Amy Winehouse

"Hier bin ich glücklich"

Auf der Karibikinsel St. Lucia spielt Amy Winehouse lieber mit kleinen Kindern statt mit bösen Buben und fiesen Drogen. GALA beobachtete: Ihr geht’s richtig gut

Der Himmel ist blau, die karibische Sonne glüht

, es sind 29 Grad. Der Sicherheitsbeamte schwitzt in seiner schwarz-weißen Uniform. Er muss das schwere Eisentor bewachen - inmitten des Postkarten-Idylls im exklusiven "Cotton Bay Village"-Resort auf der Karibik-Insel St. Lucia. Denn hier wohnt, abgeschottet und fern der britischen Heimat, Amy Winehouse.

Die Abgeschiedenheit lockte die Sängerin nach nur 33 Tagen Aufenthalt in London Anfang April wieder zurück auf das paradiesische Eiland. Hier, 6800 Kilometer entfernt von den Verlockungen der britischen Hauptstadt - und vor allem Noch-Ehemann Blake Fielder-Civil -, will sie sich ein neues Leben aufbauen. Auf St. Lucia scheint sie ein anderer Mensch zu sein. Die sonst von Drogen gezeichnete Rockerin ist entspannt, schlank, nicht mehr dürr, wirkt glücklich. Jetzt will sie auf der Insel ein Studio bauen lassen, um dort ihr drittes Album aufzunehmen. Und aus England dringen sogar Gerüchte, wonach Amys Insel-Buddy Fidel Missore ihr bereits einen Heiratsantrag gemacht haben soll.

Der Aufenthalt hier scheint ihr besser zu bekommen als jedes Rehab-Center. Auch wenn sie vergangenes Wochenende bereits wieder im örtlichen Krankenhaus war - Jahre der Drogensucht sind nicht mit einem Flugticket in die Karibik vergessen zu machen. Die Soul-Diva befindet sich nach wie vor in medizinischer Behandlung. Ihr Management indes betont, dass Amy dehydriert gewesen sei, weil sie sich beim Spiel mit den Inselkids zu sehr verausgabt habe. "Sie liebt die Kinder hier", erzählt Bob, ein britischer Urlauber, der wie Amy in dem Resort in der Nähe der Insel-Hauptstadt Castries wohnt. "Sie fährt mit ihnen in die Stadt zu 'Eleni's', um ihnen ein Eis zu kaufen. Oder sie besucht die Jugendclubs und beantwortet ihre Fragen." Angeblich überlegt Amy sogar, eine örtliche Musikschule zu gründen, um begabte Kinder zu fördern.

Vor ein paar Wochen kursierte das Gerücht, sie wolle ein Kind adoptieren. Doch daran glaubt hier niemand. Auch Bob nicht: "Amy ist selbst wie ein Kind, deshalb fühlt sie sich auch mit ihnen so wohl. Sie hat so viel Energie, kann kaum ruhig auf einem Stuhl sitzen. Oft wird ihr mitten im Gespräch langweilig, dann schweift sie ab oder beginnt herumzuspringen."

Was aber treibt Miss Winehouse den ganzen Tag? Am Morgen kriegt sie niemand im Hotel zu Gesicht. Sie schläft aus. Meist bereitet einer der Butler ihr ein englisches Frühstück mit Baked Beans, Spiegeleiern und Würstchen zu. Oder sie isst nur eine frische Ananas.

Gegen Mittag taucht Amy dann entweder an der Strandbar "14º61'" oder am Pool auf - sie lässt es sich einfach gut gehen, fern vom Druck der Plattenfirma, kreischenden Fans und den Erwartungen anderer. "Island Time" nennen die Einheimischen das Phänomen: Hier schaut man nie auf die Uhr und lässt die Dinge einfach auf sich zukommen.

Man kann Amy Winehouse nicht überhören. Genau wie ihre Singstimme ist ihr Sprechton einzigartig: rau und kratzig, wie nach drei Schachteln Zigaretten und einer durchfeierten Nacht. Sie ruft einem Gast zu: "Darling, natürlich plaudere ich auch gleich mit dir. Aber erst mal muss ich meine Augenbrauen zupfen lassen." Nicht selten begrüßt sie jemanden mit Kuss auf die Wange oder umarmt ihn.

