Andre Agassi + Stefanie Graf

Im Doppel nicht zu toppen

In seiner Biografie schildert Andre Agassi schonungslose eine dunkle Vergangenheit. Und er schwärmt von seiner Liebe zu Stefanie Graf, die das wahre Glück in sein Leben brachte

Die meisten Menschen suchen in dieser Stadt das schnelle Vergnü­gen.

Glitter, Glamour, Casinos, heiße Nächte im Wüstenklima. Wer sich ausgerechnet in Las Vegas ein beständiges Leben aufbauen möchte, wer gerade hier das echte Glück finden will, der braucht einen gefestigten Charakter – und einen Partner, dem er rückhaltlos vertrauen kann. und haben sich auf ihrem Anwesen am Drive, der nach dem berühmten Bewohner benannt wurde und nur wenige Straßenzüge vom größten Trubel entfernt liegt, ihr persönliches Wunderland geschaffen.

Steffi Graf

Vom Sportstar zur Charity-Lady

4. Februar 2010: Andre Agassi, Santana und Steffi Graf machen sich auf zu der College Preparatory Academy.
26. September 2009: Steffi und Andre mit Schülern und Absolventen von Andres Schule
25. September 2009: Steffi Graf und Andre Agassi bei einem Wohltätigkeits-Dinner in Las Vegas.
11. Oktober 2008: Steffi Graf, Andre Agassi und die Sängerin Sheryl Crow treffen in Las Vegas auf einem Charity-Konzert zusammen

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Mit dem vergänglichen Glanz der Casino-Meile hat dieser Ort rein gar nichts gemein. Im Garten, so erzählte Stefanie Graf vor einiger Zeit im Gala-Interview, finden am Wochenende Barbecues mit dem ganzen Clan statt. Das prominenteste Paar des Tennis-Zirkus fühlt sich zu Hause am wohlsten. Und trotzdem hat Andre Agassi jetzt eine Biografie veröffentlicht, von der er schon vorher wusste, dass sie die heimische Idylle heftig durcheinanderwirbeln würde.

Agassi packt darin aus über Drogen-Exzesse, seine unglückliche Ehe mit , die Qualen seiner Kindheit. Er eröffnet Peinliches, etwa dass seine lange Mähne aus früheren Jahren nur ein Haarteil war. Und er schildert, wie er den Tennisverband betrogen hat. Wer ihm den Mut zu diesem Schritt gegeben hat, ist klar: , die Mutter seiner Kinder und zugleich seine engste Vertraute und Beraterin. Er beschreibt sie in der Autobiografie liebevoll als seine Traumfrau und schwärmt überschwänglich von ihrer Schönheit und ihrer wunderbaren Art.

Der Name ist Programm: In "Open. Das Selbstporträt" packt Andre Agassi aus (Droemer, 608 S., 22,95 Euro, ab 9. November im Hande

Der Name ist Programm: In "Open. Das Selbstporträt" packt Andre Agassi aus (Droemer, 608 S., 22,95 Euro, ab 9. November im Handel)

Dass diese beiden Menschen sich einander so außergewöhnlich nah fühlen, liegt nicht zuletzt an ihren ähnlichen Vorgeschichten. Beide kennen das Gefühl, vom eigenen Vater gnadenlos getriezt zu werden. Peter Graf drückte seiner kleinen Tochter - da war sie gerade mal drei - einen abgesägten Tennisschläger in die Hand und ließ sie im Wohnzimmer Bälle übers Sofa dreschen.

Schaffte sie 50 Schläge am Stück, gab es zur Belohnung Vanilleeis mit Himbeeren. Andre Agassis Vater Mike startete das Sport-Erziehungsprogramm sogar noch früher: Über die Baby-Wiege des Sohnes hängte er ein Tennisball-Mobile, als Ansporn und Mahnung. Später ließ er den Jungen auf einer Elite-Tennisschule drillen. Ging Andre bei Turnieren nicht als Sieger vom Platz und brachte stattdessen nur einen kleinen Pokal nach Hause, warf der Vater die Trophäe wütend in den Müll.

Zudem soll er dem Jungen, wie Agassi in seiner Autobiografie andeutet, vor Turnieren heimlich Speed verabreicht haben. Heute kommen Vater und Sohn gut miteinander aus, Mike und Betty Agassi leben in Las Vegas gleich um die Ecke. Viele Freunde sagen: Das ist zum großen Teil Steffis Verdienst. Sie hat gelernt, zu vergeben und diese Eigenschaft an Andre weitergegeben.

Und Stefanie Graf hat viel zu verzeihen. Die Dressur der begabten Tochter übernahm der Vater selbst. Dass ausgerechnet dieser Mann, ihr engster und damals wohl einziger Freund, sie wenige Jahre später so maßlos enttäuschen sollte, muss sie zutiefst verletzt haben: 1997 wurde der ehemalige Gebrauchtwagenhändler wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Das Verhältnis blieb für viele Jahre zerrüttet. Heute sprechen Vater und Tochter wieder miteinander. In Las Vegas lebt Peter Graf, anders als der Rest der Familie, aber nicht.

Dort würde er sowieso nur einem ungeliebten Konkurrenten begegnen: In seinem Buch schildert Andre Agassi, dass sein Vater Mike und Peter Graf bei einem der ersten privaten Aufeinandertreffen wegen der Frage, wer denn nun der bessere Trainer sei, wie Kampfhähne aufeinander losgingen. Für das junge Paar, das bei diesem Familien-Event eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, war das alles andere als lustig.

