Nadja Benaissa
© WireImage.com Nadja Benaissa

Nadja Benaissa "Wie alt werde ich wohl?"

Ein halbes Jahr ist es her, dass Nadja Benaissa verhaftet wurde und zehn Tage im Untersuchungsgefängnis saß. Jetzt redet die Sängerin offen über die schwere Zeit

Bei Nadja Benaissa sitzt der Schock immer noch tief: Die 27-Jährige wurde in der Nacht zum 12. April dieses Jahres vor einem Auftritt verhaftet, der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung. Nadja soll mit drei Männern ohne Kondom geschlafen haben, ohne den Männer von ihrer HIV-Infizierung zu erzählen. Das Verfahren läuft noch, auch wenn die "No Angeles"-Sängerin nach zehn Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung redet Nadja offen über ihr Schicksal und wie es ihr heute geht.

Für Nadja ist es wichtig, jetzt offen mit ihrer Erkrankung umzugehen, sie möchte dass "das Thema in Deutschland aus der Schmuddelecke kommt, nicht in Vergessenheit gerät. Nicht nur Schwule sind HIV-positiv, auch Frauen ..."

Gesundheitlich geht es Nadja Benaissa sehr gut, sie fühlt sich "topfit", ist dankbar darüber, dass ihre Viren nicht so aggressiv sind. Trotzdem ist die Angst immer da: "Immer Stillen macht man sich immer wieder diese Gedanken: Wird alles wirklich gut? Wie alt werde ich wohl?"

Diese Gedanken beschäftigen Nadja natürlich auch besonders wegen ihrer neunjährigen (übrigens völlig gesunden) Tochter. Für die ist die Situation extrem schwierig. Noch immer wird sie in der Schule gemobbt und beschimpft. Nadja leidet mit Leila, kann sie "davor leider nicht beschützen": "Das ist schon sehr ungerecht – sie ist doch noch ein Kind. Aber diese schlimme Krise hat sie zu einer starken Persönlichkeit gemacht. Ich bin stolz auf sie."

Mittlerweile sieht Nadja auch einen positiven Nebeneffekt in dem Zwangsouting vom April: die Zeit ihrer Erpressbarkeit ist vorbei. Immer wieder versuchten Mitwisser, Profit aus Nadjas Lage zu ziehen, drohten dem "No Angels"-Star mit der Info ihrer HIV-Infizierung an die Öffentlichkeit zu gehen. Für die Sängerin eine furchtbare Situation: "Es ging bei den Erpressungen auch um Geld. Es waren Menschen, denen man eigentlich immer geholfen hat. Als man ihnen nicht mehr gefällig war, weil man nicht mehr konnte, gab es Drohungen wie: 'Jetzt verkaufe ich deinen Hintern an die Zeitung.' Das war die harte Realität, in der ich lebte."

Diese Realität ist jetzt vorbei: Nadja Benaissa besuchte mit den restlichen "No Angels" nun die "amfAR"-Gala, eine Aids-Benefizveranstaltung und ist mittlerweile der Meinung: "Ich bin gerade für junge Menschen ein gutes lebendes Exempel."

cqu

Nadja (oben rechts) mit den übrigen "No Angels" beim Münchener Oktoberfest.
© WireImage.comNadja (oben rechts) mit den übrigen "No Angels" beim Münchener Oktoberfest.