Anne Will

Das Versteckspiel ist vorbei

Endlich will sie sich zu ihrer Liebe bekennen: Moderatorin Anne Will stellte ihre Partnerin vor - eine Befreiung für das Paar

Anne Will

Anzumerken war ihr rein gar nichts.

Gewohnt souverän moderierte , 41, am Sonntag ihre Talkshow zum Thema "Machtkampf auf der Schiene: Die Nerven liegen blank". Dabei wäre es durchaus verständlich gewesen, hätten nicht ihre Gäste, sondern sie selbst an diesem Abend Nerven gezeigt - schließlich hatte Anne Will einen Tag zuvor ihr Leben umgekrempelt. Da war sie mit ihrer bis dato "guten Freundin" , 40, über den roten Teppich zu einer Veranstaltung ins Jüdische Museum Berlin spaziert. Doch etwas war neu: Als ihr von einer Reporterin die Frage nach dem Status der Begleiterin gestellt wurde, platzte Anne Will heraus: "Ja, wir sind ein Paar." Ihr Privatleben wolle sie jedoch auch in Zukunft aus der Öffentlichkeit heraushalten, setzte sie sogleich nach.

"Ein Outing stärkt die Beziehung"

Anne Will moderiert das Polit-Magazin "Anne Will"

Anne Will moderiert das Polit-Magazin "Anne Will"

Wirklich überraschend kommt Wills Bekenntnis nicht; schon lange wurde in Medienkreisen über das Verhältnis zu Miriam Meckel spekuliert. Warum genau jetzt, nach über fünf Jahren Beziehung, das Outing? Diverse Blätter interessierten sich zunehmend für Anne Wills Privatleben, heißt es - und diese sei der Ausreden müde gewesen und hätte dem Druck schließlich nachgegeben. Dass die beiden Frauen genau jenen Abend für ihr Outing wählten, an dem im Jüdischen Museum der Preis für Verständigung und Toleranz verliehen wurde, könnte durchaus als dezenter Hinweis an Öffentlichkeit und Kollegen verstanden werden. Sich jetzt endlich offen zu Miriam Meckel zu bekennen dürfte ihrer Beziehung guttun, urteilt Psychologe und Paartherapeut . "Gleichgeschlechtliche Paare fühlen sich nach einem solchen Schritt sehr befreit", schätzt der Experte die veränderte Lebenssituation ein. Wie perfekt die beiden Frauen einander ergänzen, ist sowieso offensichtlich, teilen sie neben einem ähnlichen beruflichen Umfeld doch viele weitere Gemeinsamkeiten. Meckel und Will stammen aus katholischen, rheinländischen Familien, lieben ihre Heimat und den Karneval. Beide gelten als blitzgescheit, legten ein glänzendes Abitur (Anne Will: 1,5; Miriam Meckel: 1,2) ab.

Sogar in Sachen Freizeit ticken sie gleich, joggen mit Vorliebe oder gehen gern Skifahren. Allein in der Öffentlichkeit hielten sie sich immer zurück. So war Miriam Meckel in Interviews nie mehr zu entlocken als das Bekenntnis, sie bleibe regelmäßig im TV an den "Tagesthemen" hängen - die moderierte damals noch Anne Will. Und die schwieg zum Thema Freundin sowieso stets eisern. Das ist seit vorigem Samstag vorbei. Zu dem Event, der ihr Leben verändern sollte, erschienen Anne Will und Miriam Meckel gut gerüstet: Beide trugen elegante schwarze Kleider, zeigten sich demonstrativ gut gelaunt und tauschten verliebte Blicke. Eine gelungene Inszenierung, wie sie von den Medienprofis nicht anders zu erwarten war.

Seit 2006 sind Sie ein Paar: Ellen DeGeneres und Portia de Rossi

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Genau wie ihre Freundin versteht sich auch Miriam Meckel auf den perfekten Umgang mit der Öffentlichkeit. Als jüngste deutsche Professorin erhielt sie 1999 einen Lehrstuhl für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster, zu ihren Themenschwerpunkten zählten Medienmanagement, TV-Journalismus und Unternehmenskommunikation. 2001 entdeckte Wolfgang Clement, damals Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, das Potenzial der parteilosen Miriam Meckel und machte sie zu seiner Regierungssprecherin. Im September 2005 schließlich wurde die Tochter eines Theologen als Professorin an die Universität St. Gallen berufen. Auch als Moderatorin arbeitete sie seit 2006 wieder, moderierte bis August dieses Jahres bei n-tv die Sendung "Miriam Meckel - Standpunkte".

Genau wie ihr dürfte auch Kollegin und Freundin Anne Will das Ja zur Partnerin, wie sie vielleicht lange befürchtet haben mag, keinesfalls schaden: Die Quote ihres Sonntagabend- Talks, die sich zuvor meist bei einer Zuschauerzahl von unter 4 Millionen eingependelt hatte, schnellte sofort um ein Siebtel auf 4,57 Millionen nach oben. Ob wegen des brisanten Themas Bahnstreik oder wegen des womöglich weit interessanteren Privatlebens der Moderatorin, sei dahingestellt.

Was ändert sich nun für Anne Will und Miriam Meckel? Paartherapeut Michael Thiel schätzt die Folgen ein.

Nach ihrem Bekenntnis muss sich Anne Will entlastet fühlen.
Gleichgeschlechtliche Paare fühlen sich nach einem solchen Schritt tatsächlich sehr befreit. Endlich können sich sich der Öffentlichkeit zeigen und zärtlich miteinander sein. Das ist in ihrem Fall auch ein deutliches Bekenntnis: Mit dieser Frau möchte ich wirklich zusammenleben. Andererseits wird es aber auch Menschen geben, die tuscheln.

Kommt ihr Bekenntnis jetzt zufällig, wo sie mit ihrer Talkshow noch mehr im Fokus der Öffentlichkeit steht?
Bei einem beruflichen Neustart will man natürlich auch im Privatleben unbelastet sein. Man strahlt mehr Stärke aus, kann sich in schwierigen Zeiten noch mehr auf seinen Partner verlassen als zuvor.

Sind die Beziehungen gleichgeschlechtlicher Paare stabiler?
Wenn sie sich vorher, aus beruflichen oder gesellschaftlichen Gründen, nicht zueinander bekennen konnten, wird im Moment des Outings die Beziehung gestärkt. Wenn beide zu sich stehen, stärkt das in erster Linie das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität. Unterm Strich haben diese Beziehungen natürlich genauso viel Problempotenzial wie alle anderen Beziehungen auch.

Würden Sie sagen, dass sich männliche und weibliche Paare in ihren Beziehungen unterscheiden?
Ich habe manchmal den Eindruck, dass lesbische Paare eine stabilere Beziehung führen können, da bei ihnen der Wunsch nach seelischer Nähe oftmals größer ist. Und eine zärtliche Beziehung zwischen zwei Frauen wird scheinbar immer noch eher akzeptiert als eine zwischen zwei Männern.

Wieso fällt es vielen Homosexuellen im öffentlichen Leben immer noch so schwer, zu ihren Gefühlen zu stehen?
Zum Glück ist das heute nicht mehr ganz so problematisch. Doch leider muss man sich als Prominenter oft immer noch genau überlegen, wann und in welchem Rahmen man sich outet. Wer etwa als Schauspieler viele weibliche Fans hat und sagt: "Ich liebe Männner", der hat immer noch ein Problem. Hoffentlich wird sich das in Zukunft weiterhin ändern.

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