Afshan Azad
© Getty Images Afshan Azad

Afshan Azad Sie will doch nur lieben

Für Afshan Azad ist es das größte Glück, für ihre muslimische Familie eine Tragödie: Die "Harry Potter"-Darstellerin liebt einen Christen. Deshalb fürchtet sie um ihr Leben

Dass sie kämpfen kann

, hat Afshan Azad schon oft bewiesen. Etwa, als sie ihre Eltern davon überzeugen musste, dass die Schauspielerei ein ehrbarer Beruf ist: Damals, vor fünf Jahren, hatte sie an ihrer Mädchenschule in Manchester ein Casting gewonnen. Oder später, als sie trotz Drehstress das Xaverian College mit Bestnoten in Chemie und Biologie absolvierte.

Im Film und auf Pre­mieren trägt Afshan Azad traditionelle Kleidung. Doch die Schauspielerin ist eine moderne junge Frau mit westlichem Lebensstil.
© Getty ImagesIm Film und auf Pre­mieren trägt Afshan Azad traditionelle Kleidung. Doch die Schauspielerin ist eine moderne junge Frau mit westlichem Lebensstil.

Selbstbewusst und ehrgeizig, so beschreiben Freunde die 23-Jährige, die seit 2005 Padma Patil spielt, eine Schulfreundin von Harry Potter. Jetzt aber steht der jungen Frau ein Kampf bevor, bei dem alle Beteiligten nur verlieren können: Die Staatsanwaltschaft Manchester hat Anklage gegen Afshans Vater Abul, 54, und ihren Bruder Ashraf, 28, erhoben. Am 21. Mai sollen sie Afshan in ihrem Haus mit dem Tode bedroht und verletzt haben. Nur gegen eine Kaution kamen die beiden Männer frei. Obwohl Afshan dreimal versucht hat, die Anzeige zurückzunehmen, müssen sie sich am 12. Juli vor Gericht verantworten. Alles deutet darauf hin, dass die muslimische Familie, deren Vorfahren aus dem heutigen Bangladesch stammen, nicht mit Afshans westlichem Lebensstil zurechtkam. Denn, so heißt es in britischen Medien, die hübsche Schauspielerin soll sich in einen jungen Engländer verliebt haben. Offenbar zu viel für die streng gläubige Familie, die das Glamourleben ihrer Tochter - bei allem Stolz - ohnehin schon argwöhnisch betrachtete.

Von einem geplanten Ehrenmord war schnell die Rede. Ein Thema, dass die Engländer genauso wie die Deutschen beschäftigt, stellt der Islam dort mit rund 1,5 Millionen Gläubigen doch die zweitgrößte Religionsgruppe des Landes. Eine Religion mit strengen Gesetzen und einem Ehrenkodex, der Mädchen vorschreibt, als Jungfrau in die Ehe zu gehen. Und der - je nach Auslegung - männliche Angehörige dazu verpflichtet, sich im Namen der Ehrverteidigung in das Leben ihrer Tochter oder Schwester einzumischen. Zur Not mit allen Mitteln. Doch Afshan wollte sich nicht bevormunden lassen. "Sie ist das erste Mal richtig verliebt", verraten Bekannte. "Ihren Freund zu verlassen würde ihr das Herz brechen."

Hier die große Liebe, da ihre konservative Familie - was für eine Tragödie für die junge Frau, für die es eigentlich gerade nicht besser laufen konnte: Schon vor ihrer Blitzkarriere war sie ein echter Harry-Potter-Fan, kürzlich schwärmte sie in Interviews von ihrem neuen Dasein: "Mein Leben hat sich auf den Kopf gestellt, alles ist besser geworden." Glucksend vor Freude erzählte sie, wie stolz sie sei, wenn sie im Internet Fotos von sich sehe, wie toll sie es finde, mit Co-Darstellern wie Daniel Radcliffe und Bonnie Wright privat befreundet zu sein. Aber auch als Harry-Potter-Star zog es sie immer wieder nach Hause, wo die Mutter stets besorgt war, der Bruder ihr engster Vertrauter, der Vater dankbar für die großzügigen Geldspritzen seiner Tochter. Denn auch wenn die Eltern, selbst schon in England geboren, es zu Wohlstand gebracht hatten: Der unerwartete Reichtum der Tochter sprengte ihre Vorstellungskraft. Afshan wollte alle an ihrem Erfolg teilhaben lassen, wollte Glück und Geld mit ihren engsten Verwandten teilen. Das Unglück teilt jetzt nur einer mit ihr. Afshan versteckt sich in ihrer Londoner Wohnung. Und nur ihr Freund darf zu ihr.

Tatjana Detloff