Moritz Bleibtreu
© Getty Images Moritz Bleibtreu

Moritz Bleibtreu Über den Verlust seiner Mutter

Erstaunliche Statements von Moritz Bleibtreu: Im GALA-Interview sagt der Schauspieler, wie er mit dem Verlust seiner Mutter umgeht – und warum Frauen Männern in jeder Hinsicht überlegen sind

Die Zigaretten sind ein Problem. Das weiß er selbst. Auch beim GALA-Interview in Berlin liegt eine Schachtel auf dem Tisch. Dabei wäre Moritz Bleibtreu, 44, gern ein gutes Vorbild, vor allem für seinen sechsjährigen Sohn. Interessant, wie viele ernste Gedanken sich der Schauspieler über die Menschheit im Allgemeinen und die Erziehungseines Sohns im Besonderen macht. Man merkt: Der Sohn der 2009 verstorbenen Schauspielerin Monica Bleibtreu, der oft die Rolle des lustigen Kumpels gespielt hat, kann auch anders. Das beweist er in seinem neuen Film "Die dunkle Seite des Mondes", einem knallharten Drogenthriller, der diese Woche in die Kinos kommt.

Für die Dreharbeiten haben Sie viel Zeit im Wald verbracht. Sind Sie ein Waldfreund?

Meine Mutter war so ein Mensch. Meine Mutter war ein Waldkind. Sie hat den Wald sehr, sehr geliebt und stundenlang allein dort verbracht. Ich war nach den drei Wochen, die wir im Wald gedreht haben, heilfroh, die ganzen Bäume nicht mehr sehen zu müssen.

Im Film bleibt Ihre Figur auf einem Drogentrip hängen und wird zum Mörder. Haben Sie selbst Erfahrungen mit psychedelischen Drogen?

Ich habe mit Anfang 20 einmal Pilze genommen, aber das war überhaupt keine halluzinogene Erfahrung. Das war einfach nur lustig, mit viel Lachen und so. Aber obwohl das alles sehr soft war, habe ich gleich gemerkt: Ich würde das nicht gerne wiederholen oder andere Sachen probieren wollen. Dafür habe ich zu viel Respekt davor, zu viel Angst.

Glauben Sie, dass jeder von uns eine dunkle Seite besitzt?

Ist der Mensch gut oder böse? Ich würde sagen: Er ist gut. Wenn man ihn mit genug Aufmerksamkeit, Hingabe und Liebe großzieht, wenn man ihm die Möglichkeit gibt, einen freien Willen zu entwickeln, eine Persönlichkeit, dann geht er nicht los und bringt Menschen um. Deswegen ist es so wichtig, dass wir alles dafür tun, dass Empathie vor allem steht. Die Liebe und der Respekt für den Mitmenschen.

Und wie bringt man das den Kindern bei?

Indem man es vorlebt. Erzählen kann man ihnen gar nichts. Kinder hören nicht, Kinder sehen. Deshalb muss man sich im Grunde selber erziehen, um sein Kind zu erziehen. Was ich nicht vorleben kann, brauche ich von meinem Kind nicht zu erwarten. Wenn ich selber Zigaretten rauche, wie soll ich meinem Kind mit zwölf erzählen: "Mach das nicht!"

Sie sind Vater eines sechsjährigen Sohnes. Inwiefern haben Sie sich durch ihn erzogen?

Ich versuche, einen bestimmten Umgang mit Konflikten vorzuleben. Ich versuche – und das gelingt mir auch ganz gut – weniger schnell die Nerven zu verlieren, mich in meiner Wortwahl einzuschränken. Ich versuche alles, um eine Form von Besonnenheit zu transportieren. Es gibt gesellschaftliche Verabredungen, die ich extremst wichtig finde. Regel Nummer eins auf diesem Planeten: Seid nett zueinander! Wenn ich eine Bibel geschrieben hätte, wäre sie da zu Ende.

Warum sind es vor allem die Männer, die sich an dem Konflikt zwischen Gut und Böse abarbeiten?

Das hat was mit der Evolution zu tun. Welcher Mann ist attraktiv? Einer, der erfolgreich ist, der stark ist, der eine Frau beschützen kann. Wie buhlen wir um die Gunst einer Frau? Indem wir stärker sind als der andere. Wie loten wir das aus? Im Zweifelsfall tun wir das auf physische Art und Weise. Frauen haben eine ganz andere Art der Konfliktbewältigung. Ich glaube, Frauen sind einfach komplexer: in der Sexualität, in der Liebe, in der Freundschaft, in allem.

Zu Anfang haben Sie von Ihrer Mutter gesprochen. Sechs Jahre nach ihrem Tod: Fehlt sie Ihnen?

Klar fehlt sie mir. Jeden Tag. Aber wie soll ich sagen? Ich bin meine Mutter.

Was heißt das?

Ich bin ja nur da, weil es sie gegeben hat. Sie wird nie weggehen. Ich bin meine Mutter. Mein Sohn bin ich. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich bin meine Mutter, und das werde ich auch immer bleiben.