Albert von Monaco
© Getty Albert von Monaco

Grace Kelly Kommt er gegen die Legende an?

25 Jahre nach dem Tod von Gracia Patricia trauert ganz Monaco besseren Zeiten nach. Charlene Wittstock soll nun dem Fürstentum den Glamour von einst zurückgeben

Der Empire-Saal des "Hôtel de Paris" festlich geschmückt,

die 350 ausgewählten Gäste in edlen Roben, die Stimmung feierlich und doch ausgelassen. Das Charity-Dinner, das Fürst Albert Anfang September für Nelson Mandela gab, wäre ganz nach dem Geschmack seiner Mutter gewesen. Es war eins dieser raren Feste der jüngsten Vergangenheit, die an Monacos Glanzzeiten mit der schönen Gracia Patricia im Mittelpunkt erinnerten.

Der 49-Jährige erwies sich als galanter Gastgeber. Sorgte dafür, dass sich Weltstars wie Naomi Campbell, Bono, Petra Nemcova und Wyclef Jean im kleinen Fürstentum am Mittelmeer wie zu Hause fühlten. Als Charlene Wittstock, seine Freundin, mitsamt der Fürstenfamilie den Saal betrat, ging ein Raunen durch die Menge. Die Südafrikanerin saß dann am Ehrentisch neben Prinzessin Caroline. Immer wieder wandte sich die 50-Jährige der Jüngeren entgegen, um ihr etwas zuzuflüstern - ein deutliches Zeichen, dass die Fürstenfamilie die Sportlerin, die im kommenden Jahr bei den "Olympischen Spielen" antreten will, längst akzeptiert hat. Zu später Stunde fanden sich alle auf der kleinen Bühne des Festsaals wieder: Albert hockte sich hinter die Bongos, um mit den Musikern zu jammen. Charlene, Caroline und deren Tochter Charlotte gaben die Background-Tänzerinnen. Immer wieder drehte sich der Fürst nach seiner charmanten Partnerin um und lächelte sie an, selig.

Ja, Gracia Patricia hätte ihre Freude gehabt an diesem Abend. Daran, ihre Kinder so glücklich zu sehen. Charlene, bezaubernd im dezenten Abendkleid und mit wachsendem Selbstbewusstsein, wäre von ihr sicher schnell ins Herz geschlossen worden. Für die Monegassen ist die blonde Schwimmerin vor allem Hoffnungsträgerin. Sie wünschen sich, dass die 29-Jährige, die mit ihren feinen Gesichtszügen und der natürlichen Eleganz tatsächlich an Gracia Patricia erinnert, Monaco wieder in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit rückt. Wie damals, als die junge Fürstin in Monte Carlo ihre ehemaligen Kollegen aus Hollywood empfing, mit ihrem Charme Politiker aus aller Herren Länder bezauberte und damit das Fürstentum überhaupt erst ins Bewusstsein der Welt brachte. Wer kannte vor ihrer Traumhochzeit mit Fürst Rainier im Jahr 1956 überhaupt den kleinsten aller unabhängigen Staaten (nach dem Vatikan) mit seinen gerade mal 32.000 Einwohnern? Keine Frage: Als sich die amerikanische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Grace Kelly ent­schied, ihre Karriere zugunsten der Liebe aufzugeben, war das ein Schritt von histo­rischer Bedeutung: Die Filmwelt betrauerte den Verlust. Monaco blühte regelrecht auf.

Doch die goldenen Zeiten endeten jäh vor genau 25 Jahren, am 14. September 1982, als die Fürstin mit ihrem Wagen auf einer der kurvenreichen Straßen an der Côte d'Azur tödlich verunglückte. Gracia Patricia hinter­ließ in den Herzen ihrer Familie, ihrer Fans und im Fürstentum Monaco eine Lücke, die nie wieder geschlossen werden konnte. Mehr als zwei Jahrzehnte regierte Fürst Rainier sein Land als Witwer, energisch, aber ohne jene Lebensfreude, die er an der Seite seiner Frau versprüht hatte. "Der Verlust meiner Mutter hinterlässt eine große Leere. Es war sehr schwer für uns alle", sagt ihr Sohn Albert heute.

Die größte Herausforderung seines Lebens muss der junge Fürst heute bestehen. Bei seiner Amtsübernahme vor zwei Jahren hatte Albert versprochen, das Land zu moderni­sieren. Für Investitionen zu sorgen, Korrup­tion zu unterbinden, sich für den Schutz der Umwelt einzusetzen. Doch es hagelte Kritik. Die Monegassen bemängeln, das einst so berühmte Kasino werfe kaum noch Gewinne ab, und neue Einnahmequellen seien nicht in Sicht. Außerdem wirken Alberts Klima­schutz-Initiativen angesichts der jährlich stattfindenden Formel-1-Rennen in Monte Carlo wie ein Tropfen auf den heißen Stein, es fehlt an Glaubwürdigkeit. Vor allem aber wünschen sich die Bürger eins: Dass ihr Fürst endlich eine Familie gründet und für einen Thronfolger sorgt. Eine Aufgabe, mit der sich der eingefleischte Junggeselle erstaunlich schwertut. Zwar zeigte sich Albert in der Vergangenheit immer wieder in Begleitung schöner, junger Damen, doch den Gang zum Altar scheute er.

Charlene Wittstock läutet insofern tatsächlich eine neue Ära ein. Die südafrikanische Schwimmerin, seit eineinhalb Jahren mit Albert befreundet, wirkt nicht wie eine wei­tere Kurzzeit-Gefährtin des Fürsten - sie hat das Zeug, dauerhaft an seiner Seite zu bestehen. Keine andere Frau nahm er zu so vielen wichtigen Veranstaltungen mit wie sie. Die Monegassen hoffen nun, dass die guten alten Zeiten des Fürstentums mit einer prunkvollen Hochzeit zurückkehren mögen.

Ein glanzvolles Fest wie damals, als Grace Kelly in Monaco Einzug hielt und kurz darauf Fürst Rainier in der "St.-Nicholas"-Kathedrale das Ja-Wort gab. Und die glücklichen Jahre danach, als die junge Fürstin drei entzückende Kinder zur Welt brachte, erst Caroline, dann Albert und schließlich Stephanie. Wird es bald wieder so schön? Das Charity-Dinner mit Nelson Mandela vor zwei Wochen ließ erahnen, dass das Feuer im Fürstentum noch brennt. Wäre Gracia Patricia heute noch am Leben, könnte sie ihrem Sohn Albert gerade jetzt eine große Stütze sein bei den wichtigen Entscheidungen, die er treffen muss. Politisch, ökonomisch und natürlich auch in Fragen des Herzens.