Chelsea Clinton Mutters Joker fürs Weiße Haus

Chelsea Clinton ist zu Hillary Clintons stärkster Waffe im Wahlkampf geworden. Denn die Ex-Präsidententochter hat sich unglaublich gemausert

Ein Teenager mit wirren Locken und Zahnspange, eher schüchtern als forsch: Chelsea Clinton, die Tochter des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und seiner Frau Hillary. So hat man sie in Erinnerung. Aber es lohnt sich, genauer hinzusehen. Aus dem unscheinbaren Mädchen ist eine souveräne Frau geworden. Eine 27-Jährige, die in Stanford und Oxford studiert hat, jetzt in New York als hoch bezahlte Investmentbankerin arbeitet. Und ganz nebenbei als Joker für ihre Mutter gilt bei deren Versuch, 2008 als Staatschefin noch einmal ins Weiße Haus einzuziehen. Chelsea sorgt für den weiblichen Touch in der Politik, wo Hillary Clinton mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Die 59-jährige demokratische Senatorin sei kalt und arrogant, heißt es aus den Reihen der Kritiker. Nur die Karriere zähle für sie. Doch neuerdings punktet sie in TV-Spots und bei Auftritten mit Geschichten über ihre Tochter. Emotionale Storys über Weihnachtsschmuck oder über Chelseas früheres Lieblingsschlaflied kommen prima bei den Wählern an. Positiv wirkt auch der bodenständige Lebensstil von Chelsea. Mit ihrem Freund Marc Mezvinsky, ebenfalls Investmentbanker, plant sie eine gemeinsame Zukunft. Sie hat zudem eine beeinruckende Allgemeinbildung, diskutiert über russische Literatur so fundiert wie über politische Sachthemen. Und im Gegensatz zu den Töchtern des amtierenden Präsidenten Bush machte sie nie Schlagzeilen mit wilden Partys. Dabei hätte das Einzelkind allen Grund für Eskapaden ge­habt, damals, als ihr Vater in der Lewinsky-Affäre steckte.

Diese schwere Krise hat sie offenbar unbeschadet überstanden. Die Kraft, die andere aus einer Therapie geschöpft hätten, zog Chelsea am Ende doch aus der Familie. Und sie reifte daran. Nun kann sie als starke Persönlichkeit ihre Mutter unterstützen, für die sie neben Bill "die beste Beraterin" ist. Sollte Hillary Clinton die erste Präsidentin der USA werden, wäre Chelsea das erste zweifache "First Child" der Geschichte. Eine Position, die ein Türöffner für ihre eigenen Ziele sein könnte. "Ich fühle den Drang, eine Rolle für Amerikas Zukunft zu spielen", schrieb sie in einem Essay über die Anschläge des 11. September. Wenn sie so weitermacht, stehen die Chancen bestens.