Bono Vox
© Getty Bono Vox

Bono Vox Wer ist Paul?

Große Überraschung für ein erstauntes Publikum: Halb "U2" spielte unangekündigt in einer kleinen Kirche in London - als Vorband

Die legendäre irische Band "U2" kennt jeder. Auch mit dem Namen Bono kann jeder etwas anfangen. Bei "Biffy Clyro" hingegen klingeln nur bei sehr wenigen die Glocken. Selbst hartgesottenen Indieliebhabern ist die schottische Band nicht wirklich geläufig, es sei denn sie waren hierzulande pünktlich auf einem "Bloc-Party"-Konzert, denn dort spielten sie als Vorband. Inzwischen können sie sich selbst eine Vorband leisten.

Letzten Freitag, am 23. November 2007, kündigt der Veranstalter Jo Whiley in der Union Chapel von Islington im Norden Londons im Zuge eines Wohltätigkeitskonzertes zu Gunsten der Organisation "Mencap", die sich für Kinder und Erwachsene mit Lernbehinderungen einsetzt, einen "besonderen" und "extrem nervösen" Gast an. "Der Sänger, Paul, ist ein schüchterner Typ, also seid nett zu ihm" so Whiley über den Musiker, der gleich im Vorprogramm von "Biffy Clyro" auftreten wird.

"Paul wer?" fragte sich wohl die Mehrheit der 250 Konzertgäste und staunten nicht schlecht, als kein geringerer als Bono, dessen wirklicher Name Paul Hewson ist, zusammen mit "U2"-Gitarrist "The Edge" die Bühne betrat und mit Hits wie "Stay", "Angel of Harlem", "Desire" den völlig überraschten Gästen Anlass zur Freude gab. Denn das Goldkehlchen Bono, kurz für Bono Vox (Latein= schöne Stimme), gab seinem Künstlernamen alle Ehre. Als er den Song "Angel of Harlem" in Gedenken an den vor 10 Jahren verstorbenen "INXS"-Sänger Michael Hutchence spielte, rührte er die kleine Menge in der großen Kirche fast zu Tränen. Am Schluss ihres 25-minütigen Gigs boten sie außerdem ein ganz besonderes Schmankerl. Zum ersten Mal überhaupt präsentierten sie den Song "Wave of Sorrow", ein 1987 geschriebener aber nie veröffentlichter Song, der demnächst auf der "20th Anniversary Edition" von "Joshua Tree" als Bonustrack erscheinen soll. Der Song basiert auf Bonos Erfahrungen während seines Äthiopien-Aufenthaltes in den 80er Jahren. "Biffy Clyro" werden es wohl nach diesem außergewöhnlichen und ergreifenden Gig der Musiklegenden eher schwer gehabt haben, geehrt fühlen mussten sie sich aber allemal.