Königin Rania
© Reuters Königin Rania

Königin Rania Die mutigste Königin der Welt

Nichts kann Rania von Jordanien im Kampf gegen den Terror aufhalten. Nicht einmal die Angst um ihr Leben – und das ihrer vier Kinder

Blaulicht, Polizei, Ab-sperrungen, dunkel gekleidete Männer mit Security-Headset im Ohr. Es bietet sich immer das gleiche Bild, wenn Königin Rania irgendwo auftaucht. Zart wie sie ist, verschwindet sie dann im Pulk ihrer starken Bewacher, so wie Anfang September in Berlin, als Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr den Walter-Rathenau-Preis für herausragendes außenpolitisches Engagement verlieh.

Königin Rania ist eine gefährdete Person

Solch ein Sicherheitsaufgebot ist man von hochkarätigen Staatsgästen gewohnt, im Falle der jordanischen Monarchin aber birgt die Gefahrenlage eine ganz besondere Brisanz: Die 45-Jährige muss tagtäglich mit der Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) leben.

"Königin Rania ist eine gefährdete Person. IS hat in mehreren Videobotschaften ganz klar gesagt, dass jede arabische Königsfamilie ein Anschlagsziel ist, dass sie diese Leute vernichten will", erklärt Journalistin Souad Mekhennet. Die Buchautorin ( "Die Kinder des Dschihad") glaubt: "Damit ist auch Rania gemeint."

Unerschrocken und mutig

Denn die vierfache Mutter zieht sich nicht, wie man es angesichts dieser Bedrohung erwarten könnte, zurück, sondern präsentiert sich unerschrocken und mutig, marschiert in Anti-IS-Demonstrationen in erster Reihe und hält Brandreden gegen die Kämpfer, die mittlerweile weite Teile Syriens und des Irak beherrschen – und vor denen Millionen Menschen nach Europa flüchten.

"Jedes Wort von Rania kann zu einem neuen Risiko führen", so Mekhennet. Deshalb den Mund zu halten kommt der Königin nicht in den Sinn. Worte sind das wichtigste Werkzeug der studierten Betriebswirtin, um die Welt aufzurütteln. "Wenn die Internationale Gemeinschaft es nicht schafft, die Krise zu bewältigen, werden noch mehr Boote kentern, mehr Kinder ertrinken und mehr Menschen auf den Ladeflächen von Lastwagen sterben", sagte sie in einem bemerkenswerten Interview mit dem US-Sender CNN und appellierte an jeden einzelnen: "Wir sind alle Menschen und sollten Mitgefühl haben. Dieses Mitgefühl lässt uns Verantwortung spüren, die uns dazu zwingt zu handeln."

Sie kämpft gegen den IS

Rania selbst spürt diese Verpflichtung Mitmenschen gegenüber schon lange. Sie kämpft für bessere Bildung, Gleichberechtigung von Frauen und gegen Armut. Die aktuelle Flüchtlingskrise aber fordert auch sie stärker heraus als jedes andere Drama zuvor: "Das ist eine Krise von außergewöhnlicher Dimension, die außergewöhnliche Lösungen verlangt", so Königin Rania. Sie fordert die Politik zu einem entschlosseneren Kampf gegen den IS auf.

In ihrer Heimat ist sie umstritten

Ein entschlossenes Auftreten, das in Europa mehr Anklang findet als in den konservativen Kreisen ihrer arabischen Heimat. Während die Monarchin hierzulande als Charity-Vorbild und Stil-Ikone gefeiert wird, ist sie in Jordanien umstritten. Das Volk verübelt ihr den Hang zum Luxus, beäugt kritisch das Faible für westliche Designer wie Dior oder Chanel und verdächtigt die königliche Großfamilie, sich an zweifelhaften Wirtschaftsgeschäften persönlich zu bereichern. Und das in Zeiten, in denen die 6,5 Millionen Bürger des Landes über eine Million Flüchtlinge (vor allem vom Nachbarn Syrien) aufnehmen müssen.

Sie präsentiert sich bodenständig

Rania kennt diese Vorwürfe und versucht sich mit Ehemann König Abdullah II., 53, und den vier Kindern Kronprinz Hussein, 21, Iman, 19, Salma, 15, und Haschem, 10, bodenständig und nahbar zu präsentieren. Sie nutzt die sozialen Dienste, um Fotos vom ganz normalen Familienleben – etwa beim gemeinsamen Grillen oder Hausaufgabenmachen – zu posten.

Sie fährt mit ihrem Geländewagen zum Einkaufen in Amman, trifft sich mit Freundinnen und betont in Interviews, dass sie "Mutter und Ehefrau mit einem Job" sei. Dass sie angesichts der IS-Bedrohung aber auch jeden Tag um das Leben ihrer Kinder bangt, muss sie verschweigen. Was für eine Belastung. Vor allem jetzt, wo sie Tochter Iman immer stärker in die Pflicht nimmt. Die junge Frau, die Anmut und Schönheit von der Mutter offenbar genauso geerbt hat wie den Wunsch die Welt zu verbessern, begleitet Rania häufig zu Kongressen, kürzlich nach Paris.

Ihr Mut kann sie das Leben kosten

"Die jordanische Königsfamilie ist über Generationen bekannt für ihre starken Frauen", analysiert Journalistin Mekhennet und erinnert an Königin Noor, die vierte und letzte Frau des 1999 verstorbenen Königs Hussein. Auch sie setzte sich während ihrer Ehe für Frieden und Gewaltfreiheit ein, heute lebt sie überwiegend in Washington. Rania führt diese Tradition der Stärke fort – offensiver, engagierter und unerschrockener als ihre Vorfahren.

"Sie sind eine herausragende Persönlichkeit, die viel Hoffnung verbreitet", sagte Angela Merkel in ihrer Laudatio. So würdigte die Bundeskanzlerin den Mut der Preisträgerin, gegen den Extremismus zu kämpfen. Ein Mut, der Rania allerdings das Leben kosten kann.