Andre Agassi + Stefanie Graf Im Doppel nicht zu toppen

In seiner Biografie schildert Andre Agassi schonungslose eine dunkle Vergangenheit. Und er schwärmt von seiner Liebe zu Stefanie Graf, die das wahre Glück in sein Leben brachte

Die meisten Menschen suchen in dieser Stadt das schnelle Vergnü­gen.

Glitter, Glamour, Casinos, heiße Nächte im Wüstenklima. Wer sich ausgerechnet in Las Vegas ein beständiges Leben aufbauen möchte, wer gerade hier das echte Glück finden will, der braucht einen gefestigten Charakter – und einen Partner, dem er rückhaltlos vertrauen kann. Andre Agassi und Stefanie Graf haben sich auf ihrem Anwesen am Andre Drive, der nach dem berühmten Bewohner benannt wurde und nur wenige Straßenzüge vom größten Trubel entfernt liegt, ihr persönliches Wunderland geschaffen.

Mit dem vergänglichen Glanz der Casino-Meile hat dieser Ort rein gar nichts gemein. Im Garten, so erzählte Stefanie Graf vor einiger Zeit im Gala-Interview, finden am Wochenende Barbecues mit dem ganzen Clan statt. Das prominenteste Paar des Tennis-Zirkus fühlt sich zu Hause am wohlsten. Und trotzdem hat Andre Agassi jetzt eine Biografie veröffentlicht, von der er schon vorher wusste, dass sie die heimische Idylle heftig durcheinanderwirbeln würde.

Agassi packt darin aus über Drogen-Exzesse, seine unglückliche Ehe mit Brooke Shields, die Qualen seiner Kindheit. Er eröffnet Peinliches, etwa dass seine lange Mähne aus früheren Jahren nur ein Haarteil war. Und er schildert, wie er den Tennisverband betrogen hat. Wer ihm den Mut zu diesem Schritt gegeben hat, ist klar: Steffi, die Mutter seiner Kinder und zugleich seine engste Vertraute und Beraterin. Er beschreibt sie in der Autobiografie liebevoll als seine Traumfrau und schwärmt überschwänglich von ihrer Schönheit und ihrer wunderbaren Art.

Der Name ist Programm: In "Open. Das Selbstporträt" packt Andre Agassi aus (Droemer, 608 S., 22,95 Euro, ab 9. November im Handel)
© PRDer Name ist Programm: In "Open. Das Selbstporträt" packt Andre Agassi aus (Droemer, 608 S., 22,95 Euro, ab 9. November im Handel)

Dass diese beiden Menschen sich einander so außergewöhnlich nah fühlen, liegt nicht zuletzt an ihren ähnlichen Vorgeschichten. Beide kennen das Gefühl, vom eigenen Vater gnadenlos getriezt zu werden. Peter Graf drückte seiner kleinen Tochter - da war sie gerade mal drei - einen abgesägten Tennisschläger in die Hand und ließ sie im Wohnzimmer Bälle übers Sofa dreschen.

Schaffte sie 50 Schläge am Stück, gab es zur Belohnung Vanilleeis mit Himbeeren. Andre Agassis Vater Mike startete das Sport-Erziehungsprogramm sogar noch früher: Über die Baby-Wiege des Sohnes hängte er ein Tennisball-Mobile, als Ansporn und Mahnung. Später ließ er den Jungen auf einer Elite-Tennisschule drillen. Ging Andre bei Turnieren nicht als Sieger vom Platz und brachte stattdessen nur einen kleinen Pokal nach Hause, warf der Vater die Trophäe wütend in den Müll.

Zudem soll er dem Jungen, wie Agassi in seiner Autobiografie andeutet, vor Turnieren heimlich Speed verabreicht haben. Heute kommen Vater und Sohn gut miteinander aus, Mike und Betty Agassi leben in Las Vegas gleich um die Ecke. Viele Freunde sagen: Das ist zum großen Teil Steffis Verdienst. Sie hat gelernt, zu vergeben und diese Eigenschaft an Andre weitergegeben.

Und Stefanie Graf hat viel zu verzeihen. Die Dressur der begabten Tochter übernahm der Vater selbst. Dass ausgerechnet dieser Mann, ihr engster und damals wohl einziger Freund, sie wenige Jahre später so maßlos enttäuschen sollte, muss sie zutiefst verletzt haben: 1997 wurde der ehemalige Gebrauchtwagenhändler wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Das Verhältnis blieb für viele Jahre zerrüttet. Heute sprechen Vater und Tochter wieder miteinander. In Las Vegas lebt Peter Graf, anders als der Rest der Familie, aber nicht.

Dort würde er sowieso nur einem ungeliebten Konkurrenten begegnen: In seinem Buch schildert Andre Agassi, dass sein Vater Mike und Peter Graf bei einem der ersten privaten Aufeinandertreffen wegen der Frage, wer denn nun der bessere Trainer sei, wie Kampfhähne aufeinander losgingen. Für das junge Paar, das bei diesem Familien-Event eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, war das alles andere als lustig.

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