Christoph Schlingensief

"Als ob das Leben selbst gestorben wäre"

Prominente aus Kultur und Politik haben sich nach der Nachricht vom Tode Christoph Schlingensiefs zutiefst bestürzt gezeigt

Christoph Schlingensief

Christoph Schlingensief

Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, würdigte als "einen der wirklich Großen in unserem Milieu". Die 32-Jährige kannte den Regisseur seit seiner Arbeit an der legendären "Parsifal"-Inszenierung auf dem grünen Hügel 2004.

In einem offenen Nachruf in der Zeitung "B.Z" schrieb sie: "Ich bin kein Mensch, der leicht weint. Aber wenn Du gehst, Freund, dann weint meine Seele". Katharina Wagner ergänzte zudem am Rande der Festspiele am Samstag: "Ich bin tief erschüttert, schockiert und traurig. Es tut mir wahnsinnig leid, vor allem weil er so gekämpft hat".

"Ich dachte immer, so jemand kann nicht sterben. Das ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre," fasste die Literaturnobelpreisträgerin ihre Gefühle in Worte. So einen wie ihn könne es nicht mehr geben. Er sei einer der größten Künstler, die je gelebt hätten, sagte sie der österreichischen Nachrichtenagentur "APA". Schlingensief hatte 2003 die Urauffühung von "Bambiland" in Wien inszeniert.

Auch die Bundesvorsitzende der Grünen, , äußerte sich zu Schlingensiefs Tod: "Dieser verdammte Krebs! Mit Schlingensief verliert die Bundesrepublik einen der kreativsten, vielseitigsten und radikalsten Künstler."

Als "großartigen Wachrüttler" bezeichnete der ehemalige Intendant der Münchner Kammerspiele Frank Baumbauer Christoph Schlingensief. "Mit seinen neuen Theaterformen und veränderten Wertigkeiten hat er uns durch seine Verhaftungen in der Wirklichkeit wieder und wieder aus unseren netten Nestern herausgeworfen. Er hat wirklich Großartiges gemacht und etwas bedeutet - ob in Hamburg, in Berlin, in Bayreuth, in Wien oder in Afrika", sagte Baumbauer der Nachrichtenagentur "dpa".

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Der bekannte Künstler und Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief war am Samstag seinem Krebsleiden im Alter von nur 49 Jahren erlegen. Seit 2008 kämpfte der Künstler gegen Lungenkrebs. Im Oktober wäre er 50 geworden, dann sollten seine Memoiren erscheinen. 2009 veröffentlichte er sein bewegendes "Tagebuch einer Krebserkrankung", mit dem er auch auf Lesereise ging. Noch in diesem Mai inszenierte er das Opernprojekt "Via Intolleranza II" nach Luigi Nono in Brüssel und anderen Orten.

Sein großer Traum war ein Projekt in Afrika: ein eigenes "Operndorf" in Burkina Faso. Noch im Februar hat er den Grundstein dafür gelegt. Seine Frau Aino Laberenz hatte in der ARD-Talkshow "Beckmann" im April 2009 gesagt, dass die beiden eine Abmachung hätten, wonach sie ihn zum Sterben nach Afrika bringen wird. Dazu ist es nun nicht mehr gekommen. Christoph Schlingensief starb im Kreise seiner Familie und Freunde in Berlin.

sst, dpa

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