Jürgen Vogel gehört zu den besten und eigenwilligsten Schauspielern in Deutschland - darauf können sich fast alle einigen
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Das sollte man über Jürgen Vogel wissen:
Entsetzt findet Dokumentarfilmer Tobias heraus, dass ihn seine Freundin betrogen hat - und das ausgerechnet mit seinem Bruder, dem Rockmusiker Markus. Von der Story her könnte "Keine Lieder ohne Liebe" ein normaler Film über einen Bruderkonflikt sein. Ist er aber nicht. Der Experimentalstreifen verzichtet gänzlich auf ein Drehbuch, die Hauptdarsteller Heike Makatsch, Florian Lukas und Jürgen Vogel mussten den Fortgang der Geschichte völlig frei improvisieren. Die 160 Stunden Rohmaterial wurden schließlich zu einem sehenswerten Beziehungsdrama in Spielfilmlänge gekürzt.
Eine Paraderolle für einen bekennenden Selbstdarsteller wie Jürgen Vogel, der den persönlichen Impuls schon immer als wichtiger erachtet hat als die möglichst exakte Imitation einer Figur à la method acting. Er glänzt vor allem mit schwierigen Charakteren: Kidnapper, Dealer, sogar ein Vergewaltiger - seine Rollenwahl liest sich wie der Auszug aus einem Strafregister. "Ich spiele am liebsten gebrochene Typen und Arschlöcher"; sagt der Schauspieler mit der großen Zahnlücke. "Gerade Projekte, die anderen sehr zweifelhaft vorkommen, reizen mich besonders."
An der Schauspielschule hielt er es nur einen einzigen Tag aus. Seinen Erfolg verdankt er vielmehr einer gehörigen Portion Lebenserfahrung. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen im Hamburger Stadtteil Schnelsen verließ er sein Elternhaus bereits mit 15 Jahren. Bis zu seinem Durchbruch 1992 in Sönke Wortmanns "Kleine Haie" hielt er sich in Berlin als Koch, Paketausfahrer und Aufpasser bei einem Partyservice über Wasser.
Inzwischen hat der vierfache Vater über 80 Filme im Kasten und gilt bei Vielen als der beste deutsche Schauspieler. Ähnlich scharf und direkt wie er sich in vielen seinen Rollen gibt, kritisiert Vogel, der für "Das Leben ist eine Baustelle" den Deutschen Fernsehpreis erhielt, auch die deutsche Filmszene: "Wir müssen aufhören, nur netten, konsumierbaren Scheiß anzubieten, sonst gehen wir in Deutschland im Kino unter."
Autor: Björn Erichsen
Klatsch und Tratsch
Es war eine irre Aktion: Für die Premiere des Films "Ein Freund von mir" jettete er gemeinsam mit Filmpartner Daniel Brühl durch ganz Deutschland. In sechs Städten nacheinander eröffneten sie die Premiere. Um 22.00 Uhr in Düsseldorf hatten sie es geschafft: Sie waren im Guinessbuch der Rekorde. +++ Was den wenigsten Zuschauern aufgefallen sein dürfte: Jürgen Vogel ist auch in "Goodbye, Lenin" (2003) dabei gewesen - wenn er auch nur sehr kurz auf der Leinwand erscheint: In der Szene, in der Hauptdarsteller Daniel Brühl im Gefängnis steht und von einem der Polizisten freigelassen wird, steht Vogel in der ersten Reihe. +++ Bereits im Alter von neun Jahren trug Jürgen Vogel etwas zum schmalen Familieneinkommen bei: Er glänzte als Modell für Kindermoden im Otto-Katalog.
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