Prinzessin Cristina von Spanien
© EFE/Cati Cladera Cristina von Spanien

Prinzessin Cristina Infantin sagt vor Gericht aus

Prinzessin Cristina hat am gestrigen Donnerstag erstmals vor Gericht in Palma de Mallorca ausgesagt. Sie ist dort wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt

Update vom 04. März 2016

Prinzessin Cristina, 50, beantwortete vor Gericht allerdings nur Fragen ihres Rechtsanwalts Pablo Molin. Ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin, 48, wird vorgeworfen, sechs Millionen Euro öffentlicher Gelder veruntreut zu haben - zum Vorteil für sich und seine Familie. Wie die "Süddeutsche" berichtet, war Prinzessin Cristina Teilhaberin einer Firma, über die Urdangarin Gelder aus einer Stiftung abgezweigt haben soll. Nach ihren Angaben habe sie sich jedoch nie um die Geschäfte ihres Mannes gekümmert, zudem fehlen ihr betriebswirtschaftliche und steuerliche Fachkenntnisse. An Vorstandssitzungen der Firma habe sie auch nicht teilgenommen, weil sie mit der Erziehung ihrer vier Kinder und repräsentativen Aufgaben zu tun gehabt habe.

Update vom 10. Februar 2016 - Das Gerichtsverfahren wird fortgesetzt

Am Dienstag (9. Februar) wurde der Prozess mit der Vernehmung der Angeklagten fortgesetzt. Insgesamt sollen die Befragungen bis zum 26. Februar weitergehen, wobei Cristinas Vernehmung als die Letzte angesetzt ist. Dennoch ist sie verpflichtet, auch bei den Vernehmungen der Mitangeklagten anwesend zu sein.

Cristinas Anwalt Miquel Roca hat bereits angekündigt, dass sich seine Mandantin zu den Vorwürfen äußern werde. Wie er betont, "wird sie in der Lage sein, Antworten auf die Fragen zu geben."

Update vom 11. Januar 2016 - Der erste Gerichtstag

Elf Stunden dauerte dieser erste Tag im Gericht für die wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagte spanische Prinzessin Cristina. Erst am Abend konnten sie und ihr Ehemann, Iñaki Urdangarin, die "Escuela Balear de la Administración Pública" auf dem Industriegelände "Son Rossinyol" in der Nähe von Palma de Mallorca verlassen, wo das Gerichtsverfahren im "Fall Nóos", in den die beiden verwickelt sind, nach jahrelanger Ermittlung begonnen hat. Cristina und Iñakihörten sich am gestrigen Montag die Erörterung von Verfahrensfragen an, die von den Rechtsanwälten der 18 Angeklagten erklärt wurden.


Montag, 11. Januar 2016, morgens:
Ihre Gesichter waren ernst und von den Ereignissen gezeichnet: Die spanische Prinzessin Cristina, 50, und ihr Ehemann Iñaki Urdangarin, 47, kamen gemeinsam zum Korruptionsprozess vor dem Gericht in Palma de Mallorca. Der Stadt, deren Herzogstitel das Paar einst trug, ein Hochzeitsgeschenk des damaligen spanischen Königs Juan Carlos. Hier macht die spanische Königsfamilie immer noch regelmäßig Sommerurlaub. Inzwischen ohne Cristina und ihre Familie - man ist auf Distanz gegangen.

Neben der Infantin und ihrem Mann sind 16 weitere Beteiligte auf der Anklagebank. Cristina und ihr Mann saßen gemeinsam in der letzten Reihe. Wie distanziert man sich von seinem Geschäftspartner, hält aber doch irgendwie zum Mann, den man geheiratet hat? Für Prinzessin Cristina ist das jetzt schon seit Jahren eine schwierige Gratwanderung.

Prinzessin Cristina: Inaki Urdangarin, Prinzessin Cristina
© Dana PressInaki Urdangarin, Prinzessin Cristina

Das gab es noch nie

Prinzessin Cristina ist das erste Mitglied der spanischen Königsfamilie, das sich vor Gericht verantworten muss. Der Nummer sechs der Thronfolge wird vorgeworfen, im Rahmen einer Finanzaffäre um Urdangarin Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben. Die Anklage erfolgte schon im November 2014, doch erst jetzt wird vor Gericht verhandelt. Vor dem Untersuchungsrichter gab die Prinzessin zu Protokoll, sie habe nur ihren Namen hergegeben, sei aber in die Geschäfte nicht weiter involviert gewesen. Von den Machenschaften ihres Mannes will sie nichts gewusst haben.

Die Staatsanwaltschaft legt keinen Wert auf ihre Verurteilung, das geschädigte Finanzamt will offenbar ebenfalls nicht klagen - zur Eröffnung der Verhandlung wollen die Anwälte der Prinzessin daher die Einstellung des Verfahrens gegen Cristina beantragen. Sie würde sowieso erst im Februar vernommen werden, das Gericht kann in Ruhe über diese Option nachdenken.

König Felipe will klare Verhältnisse

Doch vor Gericht, das muss die Schwester des Königs, schon aus Symbolgründen. Als Felipe im Jahr 2014 das Amt von seinem Vater übernahm, tauchte in seiner Antrittsrede vor dem Parlament ganz bewusst der Satz auf, dass "alle vor dem recht gleich" seien. Eine Botschaft, dass der neue König Korruption und Elitendenken in Spanien auch dann attackieren will, wenn die eigene Familie die Hände im Spiel hat.

Inaki Urdangarin droht eine hohe Strafe

Während niemand damit rechnet, dass die 50-Jährige wirklich hinter Gitter muss, kann ihr Ehemann Iñaki Urdangarin wohl weder mit Gnade noch mit Verfahrensfeinheiten rechnen. Ihm droht eine lange Gefängnisstrafe. Urdangarin, Ehemann der Prinzessin seit dem Jahr 1997, soll zusammen mit einem Geschäftspartner sechs Millionen Euro öffentlicher Gelder für eine Wohltätigkeitsorganisation namens "Nóos" veruntreut haben, er war der Vorsitzende der Organisation. Und darüber hinaus soll er nicht nur Geld hinterzogen, sondern über eine zweite Forma auch gewaschen und dann in die eigene Tasche gesteckt haben. Neunzehneinhalb Jahre Haft drohen dem ehemaligen Handballstar, der einst so großgewachsen und strahlend mit seiner Frau für das Königshaus repräsentierte.

Iñaki ist sich angeblich seiner Schuld bewusst und rechnet seit langem damit, dass er hinter Gitter muss. "Seitdem ist er in psychiatrischer Behandlung, weil er Antidepressive" braucht", sagt ein Bekannter aus dem Freundeskreis des Paares zu "Danapress".

Seit 2013 leben Prinzessin Cristina und ihre Familie im schweizerischen Genf.