Carla Bruni Ich zuerst, Schatz!

Hemmungslos nutzt Carla Bruni den Status als First Lady, um ihre Pop-Karriere zu puschen. Wie lange schaut sich Nicolas Sarkozy das noch an?

Gibt es eigentlich

mehrere Carla Brunis? Dieser Eindruck konnte in den vergangenen Wochen leicht entstehen. Die eine Carla reist als Frankreichs Première Dame an der Seite ihres Gatten, Staatspräsident Nicolas Sarkozy, um die Welt. Eine andere sitzt plötzlich in Nürnberg auf dem Sofa von "Wetten, dass..?", plaudert charmant mit Thomas Gottschalk, nachdem sie ein sanftes Liebeslied gesungen hat - wenn auch Playback.

Carla Bruni genießt überall wo sie hinkommt größte Aufmerksamkeit
© Wireimage.comCarla Bruni genießt überall wo sie hinkommt größte Aufmerksamkeit

Die nächste Carla ist bei der beliebten französischen TV-Nachrichtensendung "Le Grand Journal"Chefredakteurin für einen Tag, talkt mit Politikern und Bob Geldof. Eine vierte Carla erzählt in Interviews freimütig über ihr Leben als Präsidentengattin. Und auf den Titelseiten der Lifestyle-Magazine ist sie sowieso immer wieder zu sehen - meist mit Versprechungen wie "exklusiv" oder "intim".

Die Franzosen staunen, wie Carla Bruni es schafft, scheinbar überall gleichzeitig zu sein. Doch langsam werden auch Stimmen laut, die ihre Dauerpräsenz aufs Korn nehmen: Madame Bruni instrumentalisiere ihren Status als Frau des Staatschef, um ihre Karriere als Popmusikerin anzuschieben. Das sieht auch Alexander von Sobeck so, Leiter des ZDF-Studios in Paris: "Es ist schon unglaublich, wie sie ihre Rolle nutzt, um Eigenwerbung zu machen. In Waisenhäusern Kinder zu streicheln und sich für Charity einspannen zu lassen, genügt ihr halt nicht."

Viele irritiert zudem die Tatsache, dass manche ihrer Verhaltensmuster eher an Newcomer im Pop-Business erinnern, die Aufmerksamkeit erringen wollen. Man denke nur an die Verlosung beim Nostalgie-Radiosender "Chérie FM": Gleich fünf Hörer können hier einen Besuch bei Carla Bruni inklusive Gratiskonzert gewinnen, wenn sie Quizfragen zu der Sängerin richtig beantworten.

Auch in der letzten Kabinettssitzung der Regierung vor der Sommerpause landete sie einen Coup d'état - indem sie ihr aktuelles Album an alle Minister verteilen ließ. Die standen danach mit der CD in der Hand vor den Fernsehkameras und lobten die Musik der Frau vom Chef. Oder die Fernsehsendung "Le Grand Journal". Bei der Debatte glänzte sie nicht gerade durch kluge Statements, es ging wohl mehr um ihren anschließenden Auftritt. Dabei hatte sie nach der Hochzeit mit Sarkozy doch angekündigt, als Musikerin wolle sie nicht mehr so häufig auf die Bühne oder vor Kameras. Heute ist ihr Forum der pompöse Élysée-Palast, in den sie die Berichterstatter gern einlädt. Und angeblich spielte noch nie zuvor die Gattin eines französischen Präsidenten ernsthaft mit dem Gedanken, das Münchner Oktoberfest zu besuchen, womöglich sogar im Dirndl. Carla Bruni hat es wohl getan. Dieser Termin wurde allerdings am Ende abgeblasen.

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