Gemeinsame Projekte schweißen zusammen: Hier besuchen Stefanie Graf, 40 und Andre Agassi, 39 das Benefiz-Konzert der Andre-Agass

Gemeinsame Projekte schweißen zusammen: Hier besuchen Stefanie Graf, 40 und Andre Agassi, 39 das Benefiz-Konzert der Andre-Agassi-Charitable-Foundation in Las Vegas.

Sicher ist: Die Tatsache, dass sie beide stets mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten, hat Stefanie Graf und Andre Agassi zusammengeschweißt. Und vielleicht noch mehr das Bestreben, diese Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Seinen Kindern Jaden und Jaz wünscht Andre den Stress seiner Kindheit jedenfalls nicht. "Mir ist es gleich, ob sie Tennis spielen oder nicht", sagte er gegenüber Gala. Seine Frau bekräftigte das, ebenfalls gegenüber Gala. "Wir wünschen uns, dass sie Spaß haben - egal, was sie sich aussuchen", antwortete sie auf die Frage, ob sie sich eine Sportlerkarriere für beide vorstellen könne.

Wieder mal eine dieser auffällig engen Übereinstimmungen dieses Paars. Für Andre Agassi, so liest es sich im Buch, war es sowieso nur eine Frage der Zeit, bis er mit Stefanie zusammenkommen würde. Er sei bereits ewig in die Deutsche, "schön wie eine Göttin", verschossen gewesen. Interessant auch, welche Werte er schon 1992 bei einer Begegnung in ihr zu erkennen glaubte: "bescheidene Anmut", "Rechtschaffenheit" und "eine Würde, die man heutzutage gar nicht mehr antrifft". Vielleicht sprang ihm das alles so sehr ins Auge, weil bis dahin kaum jemand aus seinem Umfeld mit diesen Eigenschaften glänzen konnte? Zwar heiratete er 1997 Hollywood-Star Brooke Shields. Doch vergessen konnte er seinen wahren Schwarm nie.

Ironie des Schicksals, dass er Steffie auch in der kurzen Zeit mit Brooke - bereits nach zwei Jahren ließ sich das Paar scheiden - täglich vor Augen hatte. Weil die Schauspielerin sich vor der Hochzeit in Form bringen wollte, klebte sie sich ausgerechnet Steffi Grafs Foto als Ansporn für sportliche Höchstleistungen an die Kühlschrankschranktür. Brooke Shields, bei bei uns gerade in der Pro7-Serie "Lipstick Jungle" zu sehen, wird über solche Enthüllungen kaum erfreut sein. "Andre und Brooke hatten in den letzten Jahren kaum noch Kontakt", erklärt ein Freund aus dem geschäftlichen Umfeld der Schauspielerin gegenüber Gala.

Vor der Buchveröffentlichung, so sagt allerdings Andre Agassi im US-Magazin "People", habe er stundenlang mit ihr über sein Projekt geredet. Und mit sich selbst, so fügt er hinzu, sei er sowieso viel härter ins Gericht gegangen als mit jedem anderen. Bleibt die Frage: Warum startet einer der größten Sporthelden der USA einen seelischen Ausverkauf? Weshalb gerade jetzt, da sein Leben perfekt läuft, die harten Jahre überstanden sind? Freunde vermuten, das Buch sei ein Befreiungsschlag. Ein innerlicher Hausputz, Andres Art, mit all dem aufzuräumen, was ihn jahrelang belastet hat. Vor allem geht es ihm aber um eines: seinen Drogenmissbrauch zu thematisieren, von dem er in "Open" sehr offen berichtet.

1997, im Jahr der Heirat mit Brooke Shields, habe er häufiger Crystal Meth konsumiert, gibt er zu. Seine Karriere dümpelte damals vor sich hin, er rangierte auf Platz 141 der Weltrangliste, zudem plagten ihn tiefe Zweifel wegen der anstehenden Hochzeit. Als sein Assistent Slim dann das Aufputschmittel vor ihm auf dem Couchtisch in einer Linie ausgelegt habe, habe er einfach zugegriffen. Danach sei er aufgekratzt gewesen, habe wie wild geputzt und kaum noch geschlafen - Brooke sei diese Veränderung kaum aufgefallen, resümiert Agassi, und es klingt bitter.

Viel schlimmer war noch, dass die Profi-Tennisorganisation ATP ihn bald darauf mit einer positiven Probe des Dopings überführte. In einem, wie er schreibt, "mit Lügen gespickten Brief" an die ATP bat Agassi um Nachsicht. Er habe aus dem Glas seines Assistenten getrunken und die Droge dabei unabsichtlich konsumiert. Er kam damit durch. Trotz der fadenscheinigen Begründung verfolgte die ATP die Sache nicht weiter. Muss der achtfache Grand-Slam-Champion eventuell im Nachhinein mit Konsequenzen rechnen?

Wegen Drogenbesitzes, so erklärt Rechtsanwalt Jan K. Suhr von der Hamburger Kanzlei "Nitsche Legal", drohe dem achtfachen Grand-Slam-Champion heute keine Strafe mehr. Die Tat ist verjährt. Wegen Betrugs könnte ihn die ATP jedoch durchaus noch belangen. Wer aber sollte Interesse daran haben, den bis dato unantastbaren Agassi, den Charity-Helden, der für seine Stiftung zugunsten unterprivilegierter US-Kinder schon 70 Millionen Euro gesammelt hat, anzugreifen? Wohl wenige. , oft sein Gegner auf dem Court, meldete sich jetzt in der britischen Zeitung "Daily Telegraph" zu Wort. "Ich bin traurig. Das hat der Tennissport wirklich nicht gebraucht", sagt er über Agassis Enthüllungen. Kann sein, dass der Tennissport auf das späte Bekenntnis gern verzichtet hätte. Der Mensch Andre Agassi aber brauchte es ganz sicher.





Mitarbeit: Helena Kochova,

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