Lea Linster
© Philipp Rathmer Lea Linster

Léa Linster Im Land der Genießer

Erbgroßherzog Guillaume heiratet und die Welt schaut auf Luxemburg. Starköchin Léa Linster zeigt in "Gala", warum sich ein Besuch ihrer Heimat jederzeit lohnt, besonders für Gourmets

Die schlechte Nachricht vorweg:

Eins der beliebtesten Touristen-Ziele Luxemburgs - Léa Linsters Sterne-Restaurant in Frisingen, Pilgerstätte für Gourmets aus aller Welt - bleibt diese Woche geschlossen. Grund dafür, und das ist die gute Nachricht: Die Chefin und ihr Team haben alle Hände voll zu tun, das Hochzeitsmahl des Erbgroßherzogs am Samstag zuzubereiten (das ZDF überträgt die Trauung von Prinz Guillaume, dem luxemburgischen Thronfolger, und der belgischen Gräfin Stéphanie de Lannoy live ab 10.15 Uhr). Eine Aufgabe, welche die 57-jährige Starköchin als Ehre und große Freude empfindet. "Ich will mich voll und ganz auf die Hochzeit konzentrieren und den Stress richtig genießen", sagt sie zu "Gala" und lacht ihr berühmtes Léa-Linster-Lachen: laut, herzlich, ansteckend.

Zufällige Begegnung:Léa Linster mit Premierminister Jean-Claude Juncker, links ihr Sohn Louis.
© Philipp RathmerZufällige Begegnung: Léa Linster mit Premierminister Jean-Claude Juncker, links ihr Sohn Louis.

Die 700 Gäste, darunter zahlreiche Royals wie Victoria von Schweden, Harald von Norwegen und Japans Kronprinz Naruhito, dürfen sich freuen: Léa Linster ist nicht nur die erfolgreichste Köchin der Welt - als erste und bislang einzige Frau erhielt sie den Bocuse d'Or, die wichtigste Auszeichnung für Köche -, sie ist auch das beste Aushängeschild des Kleinstaates, bekannter noch als das adelige Brautpaar. Obwohl sie mittlerweile Dauergast im deutschen Fernsehen ist (unter anderem bei "Lanz kocht!") und eine Wohnung in Manhattan besitzt, merkt man sofort, wie sehr sie mit ihrer Heimat verbunden ist. Während Léa Linster uns durch Luxemburgs Hauptstadt führt, wird sie an jeder Ecke gegrüßt, fröhlich lächelt sie zurück, bleibt oft auf einen kurzen Plausch stehen. Und als wir überraschend Jean-Claude Juncker, Premierminister und Chef der Euro-Gruppe treffen, der ohne Bodyguards unterwegs ist, gibt es zur Begrüßung ein Küsschen.

Altstadt-Bar "Urban" (2, rue de la Boucherie) in Luxemburg.
© Philipp RathmerAltstadt-Bar "Urban" (2, rue de la Boucherie) in Luxemburg.

Die 142 000-Einwohner-Stadt mag klein und pittoresk sein - provinziell ist sie nicht. Das liegt auch daran, dass hier zahlreiche europäische Institutionen beheimatet sind, darunter der Europäische Gerichtshof und der Europäische Rechnungshof. Abends zieht es Politiker, Verwaltungsangestellte und Medienleute in die schicken Restaurants und Bars. Kurz vor Ladenschluss drängen sie sich auf den Einkaufsstraßen rund um die Grande-rue, wo Edelboutiquen wie Dior, Chanel und Hermès dicht an dicht stehen. "Ich fühle mich als Europäerin durch und durch", sagt Léa Linster und spricht damit vielen Luxemburgern aus der Seele. Weltoffen, mehrsprachig, zentral gelegen zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien, gilt das schwerreiche Großherzogtum mit seinen 534 000 Einwohnern als eine komprimierte Version Europas.

Kulinarisch gesehen schaut man sogar noch weiter über den Tellerrand hinaus. "Wir Luxemburger sind offen für alle Leute - ganz besonders für die, die gern essen", so Léa Linster. Ihr Lieblingslokal: das japanische Restaurant "Kamakura", welches ein Freund von ihr betreibt. Hier bestellt sie Gemüse-Tempura, Algensalat, Wachteln und Sake, anschließend Eis aus schwarzem Sesam. Das ist so köstlich, dass alle vom selben Holzlöffel probieren müssen. Wie essenziell Essen und Trinken in Luxemburg sind, spürt man schnell: Für ein Menü nehmen sich die Leute viel Zeit, jeder Gang wird ausgiebig zelebriert, auch mittags schon. Eine Vorliebe, die die Luxemburger mit ihren französischen Nachbarn teilen. Dazu passt: Der Designer des Brautkleids, mit dem die belgische Gräfin Stéphanie de Lannoy am Samstag in die Kathedrale Notre-Dame einziehen wird, interessiert die Luxemburger weit weniger als die Frage, wer für das leibliche Wohl der Hochzeitsgesellschaft sorgen wird.

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