Die Boulevardpresse nimmt von ihnen kaum Notiz. Neben den täglich in den Medien dargestellten Royals verblassen sie, jedoch nur aufgrund ihrer normalen Lebensweise. Es gibt in Europa noch Monarchen und Adelsfamilien, die größtenteils unbehelligt von der internationalen Klatschpresse leben. Fernab von den Zentren des europäischen Adels - England, Spanien, Schweden, Norwegen, Dänemark, den Niederlanden und Monaco - sind die Blaublüter oftmals nur unter den Untertanen im Gespräch. Nur wenige Informationen aus den Hofstaaten dieser Länder dringt an die Öffentlichkeit. Verwunderlich ist vor allem, dass diese Monarchen in der Bevölkerung besonders beliebt sind. Ohne Skandale scheint man wohl doch besser beim Volk anzukommen. Man sieht sie nur bei royalen großereignissen, wie beispielsweise der Hochzeit von Camilla und Charles.

Das Fürstentum Liechtenstein ist eines der kleinsten Länder Europas. Mit 34.000 Einwohnern ist der kleine Staat, eingebettet zwischen den Alpenländern Schweiz und Österreich, nicht größer als eine deutsche Kleinstadt. Dementsprechend persönlich ist auch die Bindung der Adelsfamilie zu den Einwohnern. Fürst Hans-Adam II übernahm 1989 nach dem Tod von Fürst Franz Josef II. die Regentschaft Amt und ist nun Staatsoberhaupt eines der reichsten Länder Europas. Sein ältester Sohn, der 38-jährige Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, ist sein Stellvertreter. Der vierfache Vater bereitet sich bereits auf seine Rolle als späteres Staatsoberhaupt vor. Die gesamte Familie des Fürstenhauses zählt über hundert Mitglieder, von denen nur ein Teil im Land lebt.

Auch ein weiteres Staatsoberhaupt ist den meisten nur als Gast einer Hochzeit der Royals bekannt: Großherzog Henri von Luxemburg. Der 52-Jährige ist mit der bürgerlichen Kubanerin Maria Teresa verheiratet. Das Großherzogtum Luxemburg gilt als eines der reichsten Länder weltweit und Großherzog Henri mit einem Privatvermögen von annähernd 4,6 Milliarden Euro als der Meist unterschätzte Monarch der Welt. Thronfolger Guillaume, ältestes von fünf Kindern, absolvierte wie auch Prinz William von England eine einjährige militärische Ausbildung an der Sandhurst Academie. Derzeit befindet sich der Erbgroßherzog zum Studieren in der Schweiz.

Ein wenig skandalträchtiger ist da schon das Leben seines Bruders, dem 20-jährigen Prinz Louis. Dieser wurde nämlich im März des vergangenen Jahres Vater. Mutter des kleinen Gabriel war die bürgerliche Tessy Antony. Im September heiratete der Prinz seine Freundin, gab aber zugleich seine Thronfolgerechte auf. Er behält seinen Namen "Prinz von Luxemburg" und die Anrede "Königliche Hoheit", sein Familienname ist allerdings "de Nassau". In den Schlagzeilen wesentlich häufiger vertreten ist dagegen das belgische Königshaus. Vor allem die Nachkommen des 72-jährigen Königs Albert II. machen von sich reden. Allen voran in den letzten Monaten Prinz Laurent, der bis zu seiner Heirat vor vier Jahren als Partylöwe galt. Die Belgier gaben ihm den Spitznamen "Prinz Vollgas" aufgrund seiner Leidenschaft für schnelle Autos und die daraus folgenden zahlreichen Strafzettel. Gravierender als diese Lapalie ist hingegen die Steuerbetrugsaffaire, in die der zweite Sohn des Königs verwickelt ist.

Das Verfahren kratzt schwer am Image des Prinzen und rüttelt zudem an den Grundfesten der Monarchie. Der dreifache Familienvater Laurent soll seine Villa bei Brüssel mit Geldern der Marine eingerichtet haben. Dies behaupteten die angeklagten Bauunternehmer Marc Luypaerts und der Ex-Oberst und ehemalige Prinzen-Berater Noël Vaessen. Der Prinz gab an, nichts von den Verbindungen der Gelder zum Militär gewusst zu haben. Die Finanzierung des Baus durch Schwarzgeld sei ihm nicht bekannt gewesen. Nach seiner Zeugenaussage wurde eine Rückzahlung der Kosten von 175.000 Euro an die Marine beschlossen. Wie die belgischen Medien berichten, gibt es einen detaillierten Plan des Königshause und der Regierung. Zunächst werde jedoch noch das Urteil des Betrugsprozesses gegen Luypaerts und Vaessen abgewartet, die sich wegen Veruntreuungen in Höhe von 2,2 Millionen Euro verantworten müssen.

In anderen Ländern ist der Adel dagegen kaum im öffentlichen Leben vertreten. In Frankreich wurde nach der Revolution die Monarchie abgeschafft. Einige adelige Herzogsfamilien haben die Zeit jedoch bis heute überlebt. Ähnlich geht es dem Adel in Polen, Russland oder Finnland. In Italien wurde der Adel sogar 1946 vollkommen abgeschafft. Der Gebrauch des Titels wird aber weiterhin tolleriert. Ähnliches Schicksal ereilte den Adel 1910 in Portugal. In Deutschland gilt der Adel nur noch als soziale Gruppe. Der Titel steht bei den Personen nur noch hinter dem Vornamen. Still ist es um den deutschen Adel, mit wenigen Ausnahmen, wie beispielsweise Ernst August Prinz von Hannover. Der Nachfahre der Welfen heiratet 1999 Prinzessin Caroline von Monaco. Nach anfänglichen Skandalen gilt das Paar heute als gern gesehener Gast auf Society-Events.

Einen Sonderfall unter den royalen Kleinstaaten stellt das Fürstentum Andorra dar. Der kleine Flecken in den Pyrenäen kommt ganz ohne Adelsfamilie aus. Obwohl es ein Fürstentum ist, teilen sich zwei Männer die Staatsgewalt. Mit dem Bischof von Urgell und dem französischen Präsidenten üben gleich zwei ausländische Amtsträger die Funktion des Staatsoberhauptes aus.