Miriam Pielhau
© Stephan Pick für mvg verlag Miriam Pielhau

Miriam Pielhau "Ich hatte Todesangst"

Anfang 2008 wurde bei TV-Moderatorin Miriam Pielhau Brustkrebs festgestellt. Ihren Kampf gegen den Krebs hat sie in ihrem Buch "Fremdkörper" dokumentiert

Letztes Jahr erkrankte Miriam Pielhau an Brustkrebs. Die Moderatorin unterzog sich einer Operation und Chemotherapie - parallel dazu hielt sie ihre Gedanken und Erlebnisse dieser Zeit fest. Ihr Buch "Fremdkörper" erscheint am 20. August im "mvg"-Verlag.

Warum haben sie sich entschlossen, über ihre Krankheit ein Buch zu schreiben?

Ich bin nicht in die Therapie gegangen und dachte, darüber muss ich jetzt ein Buch schreiben - im Gegenteil: Ich hatte ja eher das Bedürfnis, mich zu verkriechen und möglichst wenig Privates in die Öffentlichkeit zu tragen. Das ging los mit Notizen für ein persönliches Tagebuch, ich habe festgehalten wie viel ich wiege, was ich an Sport mache, was für Menschen mir begegnen und habe das niedergeschrieben. Zum einen, weil die Ärzte mein Gewicht wissen mussten, um die Medikamente richtig zu dosieren. Und zum zweiten, weil ich mich auch an diese Zeit erinnern wollte. Dann kam mir der Gedanke, ob es nicht meine Aufgabe sein könnte, ein Buch zu schreiben, das anderen Betroffenen Mut macht. Ich habe versucht, aus meinen Notizen Kapitel zu formulieren und hab die dann meinem Mann und Freunden zum Lesen gegeben. Das Feedback war sehr gut. Von Seiten der Verlage gab es auch großes Interesse. Ich hab mich dann für den Verlag entschieden, wo ich mich am besten aufgehoben fühlte und dieser Tage kommt das Baby auf die Welt.

Strahlend schön, auch mit kurzen Haaren: Miriam Pielhau hat den Krebs besiegt
© FreitextStrahlend schön, auch mit kurzen Haaren: Miriam Pielhau hat den Krebs besiegt

Hat der Krebs ihre Einstellung zum Leben verändert?

Dankbar und demütig bin ich schon immer gewesen, über jeden Tag der schön ist. Insofern kann ich nicht sagen, dass sich noch einmal einschneidend etwas geändert hat. Aber so eine Krankheit ist wie ein Erdbeben und nachdem alles durchgerüttelt ist und man die Trümmer beiseite räumt, fragt man sich natürlich schon: 'Was bleibt übrig? Und wie baue ich das ganze jetzt wieder auf?' Ich hab ein bisschen mehr Gelassenheit in mein Leben gebracht. Gelassenheit, was meinen Job und Karriereansprüche angeht und habe wieder Dankbarkeit gelernt, für das, was ich erreicht habe. Ich genieße das Glücklichsein für den Moment, ich grabe nicht mehr in der Vergangenheit oder hechle der Zukunft hinterher. Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis für mich.

Gab es auch den Gedanken, für Familie und Freunde stark sein zu müssen?

Sicher auch. Aber ich habe mich mit meiner eigenen Stärke auch selbst überrascht. Dazu hat natürlich mein Super-Mann beigetragen, der immer hinter mir stand und das an Kraft hatte, was mir gerade in den ersten Stunden nach der Diagnose fehlte. Ich konnte dadurch auch auf einmal Energiereserven in mir mobilisieren, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt. Ich habe mir gesagt: 'Du packst das, komm, du hast einen tollen Mann, du hast super Ärzte, du hast eine spitzen Familie, du hast sehr gute Aussichten, für immer geheilt zu werden. Das ist 'ne harte Zeit, beiß die Zähne zusammen und marschier' da durch.' Und das hat eigentlich die meiste Zeit echt gut funktioniert.

Gelang es Ihnen, immer positiv zu denken oder gab es auch Momente, in denen Ihnen die Kraft fehlte?

Ja, natürlich. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es die nicht gab. Man weiß, dass es die Krankheit gibt und man weiß, dass sie schlimm ist. Aber man denkt nicht wirklich, dass man selber einmal davon betroffen sein könnte. Wenn man sich gesund ernährt, Sport macht und einen sehr soliden Lebenswandel hat, spielt der Krebs für einen keine Rolle. Das hat mich schon kalt erwischt. Wir reden ja nicht von einer Grippe sondern von einer Krankheit, die bei Nicht-Behandlung tödlich endet. Sich mit Anfang 30 da Gedanken drüber machen zu müssen, ist schon niederschmetternd. Da gab es viele Momente, die ganz grauenhaft waren, in denen man es nicht schafft, das optimistische Fähnchen hochzuhalten, sondern in denen man einfach die nackte Todesangst spürt.

Wie groß ist die Angst, dass der Krebs noch einmal ausbrechen könnte?

Aktuell total gering. Alle Untersuchungen sind zufriedenstellend, ich bin komplett krebsfrei, das war ich schon nach der Operation, die Chemotherapie war ja nur prophylaktisch. Wenn das Immunsystem intakt bleibt, ist das der beste Schutz gegen die Krankheit. Das habe ich mir bewusst gemacht, weil es dem Krebs den Schrecken nimmt und weil ich so weiß, dass mein Körper in der Lage ist, alles abzuwehren.

Haben sich, aufgrund Ihrer Erfahrungen, Ihre Zukunftspläne geändert?

Ich bin lässiger geworden, ich setze mich selbst nicht mehr so stark unter Druck. Ich habe einen ganz tollen Mann, ich habe eine ganz tolle Familie und einen spannenden Beruf. Ich musste feststellen, dass ich wirklich unglaublich viel gearbeitet habe und auch oft deutlich über das gesunde Maß pro Tag hinaus. Die Zeit für mich kam in den letzten zehn Jahren zu kurz. Das wusste ich immer, aber ich habe nie etwas dagegen gemacht. Ich will seit fünf Jahren Yoga lernen, ich habe das nie hingekriegt und immer vor mir hergeschoben. Seit Januar mache ich das jetzt. Und ich bin in erster Linie dankbar für das, was ich habe und das versuche ich zu verinnerlichen.

Interview: Jana Andres