Britney Spears
© Getty Britney Spears

Britney Spears Warum tut sie sich das an?

Britney Spears scheint nach ihrer Trennung wie von Sinnen. Partys und peinliche Alkohol-Exzesse mit ihrer neuen Freundin Paris Hilton sind an der Tagesordnung. Doch es steht viel mehr auf dem Spiel als das Image - höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen

Es ist das bittere Ende einer Party-Nacht, der Absturz nach dem flüchtigen Rausch. Wie in Trance sitzt Britney Spears in ihrer Limousine. Ein Häuflein Elend, das mit glasigen Augen in die Kameras der Paparazzi blickt. Am liebsten möchte man sie in den Arm nehmen, sie trösten - und wachrütteln. Die Trennung von Kevin Federline hätte der Startschuss sein können. Doch anstatt ihr Leben frisch zu sortieren, zog Britney lieber mit Paris Hilton durch die Nachtclubs. Nicht neue Hits, sondern Alkoholexzesse und "unten ohne"-Auftritte sorgen für Dauerschlagzeilen. Es scheint so, als suche die einstige Chartstürmerin verzweifelt Menschen, die sie an die Hand nehmen, die ihr Halt und Orientierung geben. Ganz egal, ob nun Eltern, Kevin oder jetzt ihre neue "Freundin": "Seit Paris für mich da ist, geht es mir großartig", beteuert Britney. Ihre Augen sprechen eine andere Sprache.

Endstation Partygirl? Das volle Ausmaß des Karriereschadens, den der gefallene Pop-Engel mit seinen aktuellen Exzessen anrichtet, ist zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen. Vor allem Britneys Familie bereitet die Entwicklung zunehmend Kopfschmerzen. Verliert die 25-Jährige am Ende den Sorgerechtstreit um Sean Preston, 1, und den knapp drei Monate alten Jayden James? Dass sie nach ihren Zechtouren tagsüber noch ausreichend Energien hat, zwei Kleinkinder liebevoll zu umsorgen, dürfte vor Gericht nur schwer zu vermitteln sein. Britney müsse nach ihrer Trennung von Kevin Federline einfach nur Dampf ablassen, versuchen Freunde zu relativieren. Bloß, weil sie ausgehe und Spaß habe, sei sie deshalb noch lange keine schlechte Mutter. Federline wittert trotzdem Morgenluft: "Meine Ex sollte sich schämen! Die Kinder haben ein besseres Vorbild verdient", schäumte der Möchte-gern-Rapper vor Freunden und kündigte an, um das Sorgerecht kämpfen zu wollen.

Bleibt die Frage: Warum tut Britney sich das an? Warum provoziert sie sehenden Auges täglich einen neuen Publicity-GAU? "Britney hat einfach keine Lust, erwachsen zu werden", analysiert die renommierte Hamburger Psychologin Heidrun Brauer. Die Pop-Millionärin wolle erst einmal das nachholen, was ihr in der Vergangenheit verwehrt blieb - weil sie aus Karrieregründen ihre Jugend kaum genießen konnte. "Zudem leidet sie trotz vieler Jahre im Rampenlicht immer noch unter einer tief sitzenden Unsicherheit, wie ihre abgeknabberten Fingernägel unterstreichen", erklärt Brauer. Deshalb die Sucht nach Aufmerksamkeit, auch wenn sie sich mit ihren Aktionen ins Abseits manövriert. Dabei sah es zunächst so aus, als wäre sie nach dem Negativschlagzeilen-Overkill der vergangenen Monate endlich zur Besinnung gekommen. Dem überfälligen Ende ihrer Chaos-Ehe folgte ein versöhnlich stimmender Kurzauftritt bei den American Music Awards. Da präsentierte sich Brit in einem für ihre Verhältnisse braven Outfit, wirkte zurückhaltend, strahlte Optimismus und Tatkraft aus.

Nun scheint das Happy End in weite Ferne gerückt. Stattdessen drohen Britneys Auweia-Auftritte, ihr das für 2007 geplante Comeback zu verhageln. Noch gibt die Sängerin sich bockig: "Ich habe zweieinhalb Jahre damit verbracht, Kinder zu kriegen. Jetzt will ich Spaß haben!" Doch langsam dämmert ihr wohl, was sie angerichtet hat. Ihren gemeinsamen Auftritt mit Paris als Gastgeberin der Billboard-Awards sagte Brit ab, und auch ihren 25. Geburtstag am 2. Dezember feierte sie ohne Paris und mit Höschen.

Was Britney Spears jetzt braucht, sind gute Berater. Ausgerechnet Elliot Mintz, der auch Paris Hilton betreut, als neuen PR-Manager zu wählen, war eine fatale Fehlentscheidung. Und auch auf die neue Freundin kann sie kaum bauen. Heidrun Brauer: "Paris Hilton hat ihre unselige Allianz mit Britney aus reiner Berechnung geschlossen. Ihr Stern ist kurz vor dem Verglühen, sie musste etwas unternehmen." Nun hofft Paris wohl, ihre gefloppte Sangeskarriere neu zu beleben - vielleicht durch ein Duett mit Britney? Die Psychologin ist davon überzeugt, dass Paris das Frauenbündnis nur so lange aufrecht erhält, "wie sie glaubt, dass Britney nützlich für sie ist". Bis sich die unvermeidliche Katerstimmung einstellt, ist also nur eine Frage der Zeit. Kurzfristig holten Britney und Paris auch Lindsay Lohan mit ins Party-Boot. Die 20-jährige Schauspielerin, bislang ebenfalls ein berüchtigtes It-Girl, zog inzwischen aber die Notbremse und hat sich bei den Anonymen Alkoholikern angemeldet. Sie will ihr Leben in den Griff bekommen. Bleibt zu hoffen, dass Britney und Paris sich ein Beispiel an ihr nehmen.