutzt?

Ich hab schon ganz andere Sachen erlebt. Ich habe in Afghanistan Theater gespielt. Ich denke da nicht weiter drüber nach. Am Ende habe ich ja sowieso keinen Einfluss darauf.

"Das Jerusalem-Syndrom": Marie (Leonie Benesch) steht kurz davor, den Messias auf die Welt zu bringen, ist sich Sektenführer Peter (Clemens Schick) sicher.

"Das Jerusalem-Syndrom": "Marie" (Leonie Benesch) steht kurz davor, den Messias auf die Welt zu bringen, ist sich Sektenführer "Peter" (Clemens Schick) sicher.

Sie werden oft als Bösewicht besetzt. Woran liegt das?

(lacht.) Das weiß ich nicht, das müssen Sie Andere fragen. Wobei: Ich suche mir solche Rollen natürlich auch immer wieder selbst aus. Abgründe sind mir nicht fern. Ich hab keine Angst davor, sie zu spielen. Und vielleicht trauen mir das Andere auch zu. Es ist sozusagen ein Kreislauf.

Der Sie nicht weiter zu stören scheint.

Deutsche Stars

Das verdienen Deutschlands Schauspieler

Maria Furtwängler (Tagesgage 15.000 - 12.000 Euro)   Sie gehört zur A-Liga unter Deutschlands Schauspielern und fällt damit auch in die Kategorie der Top-Verdiener. Seit über zehn Jahren ist sie als "Charlotte Lindholm" im "Tatort" zu sehen, auch die Serien "Die glückliche Familie" (1987-1991) oder "Hallo, Onkel Doc!" (1996-1998) machten sie bekannt.
Mario Adorf (Tagesgage 15.000 - 12.000 Euro)   Er gehört zu den Schauspiel-Urgesteinen und spielte in Filmen und Serien wie "Die Blechtrommel", "Rossini" und "Der Schattenmann" mit.
Götz George (Tagesgage: 15.000 - 12.000 Euro)   Seit den Fünfziger Jahren ist Götz George als Schauspieler tätig. Kommissar "Horst Schimanski" für die Krimireihe "Tatort" gilt als seine Paraderolle. In Filmen wie "Rossini", "Schtonk" oder "Der Totmacher" stellte er seine Vielseitigkeit unter Beweis. Zuletzt spielte er seinen Vater Heinrich George, der in Propagandafilmen wie "Jud Süß" zu sehen war, in dem Film "George".
Veronica Ferres (12.000 - 8.000 Euro Tagesgage)   1996 drehte sie den Film "Das Superweib", später war sie die dralle Blondine in "Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief". Dass Ferres nicht nur gut aussieht sondern auch mit ihrer schauspielerischen Leistung überzeugt, bewies sie zum Beispiel in der Miniserie "Die Manns - ein Jahrhundertroman". Aktuell dreht sie viel im Ausland und steht für den amerikanischen Film "The Giacomo Variations" vor der Kamera.

15

Ich reduziere meine Rollen nicht auf "böse" oder "gut". Wenn ich wie jetzt zum Beispiel einen Sektenführer spiele, dann erkenne ich dahinter, dass er eine Vision hat. Ich, Clemens Schick, würde vielleicht sagen: 'Du bist ein fanatischer, irrgelenkter Wahnsinniger!'. Das zählt dann aber in dem Moment nicht. Ich verurteile meine Rollen nicht vorher. Moralisch an eine Rolle ranzugehen, würde mich total einschränken.

Wie entscheiden Sie über Rollenangebote, mit dem Kopf oder dem Bauch?

Das kommt immer ganz darauf an. Als Schauspieler habe ich einen gewissen Idealismus, ich mache Projekte, weil sie mich künstlerisch interessieren. Auf der anderen Seite gibt es auch einen Realismus, der mit meinem Bankkonto zu tun hat. Im Idealfall werden beide Bedürfnisse mit einem Projekt abgedeckt.

Sie drehen im Moment viel im Ausland. War das Absicht oder hat sich das einfach ergeben?

