Berlinale 2014: Shia LaBeouf
© Reuters Shia LaBeouf

Berlinale 2014 LaBeouf probt den Zwergenaufstand

Lars von Trier hat seinen neuen Film "Nymphomaniac Vol. 1" auf der Berlinale vorgestellt - für das Skandälchen am Rande sorgte aber diesmal nicht nur er selbst, sondern auch sein Star Shia LaBeouf

Lars von Trier hat beschlossen, bei der diesjährigen Berlinale einfach mal den Mund zu halten. Warum auch nicht - provozieren kann man schließlich auch, ohne zu sprechen. Zum Photocall nach dem Presse-Screening von "Nymphomaniac Vol. 1" (wofür es Applaus von den Medienvertretern gab) trug der Däne ein T-Shirt, auf dem unter einer stilisierten Palme der Begriff "Persona Non Grata" gedruckt stand - eine Anspielung auf den Zwischenfall bei den Filmfestspielen in Cannes 2011, als ihn die Festivalleitung aufgrund von unbedachten Nazi-Äußerungen während einer Pressekonferenz kurzerhand vom Festival ausschloss, indem sie ihn zur "unerwünschten Person" erklärte.

Berlinale 2014: In Anspielung auf den Zwischenfall in Cannes 2011 trägt Lars von Trier ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Persona Non Grata".
© ReutersIn Anspielung auf den Zwischenfall in Cannes 2011 trägt Lars von Trier ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Persona Non Grata".

Deswegen saß Lars von Trier am Sonntag (9. Februar) auch nicht mit in der Riege seiner Darsteller aus "Nymphomaniac", als zur Pressekonferenz gebeten wurde. Stattdessen gaben sich Uma Thurman, Christian Slater, Stellan Skarsgård , Nachwuchsdarstellerin Stacy Martin, die in "Nymphomaniac" die jüngere Ausgabe von Charlotte Gainsbourgs Figur "Joe" spielt und somit im ersten Teil des insgesamt über fünfstündigen Werkes die Hauptrolle übernommen hat, sowie Produzentin Louise Vesth die Ehre.

Und dann war da noch Shia LaBeouf, der mit einer tief in die Stirn gezogenen, vor Dreck starrenden Baseballkappe fast nicht zu erkennen gewesen wäre, und dessen Körpersprache auch nicht gerade nach entspannter Small-Talk-Laune aussah. Der Eindruck täuschte nicht. Sobald ihm die erste - recht harmlose, auf die vielen Sexszenen im Film bezogene - Frage von einer Journalistin gestellt wurde, sagte er ein offenkundig vorher sorgfältig einstudiertes Sätzchen auf: "When the seagulls follow the trawler, it is because they think sardines will be thrown into the sea" ("Die Möwen folgen dem Schlepper, weil sie denken, dass Sardinen ins Meer geworfen werden"). Danach bedankte er sich, stand auf und stürmte aus dem Saal.

Berlinale 2014: Shia LaBeouf legt während der Pressekonferenz zu "Nymphomaniac" eine Protesthaltung an den Tag.
© ReutersShia LaBeouf legt während der Pressekonferenz zu "Nymphomaniac" eine Protesthaltung an den Tag.

Fußballexperten dürften sich jetzt an eine Szene aus dem Jahr 1995 erinnert fühlen, als der damalige Starkicker Eric Cantona genau diese Worte während einer Pressekonferenz von sich gab und daraufhin ebenfalls umgehend den Saal verließ. Der französische Fußballer war seinerzeit wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Fußballfan in die Schlagzeilen geraten und wollte mit dem Spruch seine Abneigung gegen die Sensationslust der Presse in dieser Angelegenheit zum Ausdruck bringen.

Wogegen sich LaBeoufs Protest in Berlin konkret richtete, wurde hingegen nicht ganz deutlich, obwohl es in den vergangenen Wochen natürlich einige kleinere und größere Vorfälle gab, die den "Transformers"-Star eher unfreiwillig in die Schlagzeilen gebracht hatten. Vor allem der Plagiatsvorwurf, den sich der 27-Jährige für seinen Kurzfilm "HowardCantour.com" aus dem Jahr 2012 gefallen lassen musste und für den er sich später bei dem Comic-Schöpfer Daniel Clowes entschuldigte, ließ den als Hitzkopf bekannten Darsteller zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen: Im Januar dieses Jahres gab er via Twitter seinen kompletten und sofortigen Rückzug aus der Öffentlichkeit bekannt.

Vor diesem Hintergrund konnte einem sein grundsätzliches Auftauchen auf der Berlinale bereits ziemlich inkonsequent erscheinen - aber immerhin hatte er sein Outfit zur späteren "Nymphomaniac"-Premiere auf dem roten Teppich passend dazu abgestimmt: Zum schicken dunklen Anzug mit Fliege trug er eine braune Papiertüte über dem Kopf, auf der "I am not famous anymore" ("Ich bin nicht mehr berühmt") geschrieben stand - der Satz, den er seit dem 13. Januar fast täglich auf seinem Twitter-Profil postet. Auch ein Weg, die Schlagzeilen weiterhin zu beherrschen.

Berlinale 2014: Uma Thurman und Christian Slater
© ReutersUma Thurman und Christian Slater

Zur abendlichen Premiere des umstrittenen neuen Von-Trier-Films wagte sich übrigens kaum ein deutscher Prominenter. Zu explizit und zu drastisch sollen die Sexszenen in "Nymphomaniac" sein, kein Stoff also für harmloses Geplauder am roten Teppich. Einzig Schauspielerin Martina Gedeck ließ sich aus professioneller Neugier zur Premiere locken - auch wenn sie vom Schlimmsten ausging, wie sie Gala.de verriet. "Ich glaube, dass das ziemlich schrecklich werden wird, weil die Frauen da immer so geknechtet werden und es ihnen schlecht geht. Wenn ich es nicht mehr aushalte, gehe ich."

Wie schlimm "Nymphomaniac Vol. 1" aufgrund seiner Sexszenen tatsächlich ist, muss natürlich jeder interessierte Kinozuschauer für sich selbst entscheiden. Zur Beruhigung sei aber so viel vorab verraten: Der Film ist wesentlich humorvoller als angenommen und in seiner emotionalen Vielschichtigkeit durchaus faszinierend. "Lars von Trier ist ein sehr witziger Mensch", erklärte Stellan Skarsgård, der bereits in mehreren Von-Trier-Filmen mitgespielt hat, dann auch im Rahmen der Pressekonferenz. "Man sollte lernen, mehr über ihn zu lachen." "Nymphomaniac Vol. 1" startet bei uns am 20. Februar offiziell im Kino.