Carla Bruni

Ich zuerst, Schatz!

Hemmungslos nutzt Carla Bruni den Status als First Lady, um ihre Pop-Karriere zu puschen. Wie lange schaut sich Nicolas Sarkozy das noch an?

Gibt es eigentlich

mehrere ? Dieser Eindruck konnte in den vergangenen Wochen leicht entstehen. Die eine reist als Frankreichs Première Dame an der Seite ihres Gatten, Staatspräsident , um die Welt. Eine andere sitzt plötzlich in auf dem Sofa von "Wetten, dass..?", plaudert charmant mit , nachdem sie ein sanftes Liebeslied gesungen hat - wenn auch Playback.

Carla Bruni genießt überall wo sie hinkommt größte Aufmerksamkeit

Carla Bruni genießt überall wo sie hinkommt größte Aufmerksamkeit

Die nächste Carla ist bei der beliebten französischen TV-Nachrichtensendung "Le Grand Journal"Chefredakteurin für einen Tag, talkt mit Politikern und . Eine vierte Carla erzählt in Interviews freimütig über ihr Leben als Präsidentengattin. Und auf den Titelseiten der Lifestyle-Magazine ist sie sowieso immer wieder zu sehen - meist mit Versprechungen wie "exklusiv" oder "intim".

Die Franzosen staunen, wie Carla Bruni es schafft, scheinbar überall gleichzeitig zu sein. Doch langsam werden auch Stimmen laut, die ihre Dauerpräsenz aufs Korn nehmen: Madame Bruni instrumentalisiere ihren Status als Frau des Staatschef, um ihre Karriere als Popmusikerin anzuschieben. Das sieht auch Alexander von Sobeck so, Leiter des ZDF-Studios in Paris: "Es ist schon unglaublich, wie sie ihre Rolle nutzt, um Eigenwerbung zu machen. In Waisenhäusern Kinder zu streicheln und sich für einspannen zu lassen, genügt ihr halt nicht."

Viele irritiert zudem die Tatsache, dass manche ihrer Verhaltensmuster eher an Newcomer im Pop-Business erinnern, die Aufmerksamkeit erringen wollen. Man denke nur an die Verlosung beim Nostalgie-Radiosender "Chérie FM": Gleich fünf Hörer können hier einen Besuch bei Carla Bruni inklusive Gratiskonzert gewinnen, wenn sie Quizfragen zu der Sängerin richtig beantworten.

Bruni + Sarkozy

Madame lächelt in New York

Mit Stil und Eleganz erobert die französische "First Lady" Carla Bruni-Sarkozy derzeit New York
Viele gemeinsame Termine bei der Galaveranstaltung der "Elie Wiesel Foundation for Humanity" bei der Nicolas Sarkozy für sein hu
Gespickt mit viel Showtalent hält Nicolas Sarkozy seine Dankesrede
Wenn seine Frau Carla Bruni-Sarkozy die Bühne betritt, wird es für die meisten Zuschauer noch interessanter

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Auch in der letzten Kabinettssitzung der Regierung vor der Sommerpause landete sie einen Coup d'état - indem sie ihr aktuelles Album an alle Minister verteilen ließ. Die standen danach mit der CD in der Hand vor den Fernsehkameras und lobten die Musik der Frau vom Chef. Oder die Fernsehsendung "Le Grand Journal". Bei der Debatte glänzte sie nicht gerade durch kluge Statements, es ging wohl mehr um ihren anschließenden Auftritt. Dabei hatte sie nach der Hochzeit mit Sarkozy doch angekündigt, als Musikerin wolle sie nicht mehr so häufig auf die Bühne oder vor Kameras. Heute ist ihr Forum der pompöse Élysée-Palast, in den sie die Berichterstatter gern einlädt. Und angeblich spielte noch nie zuvor die Gattin eines französischen Präsidenten ernsthaft mit dem Gedanken, das Münchner Oktoberfest zu besuchen, womöglich sogar im Dirndl. Carla Bruni hat es wohl getan. Dieser Termin wurde allerdings am Ende abgeblasen.

Wo immer sie heute auftritt, ist sie sowohl Sängerin als auch First Lady. Niemand erwartet von ihr, dass sie ihre Karriere für das Leben als Politikerfrau aufgibt. Aber sie bemüht sich auch nicht sonderlich darum, die beiden Bereiche voneinander zu trennen. Das jedoch fordert jetzt zum Beispiel die Zeitschrift "Point de Vue". "Carla, First Lady, aber nur wenn sie Lust hat", titelt die Zeitschrift. Sie spielte darauf an, dass Carla Bruni sich bei den üblichen Aufgaben einer Première Dame auffällig zurückhält. Wegen eines eventuellen Engagements im Charity-Bereich gab es bis jetzt keine größeren Schlagzeilen.

