Tatsächlich: Dieses Gesicht hat auch fern von Maske und Kameraschein die Perfektion eines Gemäldes aus dem Klassizismus. Eben noch hat man Robert Pattinson im Film "Wasser für die Elefanten" zwei Stunden lang großformatig – und überirdisch schön - leiden sehen. Und jetzt sitzt man ihm gegenüber, hatte erwartet, dass er wirklich so abgekämpft aussieht, wie überall zu lesen war. Dass er wirklich der wortkarge Muffel ist, als der er oft beschrieben wird. Zurückhaltend, fast unsicher wirkt er dann auch. Doch auch sehr freundlich und interessiert: "Coole Jacke, wo haben Sie die her?", fragt er beim Treffen in Berlin und fläzt sich aufs Sofa – die Füße stecken in Sneakern und lagern auf dem Couchtisch, seltsam nahbar er. So sehr, dass man die Massen an Teenagern draußen vergisst, die schon den ganzen Tag lang darauf warten, einen Blick auf "ihren" Rob zu erhaschen. Sicher ist es dem Briten selbst noch nicht ganz geheuer, dass ihm mit "Wasser für die Elefanten" der Durchbruch als Charakterdarsteller gelingen könnte, dass er mit dieser Rolle sein Image als reiner Teenieschwarm verliert. In dem Liebesdrama spielt er den Heimatlosen Jacob, der bei einem Wanderzirkus als Tierpfleger anheuert und sich ausgerechnet in Marlena (Reese Witherspoon) verliebt, die Frau des fiesen Direktors August (Christoph Waltz). Pattinson macht einen guten Job, auch wenn er es schwer hat neben einem teuflisch guten Christoph Waltz - und neben Tai, der 42-jährigen Elefantendame.

Ein Küsschen für die Elefantin: "Tai hat mehr Filme gedreht als ich", so Pattinson. Unter anderem war sie in "Eat, Pray, Love" zu sehen und gab die XXL-Brautjungfer bei Nicole Richies Hochzeit.
Ein Küsschen für die Elefantin: "Tai hat mehr Filme gedreht als ich", so Pattinson. Unter anderem war sie in "Eat, Pray, Love" zu sehen und gab die XXL-Brautjungfer bei Nicole Richies Hochzeit.
(Foto: © WireImage.com)

Können Sie sich eigentlich an das letzte Mal erinnern, als Sie jemand nicht erkannt hat?

Wann war das noch? Doch, neulich bei einem Dinner. Am Empfang hieß es, dass nebenan ein Tisch mit 18 Personen sei. Ich dachte reflexartig: Na toll, sicher eine Horde Teenager! Es waren 18 asiatische Kinder, von denen mich keins erkannte. Ich hatte das entspannteste Dinner seit Ewigkeiten.

Wenn Sie Ihr neues Leben als Megastar mit dem alten des Londoner Kumpeltyps vergleichen, der mit seinen Jungs um die Häuser zieht: Was vermissen Sie am meisten?

Neue Leute kennenzulernen. Das klingt vielleicht merkwürdig, wenn jemand mit meinem Beruf das sagt, aber ich meine: wirklich kennenzulernen. Meistens überlege ich mir ja doppelt und dreifach, ob ich jemandem vertrauen kann, somit bleiben Beziehungen oft an der Oberfläche.

Für wen haben Sie selbst als Teenager geschwärmt?

Ach, Schwärmerei war noch nie mein Ding. Höchstens früher mal für Arsenal London, aber damit hört es dann auch schon auf.

Reese Witherspoon und Christoph Waltz haben einen Oscar in der Vitrine, Sie hatte man bisher als Teenieschwarm auf dem Radar - wie haben Sie sich am Set behauptet?

Das war sehr easy. Man sollte immer mit den Besten arbeiten - dann steht man selbst gleich viel besser da. Reese und Christoph waren sozusagen mein Versicherungspaket.

Bei der Deutschlandpremiere in Berlin blieb kein Fan-Auge trocken. So viel Hysterie amüsierte auch Christoph Waltz.
Bei der Deutschlandpremiere in Berlin blieb kein Fan-Auge trocken. So viel Hysterie amüsierte auch Christoph Waltz.
(Foto: © WireImage.com)

In Ihren Filmen leiden Sie ständig. Muss Liebe immer wehtun?

Wenn es nach meiner Rolle in "Wasser für die Elefanten" geht, auf jeden Fall: Fast jedes Mal, wenn ich Reese Whitherspoon küsse, kriege ich hinterher eins über die Rübe! (lacht)

Auf jeden Fall haben Sie in Ihren Filmen einen Hang zu komplizierten Beziehungen. Ein Vampir, der zur Keuschheit verdammt ist, ein Tierpfleger, der sich in die Frau seines Chefs verknallt ...

Das ist reiner Zufall. Eine Liebesgeschichte muss nicht unbedingt zum Happy End führen, sondern vielleicht nur zu einer lebenslangen Freundschaft. Alles andere sind Klischees, und die langweilen mich.

Ist die Idee der romantischen, der absoluten Liebe denn nichts für Sie?

Doch, absolut. Im Film müssen die Leute immer sehr hart arbeiten, bis sie am Ende glücklich sind. Im echten Leben passiert einem das ganz einfach, und man gibt sich der Liebe hin.

Wie muss eine Frau sein, um Ihr Herz zu gewinnen?

Puh. Ich hatte immer eine Schwäche für Mädchen, die mich nicht ausstehen können. Ich mag, wenn jemand intelligent, talentiert und ambitioniert ist.

So wie Kristen Stewart ...

(freundliches Schweigen)

Reese Witherspoon war angeblich nicht so angetan von den Liebesszenen mit Ihnen ...

Hm, vielleicht war Reese einfach nur zu angeturnt? Nein, das lag sicher daran, dass sie kurz davor war zu heiraten und nicht mit einem anderen rummachen wollte.

Würde es Sie selbst reizen, eine Affäre mit einer verheirateten Frau anzufangen?

Nein, ich bin nicht der Typ, der darauf aus ist, einem anderen die Frau auszuspannen.

War es leichter, mit Ihrer anderen Filmpartnerin auf Tuchfühlung zu gehen?

Tai ist ganz anders, als man sich Elefanten so vorstellt, sie ist einfach unglaublich. So bedächtig und vorsichtig. Einmal lag sie fast auf mir, sie berührte mich aber kaum, obwohl sie mich mit einer falschen Bewegung hätte zerquetschen können. Sie hat mich, fürchte ich, für alle künftigen Kollegen verdorben. So selbstlos wie Tiere sind sonst nur Babys vor der Kamera. Unter erwachsenen Schauspielern herrscht immer eine gewisse Konkurrenz, was ganz schön lähmend sein kann.

Meinen Sie Christoph Waltz?

Nein, ich schwör's: Christoph ist der lustigste Typ, den man sich vorstellen kann. Kein Grund, nervös zu sein. Er wird übrigens jetzt immer gefragt: "Und, kann dieser Robert Pattinson denn schauspielern?" Er verteidigt mich immer - Sie sehen: Ein toller Typ. (lacht)

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