Nadja Benaissa
© Getty Images Nadja Benaissa

Nadja Benaissa "Ich müsste bereits tot sein"

Bei der Operngala für die Deutsche-Aids-Stiftung in Berlin rührte No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa das Publikum mit einer bewegenden Rede

Etwas nervös trat Nadja Benaissa bei der Deutschen-Aids-Gala vor das Publikum, bevor sie ihre Rede begann: "Mein Name ist Nadja Benaissa: Ich bin 27 Jahre alt, bin alleinerziehende Mutter, Sängerin... und HIV positiv", so die No-Angels-Sängerin. 2000 Gäste, darunter fast die gesamte Berliner Politik-Prominenz, lauschten ihren Worten.

Sie erzählte von ihrem Leben seit dem Zwangsouting und wie sich für sie seitdem der Alltag veränderte. Als Nadja auf ihre Verhaftung im April dieses Jahres zu sprechen kam, kämpfte sie mit den Tränen: "Ich war elf Tage in Untersuchungshaft, doch ich war viel länger Gefangene meines eigenen Gefängnisses... Ich wünschte, ich hätte mich selbst outen können. Doch dazu hatte ich nicht die Kraft und nicht die Gelegenheit", gestand die 27-Jährige.

Wie wohl alle HIV-Infizierten macht auch Nadja tagtäglich die Erfahrung, dass sie von anderen Leuten gemieden wird: "Bei einer Berührung von mir gibt es Menschen, die zurückschrecken. Ich versuche trotzdem, weiterhin das Leben zu umarmen, obwohl mir oft dazu die Kraft fehlt."

Ihr größter Traum wäre eine Gesellschaft, in der man offen über die Krankheit sprechen kann und keiner mehr bei einer Umarmung von ihr zurückschreckt. Die Angst bezeichnete sie als ihren größten Feind. Nadja Benaissa beendete ihre Rede unter großem Applaus der Anwesenden und es schien, als wäre der Sängerin eine riesige Last von den Schultern gefallen.

jan