Christopher Nolan
© Getty Images Christopher Nolan

Christopher Nolan Dirigent der Träume

Mit "Inception" schuf Christopher Nolan völlig neue Bilderwelten - der Actionthriller gilt jetzt schon als Oscar-Favorit. Gala zeigt, vom wem sich das Regie-Genie inspirieren lässt

Das größte Geschenk

zu seinem 40. Geburtstag Ende Juli machte sich Christopher Nolan selbst: Sein philosophischer Actionthriller "Inception", in dem sich Leonardo DiCaprio in anderer Leute Unterbewusstsein einschleust, um deren Geheimnisse zu stehlen, ist das Entertainment-Event des Sommers. Nicht von ungefähr wirkt der Film wie ein abgefahrenes 007-Abenteuer - Nolan ist bekennender Bond-Fan, auch in Sachen Stil. Selbst bei der Arbeit trägt er meist Anzug. Er könnte problemlos als Geheimagent oder Diplomat durchgehen. Was Haltung und Haarschnitt betrifft, auch als Leos großer Bruder. So elegant und souverän wie Nolans Auftreten ist seine Fähigkeit, verschachtelte Filme zu inszenieren, seine Kunst, Schauspieler zu dirigeren. Leo DiCaprio versicherte jetzt, den komplexen Plot von "Inception" habe er erst zum Ende hin begriffen. Ein begeisterter Zuschauer brachte es auf den Punkt: "Man muss echt aufpassen, um dem Film folgen zu können. Das ist man vom Kino gar nicht mehr gewöhnt!"

Hilary Swank zeigte bei den MTV Movie Awards, wer ihr Favorit ist.
© Getty ImagesHilary Swank zeigte bei den MTV Movie Awards, wer ihr Favorit ist.

Die Karriere von Christopher Nolan beginnt, als das Wunderkind sieben Jahre alt ist. Nach seinem ersten Kinobesuch will der kleine Chris nicht mehr Botaniker werden, sondern Regisseur. Mit Papas Super-8-Kamera filmt er im Garten gewaltige Schlachten mit Spielzeugsoldaten. "Nach 'Krieg der Sterne' verlagerte sich mein Schwerpunkt auf Raumschiffe und Außerirdische. Da hatte ich dann auch richtige Schauspieler: meine Brüder und sonstige Familienmitglieder", erzählte er Gala. Als Sohn eines britischen Werbetexters und einer amerikanischen Stewardess wächst er in London und Chicago auf. Ein Kosmopolit von Geburt an.

In London studiert Nolan Literatur, verbringt die meiste Zeit aber an der Film-Fakultät. Dort trifft er seine große Liebe Emma Thomas, die als Regieassistentin von Stephen Frears erste Kinoerfahrung sammelt. Das Paar heiratet, 1998 produziert Emma das Debüt ihres Mannes, "Following", an dem er ein Jahr lang jedes Wochenende mit Freunden von der Uni tüftelt. Schon in diesem Schwarz-Weiß-Krimi finden sich die Themen, die er in "Inception" perfektioniert hat: das Spiel mit Realität und Illusion, Wahrheit und Täuschung. Und schon damals zeigt sich auch, dass Nolan bei aller Doppelbödigkeit keine Kunst-, sondern Publikumsfilme dreht. Auf Festivals kommt "Following" so gut an, dass der Regisseur die Zuschauer um Unterstützung für sein nächstes Projekt bittet und großzügige Spenden erhält. Mit diesem Geld finanziert er den Film, der seinen Ruf als Regie-Genie begründen wird - den Thriller "Memento" rollt er buchstäblich von hinten auf. Diesem Mann ist alles zuzutrauen. Mit "Batman Begins" erfindet er einen flügellahmen Superhelden neu. So großartig kann eine Comicverfilmung sein! Hollywood verehrt ihn als Alchemisten, der die ultimative Blockbuster-Formel gefunden hat. Die ideale Schnittmenge von Action und Anspruch, großes Popcorn-Kino für den Kopf, Irrgärten für die Sinne. Wie Leonardo DiCaprio als Cobb in "Inception" kreiert Nolan Bilder, die uns bis in unsere Träume verfolgen.

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