Sie ist sehr herzlich, nennt so gut wie jeden Darling. Man kennt sich eben unter den Stammgästen. "Wir sind wie eine Familie hier", sagt Hotel-Mitbesitzer Gilland Adjodha, "und Amy gehört dazu."

Allein ist die Sängerin ohnehin nie. Ihre Entourage - bestehend aus Studiomusikern, Freunden, Assistenten und ihrem haushohen Bodyguard Neville - weicht nicht von ihrer Seite. GALA trifft Amy Winehouse auf dem Weg zum Strand, schnell kommt man ins Gespräch, und es sprudelt nur so aus ihr heraus: "Deutschland ist eine große Sache für mich. Wirklich groß. Ich bleibe so lange hier, bis mein Album fertig ist. Das wird super, hier bin ich glücklich! Viele Grüße an die Fans!" Sie winkt, versteckt sich beim Weitergehen schüchtern hinter ihrem Bodyguard.

Später am Pool zündet sich Amy erst mal genüsslich eine Zigarette an. Manchmal schnorrt sie sich eine bei einem der anderen Gäste, während sie beinahe pausenlos Geschichten erzählt. Dabei fuchtelt sie wie wild mit den Händen. "Stellt euch vor, ich hab mit Dad 'ne Bootsfahrt gemacht!", nuschelt sie mit ihrem Nord-Londoner Akzent und strahlt begeistert. "Das war klasse! Außerdem hat er mich doch tatsächlich zum Karaoke gezwungen. Ihr wisst schon: 'I Got You Babe'". Sie stimmt den Song an. Dann lacht sie aus vollem Hals und verdreht die Augen wie ein bockiges kleines Mädchen.

Ein Wachmann steht derweil nonstop vor dem zweistöckigen weißen Haus Nummer 43 am Ocean Boulevard des kreisförmig angelegten Resorts, in dem Amy wohnt. Dumpfe Bässe dringen aus mindestens einer der drei benachbarten Villen, die sie für sich und ihre Crew angemietet hat. Kostenpunkt: 5400 Euro pro Tag. Gelegentlich kommen die Hotelgäste auch in den Genuss einer privaten Jam-Session. Zum Beispiel im Restaurant "Piano Piano", das zur "Cotton Bay"-Anlage gehört. "Sie setzte sich einfach ans Klavier und fing an zu singen. Das war eine Sternstunde", erzählt einer der Gäste.

Und der Londoner Urlauber Steve hörte Amy in einem Steakhaus singen. "Es war unglaublich. Sie hat eine Stimme wie ein Engel."

Am 8. Mai können sich noch mehr Fans davon überzeugen, ob Amy zu alter Form zurückgefunden hat. Dann soll sie neben Stars wie Chaka Khan beim St. Lucia Jazz Festival auftreten. Für ihre Band und Freunde wurden dafür vier weitere Villen angemietet.

Die Inselbewohner fragen sich gespannt: Wird Amy bei ihrem ersten Auftritt seit September 2008 neue Songs testen? Ihre Plattenfirma befand die ersten Stücke erst kürzlich für zu reggaelastig - wer kann es der Musikerin bei dem Umfeld verdenken?

Drogen scheint die hoch motivierte Amy auf St. Lucia abgeschworen zu haben - ausgenommen Alkohol und Zigaretten. Dafür lässt sie es viel zu gern krachen, etwa freitags beim Straßenfest in Gros Islet. Oder sie kippt mit ihren Freunden an der Hotelbar ein paar doppelte Wodka mit Cola light, ihr Lieblingsdrink. Manchmal feiert sie auch bis in die Puppen in der "Bar Delirious" in Rodney Bay, wo die Einheimischen ausgehen. Doch tagsüber hält sie sich an Vitamindrinks mit Kiwi-oder Früchtepunschgeschmack.

Amy gefällt es so gut hier, dass sie sich angeblich bereits ein Haus auf der Insel suchen soll, die sie ihr Zuhause nennt.

Ob Einheimische oder Touristen - alle interessiert mittlerweile vor allem eines: Wird ihre Vergangenheit die Ausnahmemusikerin einholen, oder schafft sie es, sich aufzurappeln und wieder tolle Musik zu machen?

Vom Strand her hört man Amy lauthals lachen. Sie klingt, als wolle sie eines klarstellen: "Ich kann alles schaffen. Wenn ich nur will!"

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