Carrie Fisher
© Freitext Carrie Fisher

Carrie Fisher "Ich bin das Ergebnis von Inzucht in Hollywood"

Vor 33 Jahren begeisterte Carrie Fisher als Prinzessin Leia Organa in Star Wars. Heute begeistert sie mit ihrer durchgeknallten Lebensgeschichte

Mit einem Zeigestock steht Carrie Fisher auf der Bühne und erklärt ihre - zugegebenermaßen - wilden Familienverhältnisse an einer Tafel, die mit Fotos ihrer "Liebsten" bestückt ist. "Ich bin wirklich das Ergebnis von Inzucht in Hollywood. Wenn sich zwei Prominente paaren, kommt jemand wie ich dabei heraus", erzählt sie mit einem sarkastischen Unterton in der Stimme.

Aber wer zum Teufel ist Carrie Fisher, könnte man sich nun fragen. Und vor allem: Warum interessiert ihre Lebens- beziehungsweise Familiengeschichte? Die Antwort auf diese Fragen ist leicht: Carrie Fisher begeisterte in den 70er Jahren ein breites Publikum mit ihrer Darstellung der Prinzessin Leia Organa in der Star-Wars-Trilogie. Mittlerweile begeistert sie vor allem mit ihren biographischen Werken, in denen sie unverblümt von ihren exentrischen Eltern und ihrem eigenen - von Drogen und Krankheit gesprägtem - Leben erzählt. Ihr letztes Buch "Wishful Drinking" war so erfolgreich, dass sie damit derzeit sogar als One-Woman-Show durch die USA tingelt.

Wie im Buch nimmt Carrie auch in ihrer Show kein Blatt vor den Mund, wenn sie ihre Lebensgeschichte, die auch bestens als Daily Soap verfilmt werden könnte, zum Besten gibt. Geboren wurde sie 1956 als Tochter der Musical-Darstellerin Debbie Reynolds und des Entertainers Eddie Fisher - Amerikas Traumpaar der 50er Jahre oder wie Carrie sagt: "Sie waren der Brad Pitt und die Jennifer Aniston ihrer Zeit." Als Carrie drei Jahre alt war, verließ er ihre Mutter und heiratete nur kurze Zeit später Elizabeth Taylor. Der Kontakt zum Vater brach fast gänzlich ab, mit ihrer exentrischen Mutter hatte sie dafür umso mehr zu tun.

Mit 13 Jahren nahm Carrie zum ersten Mal Drogen, die sie im Ferienhaus ihrer Eltern gefunden hatte: "Ich muss das wirklich genossen haben, denn ich experimentierte die nächsten sechs Jahre lang mit Marijuana, bis es plötzlich zurückschlug. Ich brauchte eine Ersatzdroge. Damals war ich etwa 19 und drehte gerade 'Krieg der Sterne'. Nachdem ich mich also sorgfältig nach einem Ersatz umgesehen hatte, entschied ich mich für Halluzinogene und Schmerzmittel. Man sagt ja immer, Religion sei das Opium der Massen. Nun, ich nahm mit religiösem Eifer massenweise Opiate."

Natürlich fiel die ausladene Drogensucht ihrer Tochter auch Carries Mutter auf. Also rief sie Cary Grant an, der in den 60er Jahren bekannterweise unter ärzlicher Aufsicht LSD nahm. "Einen Filmstar darum zu bitten, in meinem Leben eine Intervention durchzuführen, schien meiner Mutter das Normalste von der Welt."

Also telefonierten Carrie und Cary und tauschten sich munter über Drogen aus. Therapie-Erfolg gleich null. Statt eines Entzugs wählte Carrie die Zweisamkeit und heiratete 1983 den Musiker Paul Simon, von dem sie sich jedoch nur ein Jahr später wieder scheiden ließ. 1992 wurde ihre Tochter Billie Catherine Lourd geboren. Den Vater ihres Kindes, Bryan Lourd, heiratete Carrie ein Jahr später - allerdings verließ er sie zwei Jahre später. Für einen Mann!

Es folgte, was folgen musste: ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, in der bei Carrie eine bipolare Störung diagnostiziert wurde. "Ich habe einfach zuviel Persönlichkeit für eine Person und nicht ganz genug für zwei. Symptome sind Promiskuität, exzessives Geldausgeben und Drogenmißbrauch - ich weiß, für viele hört sich das nach einem tollen Wochenende in Las Vegas an."

Doch Carrie machte das Beste aus ihrer Situation und begann ihre Geschichte der Öffentlichkeit zu erzählen, anstatt sich zu verstecken - mit durchschlagendem Erfolg. "Mein ganzes Leben lang hatte ich darauf gewartet, einen Preis für irgendetwas zu bekommen - okay, nicht fürs Schauspielern, aber vielleicht ein kleiner Autorenpreis? Nein, ich bekomme jetzt Preise dafür , eine geistige Krankheit zu haben." Ihre Eltern schickten sogar ein Bild an einen großen Verlag, so dass sie nun als Beispiel für eine Manisch-Depressive in einem Lehrbuch für Psychopathologie zu finden ist. "Meine Familie ist sowas von stolz darauf."

Obwohl Carries Familienleben sicherlich nicht immer einfach war, lebt sie heute in dem Haus neben ihrer Mutter: "Sie ist immer noch etwas exzentrisch. Wenn sie anruft, meldet sie sich immer mit 'Hallo Liebes, hier ist Deine Mutter Debbie' - im Gegensatz zu meinen Müttern Wladimir und Jean-Jacques." Mit ein bisschen Glück wird Carrie Fisher also schon ganz bald genügend neuen Stoff haben, um ein weiteres Werk zu verfassen.