Ashton Kutcher
© Getty Images Ashton Kutcher

Ashton Kutcher "Mann, war ich peinlich"

Im GALA-Interview schwärmt Ashton Kutcher über seine Tochter, für die er sogar Russisch lernt. Außerdem spricht er über seine Wandlung vom Partyprinzen zum "Daddy Cool"

All seine Rollen spielt er mit Leidenschaft, doch nur in einer einzigen geht er ganz und gar auf: Ashton Kutcher liebt es, Vater zu sein. Seine Tochter Wyatt, die im Oktober 2014 zur Welt kam, hat sein Leben auf den Kopf gestellt. Im besten Sinne. Vorbei das rastlose Dasein, das Partyleben mit immer neuen Frauen, auf die er auch in seiner ersten Ehe mit Demi Moore nicht ganz verzichten wollte. GALA traf "Daddy Cool" in Los Angeles.

Früher waren Sie einer der wildesten Partyhengste in Hollywood. Blicken Sie manchmal auch etwas wehmütig auf diese Zeit zurück?

Nein, nie! Ich habe jetzt eine wunderbare Familie, und die ist für mich der Mittelpunkt des Universums. Früher fand ich es toll, mit Kumpels in den Clubs abzuhängen, mit Danny Masterson oder Wilmer Valderrama – immer eine Flasche Wodka in der Hand und umzingelt von hübschen Mädels. Wir haben nächtelang durchgefeiert und es krachen lassen. Aus heutiger Sicht denke ich manchmal: 'Mann, war ich peinlich…' Das war ziemlich unreif.

Fühlen Sie sich heute erwachsen?

Ja. Und zwar durch die vielen verschiedenen Erfahrungen, die ich im Leben schon gemacht habe, schöne und weniger schöne. Das alles prägt einen Menschen. Meine Kindheit und Jugend war nicht immer einfach. Mein Zwillingsbruder wurde mit dreizehn Jahren am Herz operiert. Ein Härtetest für unsere Familie. Etwas später ließen sich meine Eltern scheiden.

Und kurz danach begannen Sie eine Karriere als Männermodel.

Für mich war das Modeln wie ein Ausweg. Es war die Möglichkeit, endlich mal etwas anderes zu sehen. Ich bin damals schon um die ganze Welt gereist.

Aufgewachsen sind Sie ja auf dem Land …

…genau, in Iowa. Wenn man dort als echter Mann gelten wollte, musste man tough sein. Gefühle zeigen, war nicht möglich. Wunden wurden mit Dreck verarztet. (lacht) Zum Glück hat sich das auch dort geändert. Man muss nicht mehr unbedingt mit körperlicher Stärke überzeugen, sondern kann auch mit Köpfchen erfolgreich sein.

Mit der Netflix-Serie "The Ranch" kehren Sie jetzt nach dem Ende von "Two And A Half Men" ins Seriengeschäft zurück. Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Produzent – wie bekommen Sie die Jobs und Ihre Aufgaben als Familienvater unter einen Hut?

Alles eine Frage der Organisation! Meine Frau Mila ist eine fantastische Mutter. Sie hat die Dinge unter Kontrolle und hält mir den Rücken frei, wenn ich arbeite. Ich weiß immer, dass sie alles im Griff hat, und das ist ein gutes Gefühl. Mila stellt ihre Karrierepläne momentan zurück. Sie liebt es, Mutter und Hausfrau zu sein.

Beschäftigen Sie ein Kindermädchen?

Nein, nach wie vor nicht. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, denn wir wollen jedes noch so kleine Detail im Leben unserer Tochter mitbekommen. Wann sie weint. Warum sie weint. Was wir tun können, damit sie nicht mehr weint. Es ist einfach großartig! Man denkt ja immer, man weiß, was Liebe ist, auch wenn man noch keine Kinder hat. Aber erst als Vater oder Mutter wird einem richtig klar, was Liebe bedeutet. Als Ziel hat man dann nur noch vor Augen, dieses kleine Wesen zu einem wunderbaren Menschen zu erziehen, der die Welt möglichst ein bisschen besser macht.

Sie erzählten kürzlich, Sie hätten den Sex aufgegeben, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Ein Scherz?

Wieso? Seit ich auf Sex verzichte, bleiben mir mehrere Stunden extra pro Tag, um mich um die Familie zu kümmern. (lacht) Na klar war das ein Scherz!

In "The Ranch" stellen Sie einen Football- Spieler dar, der nach seiner gescheiterten Karriere wieder bei den Eltern einzieht. Könnten Sie sich das privat vorstellen?

Früher war das eine meiner größten Ängste, aber gleichzeitig auch ein Ansporn. Du willst es alleine schaffen. Und deshalb tust du plötzlich Dinge, von denen du nicht mal gedacht hättest, dass du dazu in der Lage bist. Ich habe aber das Gefühl, dass heutzutage immer mehr junge Leute nach dem Studium wieder zu ihren Eltern ziehen müssen, weil sie einfach keine Jobs finden. Das ist leider ein gesellschaftspolitisches Thema.

Wie verstehen Sie sich heute mit Ihren Eltern und mit den Schwiegereltern?

Meine Eltern verstehe ich heute viel besser als früher. Seit ich selbst Vater bin, kann ich ihre Sorgen und Ängste nachvollziehen. Und mit Milas Eltern verstehe ich mich sowieso bestens. Ich lerne sogar Russisch, damit ich mich mit ihnen in ihrer Muttersprache unterhalten kann. Außerdem sprechen Mila und ihre Eltern mit Wyatt Russisch. Da muss ich schon aus Eigeninteresse am Ball bleiben, damit Mila und Wyatt später nicht über mich lästern – und ich kriege es gar nicht mit. (lacht)