König Carl XVI. Gustaf
© Reuters König Carl XVI. Gustaf

König Carl Gustaf Presse auf der Jagd

Der schwedische König Carl XVI. Gustaf muss sich mit dem ersten Skandalbuch auseinandersetzen, das jemals über einen schwedischen Royal geschrieben wurde. Das bereits fast ausverkaufte Buch berichtet über außereheliche Affären und Stripclubbesuche

Es ist das erste Mal, dass in Schweden ein Skandalbuch über die Royals veröffentlicht wird. Kein Wunder, dass der Wirbel groß ist. So groß, dass die Presse dem Herrscher sogar auf die jährliche Elchjagd folgt, um zu hören, was der Monarch zu der Veröffentlichung und den Vorwürfen darin zu sagen hat. Über den spröden König Carl XVI. Gustaf soll es nach Angaben der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" in dem Buch "König Carl XVI Gustaf - der widerwillige Monarch" unter anderem heißen, dass er nicht sonderlich intelligent sei, dass er nie habe König werden wollen und dass er zahlreiche außereheliche Affären gehabt habe.

Am Donnerstag (4. November) nahm der Mann, der seit immerhin 37 Jahren König der Schweden ist, bei einem Pressetermin nun in sehr allgemeiner Form Stellung zum Buch. Er betonte aber auch, er habe noch keine Gelegenheit gehabt, es ganz zu lesen. Er habe aber unschöne Überschriften gesehen und darüber auch mit seiner Familie gesprochen.

Die Vorwürfe über Affären und den Besuch teurer Stripclubs sind nicht neu, sondern teilweise schon mehr als ein Jahrzehnt alt. So ist von einem Nachtclub-Besuch während der Olympischen Spiele in Atlanta im Jahr 1996 die Rede, außerdem von einem in der Slovakei 2008. Es gibt offenbar widerstreitende Aussagen von Bodyguards und Besitzer des Nachtclubs. Doch in der sehr zurückhaltenden schwedischen Presse wurden sie bisher nie so ausführlich aufgegriffen, wie es beispielsweise bei einer vergleichbaren Situation in England der Fall wäre. König Carl Gustaf und seine Frau Silvia sind seit 1976 verheiratet und Eltern dreier Kinder.

Den Journalisten - es waren 60 statt der üblichen 15 gekommen - sagte der König nun, die Vorwürfe "lägen weit, weit zurück". Und dass die königliche Familie lieber nach vorne blicke. "Wir blättern, ganz ähnlich wie sie in ihren Zeitungen auch, gerne eine neue Seite auf". Genauer erklären wollte der König sich und seine Bemerkung nicht. Er bat auch darum, die köngliche Familie nicht weiter zu bedrängen, die eine Aufgabe zu erfüllen habe und dafür fast jeden Tag hart arbeite. Klingt zumindest nach einem Eingeständnis, dass an einigen Vorwürfen etwas Wahres dran sein könnte, und diese Wahrnehmung geistert nun auch durch die internationale Presse.

Für wieviel Wirbel das Thema in Schweden sorgt, zeigt auch die Tatsache, dass eine der drei Autorinnen des Buches, die Journalistin Tove Meyer, deswegen ihren Job bei Radio Schweden verloren haben soll. Auch das berichtet "Aftonbladet". Die Angestellte, deren Vertrag eigentlich noch bis zum Sommer gehen sollte, sei, weil selbst zur News geworden, als recherchierende Journalistin nicht mehr tragbar. So schildert Meyer selbst die Aussage ihres Chefs, kurz bevor das Buch über König Carl XVI. Gustaf auf den Markt kam. Das Buch, das in einer Auflage von nur 20.000 Exemplaren gedruckt wurde, soll in etlichen Buchhandlungen bereits ausverkauft sein.

König Carl XVI. Gustaf unterbricht die Elchjagd, um gegenüber der Presse am Erscheinungstags des Skandalbuches Stellung zu nehmen.
© ReutersKönig Carl XVI. Gustaf unterbricht die Elchjagd, um gegenüber der Presse am Erscheinungstags des Skandalbuches Stellung zu nehmen.

cfu