Von Zappelphilipp bis Boss-Model - Jonathan Rhys Meyers hat sich in vielen Rollen ausgetobt. Am überzeugendsten ist er auf der Kinoleinwand
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Das sollte man über Jonathan Rhys Meyers wissen:
Als Woody Allen den Hauptdarsteller für sein raffiniertes High-Society-Drama "Matchpoint" gefunden hatte, konnte er sein Glück kaum fassen. Auch nach Jonathan Rhys Meyers' Zusage für die Rolle des charmanten Emporkömmlings Chris konnte sich der Stadtneurotiker kaum beruhigen: "Ab dem Moment, wo ich an Jonathan für den Part dachte, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Er ist großartig: intensiv, glühend, voller Zerrissenheit und Leidenschaft!"
So ergeht es übrigens vielen, die dem charismatischen Jonathan Rhys Meyers begegnen - man muss anschließend einfach mit großen Vokabeln um sich werfen. Das Faszinierende an dem "Irish Charmer", wie Jonathan in Großbritannien zu Recht zusammen mit anderen unwiderstehlichen Iren wie Collin Farrell oder Stuart Townsend genannt wird: Sein ungewöhnliches Aussehen - durchdringender Blick aus eisblauen Augen, riesiger Mund und diese interessant androgyne Aura - provoziert sofort eine Haltung. Entweder findet man ihn faszinierend oder zu befremdlich.
Jedermanns Liebling will Johnny ohnehin nicht sein, nicht in Interviews, wenn er mal wieder über den ganzen Starrummel in Hollywood herzieht, und auch nicht in seinen Filmen: Er ist Spezialist für echsenhafte Fieslinge, hat in seiner Karriere fast mehr Liebesszenen mit Männern als mit Frauen gedreht und, besonders für männliche Zuschauer total idiotisch: In "Matchpoint" entledigt er sich Scarlett Johanssons auf unschöne Weise. Aber so ist Jonathan Rhys Meyers nun mal: Von allen gemocht zu werden, hat ihn nie besonders interessiert.
Vielleicht, weil er es selbst für einen Jungen aus der irischen Unterschicht ziemlich schwer hatte: Als Baby wurde er wegen seines schweren Herzfehler notgetauft und kam auch nach dem Brutkasten die ersten sechs Monate seines Lebens nicht aus dem Krankenhaus. Sein Vater verließ seine alkoholsüchtige Mutter und die drei jüngeren Brüder Jamie, Alan und Paul, als John drei war. Schlägereien waren bei dem Zappelphilipp später an der Tagesordnung, er flog mit 15 sogar von der Schule und hing in Billardschuppen ab. Ausgerechnet dort wurde er dann aber entdeckt. Der richtige Durchbruch kam erst ein paar Jahre später, als sein einprägsames Gesicht in einer Werbung für Tütensuppen erscheint.
Gleich am Anfang seiner Karriere durfte Jonathan in "Velvet Goldmine" David Bowie spielen und nicht nur ekstatisch singen, sondern so ziemlich alles an Perücken, Nagellack und Plateausohlen auffahren, was die Glamrock-Ära so hergab. Und auch heute haftet ihm in Hollywood immer noch dieser etwas runtergekommene Underground-Charme an. Alle Welt spricht von diesem unangepassten Newcomer, obwohl er in "Alexander" genauso dabei war wie in "Mission: Impossible III". Er selbst staunt auch bis heute über seinen Erfolg. "Jemand sagte mir mal: "Johnny, du wirst später entweder die Straßen fegen oder du wirst sie besitzen." Einer wie Jonathan Rhys Meyers kann sich wahrscheinlich beides ziemlich gut vorstellen.
Autor: Roland Rödermund
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