Ich habe viel in Frankreich gedreht in der letzten Zeit. Und nächstes Jahr kommt mit "Praia do Futuro" ein brasilianischer Film mit mir ins Kino. Ich bin ein neugieriger Mensch und immer auf der Suche nach guten Geschichten. Und das eben nicht nur in Deutschland. Im Ausland werde ich außerdem auch anders wahrgenommen. Das ist für mich natürlich reizvoll.

Inwiefern anders?

Naja, in dem brasilianischen Film spiele ich einen Love-Interest. Und es stand dabei überhaupt nicht zur Debatte, ob jemand mit meinem Aussehen so gecastet werden kann. In Deutschland ist das schon spezieller.

Wären Sie mit Ihrem Aussehen nicht eigentlich der perfekte Hollywood-Bösewicht?

Hollywood ist immer so ein Totschlag-Wort. In dem Augenblick, in dem es fällt, spielen sich in den Köpfen vieler Leute Szenarien ab, die mit der Realität des Filmgeschäfts nicht viel zu tun haben. Ich finde: Entweder man ist dort und hat die Rollen – oder eben auch nicht. Darüber zu reden, ob man da hin will oder Hollywood ruft oder so etwas, das mach ich nicht gern. Das ist nur so eine Roter-Teppich-Fantasie.

Was gefällt Ihnen denn am Film? Immerhin hat der Sie ja vom Theater weggelockt ...

Ich war zehn Jahre lang am Theater. Ich habe unglaubliche Rollen spielen können, worüber ich heute noch sehr glücklich bin. Als ich Anfang 30 war, hatte ich Lust, mich im Film auszuprobieren. Dafür habe ich komplett bei null angefangen. Heute bin ich in erster Linie Filmschauspieler und bin damit sehr glücklich. Ich bin froh, dass ich das in dieser Reihenfolge gemacht habe. Dass ich diese Zeit am Theater hatte, wo man ein Stück über mehrere Wochen geprobt hat. Und dass ich vor vielen Menschen, mehreren Hundert, gespielt habe, Abend für Abend für Abend. Heute genieße ich die Intimität beim Film. Die Zuschauer beim Dreh sind die Kamera und das Team, alle sind involviert. Dadurch schauen sie anders zu als Theaterpublikum.

Gala.de-Redakteurin Deborah Löffler traf Clemens Schick (zu dem Zeitpunkt ohne Bart) in Hamburg, wo er für die Krimiserie "Nachtschicht" vor der Kamera stand.

Gala.de-Redakteurin Deborah Löffler traf Clemens Schick (zu dem Zeitpunkt ohne Bart) in Hamburg, wo er für die Krimiserie "Nachtschicht" vor der Kamera stand.

Ist Film- einfacher als Theaterschauspiel?

Das kann man so nicht sagen. Es ist das gleiche Handwerk, aber man benutzt andere Mittel. Beim Film zum Beispiel reicht ein Blick oder ein Gedanke, um etwas zu erzählen; auf der Bühne wäre das so nicht möglich.

Sind Theaterschauspieler handwerklich besser als ihre Kollegen beim Film?

Da gibt's kein Gesetz. Es gibt Menschen, die sind vor der Kamera fantastisch, haben aber noch nie auf einer Bühne gestanden. Ich kann nur für mich reden: Ich bin durch meine Zeit am Theater besser geworden. Dort habe ich mich frei gespielt.

Gehört es für Sie eigentlich zu Ihrem Beruf, sich Ihre Filme hinterher anzugucken?

Ja. Früher habe ich mir sogar einzelne Szenen angeguckt, während wir gedreht haben. Da habe ich dazugelernt. Während des Drehs schaue ich mir heute nichts mehr an. Ich kann besser loslassen, wenn ich mich nicht ständig selbst kontrolliere. Aber die fertigen Filme schaue ich mir immer an. Um zu sehen, was ich hätte besser oder anders machen können.

Der TV-Film "Das Jerusalem-Syndrom" läuft am Mittwoch, 11. Dezember 2013, um 20.15 Uhr auf ARD.

Mehr zum Thema

Star-News der Woche