Stattdessen droht Spott. Er kommt nicht frontal und direkt, sondern vorsichtig verpackt - Nicolas Sarkozy hat schließlich gute Kontakte im Medienbereich, da könnte eine Karriere schnell zu Ende gehen. In der TV-Sendung "Les Guignols de l'info", einer hochgelobten Satire-Sendung, in der die Politiker von knautschigen Puppen dargestellt werden, sind Nicolas Sarkozy und Carla Bruni mittlerweile Dauergäste. Er heißt hier nur noch "Gatte der Popsängerin". "Herr Präsident, was sagen Sie zu der internationalen Finanzkrise?", fragte der Moderator beispielsweise. Die Sarkozy-Puppe erstaunt: "Finanzkrise? Wovon reden Sie? Meine Frau Carla hat ein Anwesen bei Cap Nègre und drei Häuser in Italien. Ihre Platte verkauft sich prima. Ihr geht es gut."

Solange der Präsident von der Popularität seiner Gattin profitiert, kann er die Häme einer Puppenshow sicher ertragen. Aber kommt er auch damit zurecht, dass seine Carla bei gemeinsamen Auftritten mehr im Blitzlicht steht als er? So war es beispielsweise kürzlich in New York, als er von einer Stiftung zum Staatsmann des Jahres ernannt wurde. Die meisten Gäste, darunter der ehemalige US-Außenminister , wandten sich später beim Dinner lieber seiner Angetrauten zu.

Zwar haben sich Sarkozys Umfragewerte im Laufe des vergangenen halben Jahres verbessert, doch die jüngste Erhebung weist wieder abwärts. Ob ihm wohl schon mal ein Berater gesteckt hat, dass seine Frau den Bogen eventuell überspannt? "So eine Inszenierung kann sehr schnell kippen. Da genügt unter Umständen schon ein einfacher Fauxpas", sagt ZDF-Experte Sobeck. "Die Franzosen haben eine tiefe Sehnsucht nach dem Höfischen. Wenn also Sarkozy und seine Berater den Eindruck bekommen, die Aktionen seiner Frau seien kontraproduktiv für die eigene Imagepflege, werden Carla Brunis Auftritte wahrscheinlich sehr schnell zu einem Ende kommen."

Erstaunlich ist: Trotz der PR-Offensive hat sich ihre Platte "Comme Si De Rien N'Était" bis jetzt in nur rund 80.000 Mal verkauft und damit nicht besser als ihre vorherigen Alben. Vielleicht ist diese Zahl einer der Gründe, warum sie beinahe jede Chance für eine Schlagzeile nutzt. Auf eine Erfolgsfrau wie sie, die immer betont hat, weiterhin an ihrer Karriere als Künstlerin arbeiten zu wollen, müssen solche Zahlen wie Hohn wirken.

Und dann ist da noch Rachida Dati. Die Justizministerin stand Nicolas Sarkozy sehr nahe, bevor er mit Carla Bruni zusammenkam. Jetzt ist die Politikerin schwanger, den Namen des Kindsvaters hält sie geheim - was zu wilden Spekulationen geführt hat. Das alles muss Carla Bruni, die sich von ihrem Mann sehnlichst ein Kind wünscht, verletzt haben. Ein Grund mehr, Land und Leuten zu zeigen, wer die wahre Powerfrau ist. Ihren Anspruch, als Alpha-Tier wahrgenommen zu werden, bekräftigt sie damit erneut. Dabei war das Bild der Femme fatale, die ihre Liebschaften mit mächtigen Männern für die eigene Karriere nutzt, durch ihr Auftreten bei den ersten Staatsbesuchen zunächst verblasst. Mittlerweile erinnern sich die Franzosen wieder an die frühere Carla.

Wie es weitergeht? Kann sein, dass diese Carla Bruni bald allen ordentlich auf die Nerven geht, weil man von ihr übersättigt ist. Wenn sie wenigstens durch interessante Gedanken konstruktive Diskussionsbeiträge liefern würde! Äußerungen wie "Es gibt nicht genug Musik im Alltag, das müsste vorgeschrieben sein, zum Beispiel im Bus" klingen wie Plattitüden. Wobei sie außerdem wahrscheinlich sowieso vor allem an ihre eigene Musik dachte.

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