Walter Scheib
© Jürgen Frank Walter Scheib

Walter Scheib Mächtig lecker

Hillary Clinton plünderte nachts den Kühlschrank, bei Familie Bush gab's Hausmannskost, Helmut Kohl wurde nie satt. Walter Scheib, der ehemalige Chefkoch des Weißen Hauses, lässt GALA in die Töpfe schauen

Als Barack Obama noch im Wahlkampf steckte, musste er eine Menge schlucken. Hamburger, Pommes, Sandwiches, Steaks, Käsekuchen – eben all das, was ihm seine Gastgeber auftischten. Was der frisch gewählte US-Präsident und seine Familie tatsächlich am liebsten essen, das herauszufinden ist jetzt Aufgabe des Küchenteams im Weißen Haus. Walter Scheib, 54, kochte elf Jahre lang für Obamas Vorgänger, schmierte Käsebrote für George W. Bush und brachte Chelsea Clinton vegetarische Gerichte bei. Sprechen darf er darüber erst, seit er nicht mehr für die First Family arbeitet. Im Interview erzählt der ehemalige "White House Chef", warum er für Michelle Obama ins Weiße Haus zurückkehren würde, obwohl es der anstrengendste Job war, den er je hatte. Sie waren elf Jahre Chefkoch im Weißen Haus.

Gala: Interessiert es Sie, was Barack Obama zukünftig vorgesetzt bekommt?
Natürlich. Sein Team hat mich kürzlich angerufen und mir zahlreiche Fragen gestellt. Sie wollten wissen, was genau ein White House Chef macht und ob es sinnvoll wäre, einen Promi-Koch einzustellen. Davon habe ich abgeraten.

Gala: Warum?
Weil dieser Job keinen Narzissmus vertragen kann. Es geht nicht darum, was der Koch will und wie er auftrumpfen kann. Es geht darum, die First Family glücklich zu stimmen. Und dafür muss man sein Ego mit der Jacke an der Tür abgeben.

Gala: Wen empfehlen Sie für den Job?
Ich habe mich inzwischen selbstständig gemacht, und meine Firma läuft sehr gut. Deshalb habe ich empfohlen, Cris Comerford zu behalten. Sie war meine Sous-Köchin und wurde von Laura Bush zum ersten weiblichen Chefkoch ernannt. Sie ist fabelhaft und kennt sich mit allem aus. Daher hoffe ich, dass sie im Team bleibt.

Gala: Als Hillary Clinton Sie damals einstellte, haben Sie gleich am nächsten Tag anfangen müssen?
Von wegen. Es hat Wochen gedauert, schließlich wurde erst mal mein Background gecheckt. Sie haben wirklich keinen Stein auf dem anderen gelassen; das FBI hat mit Menschen gesprochen, die ich seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte, und sogar Klassenkameraden aus der Grundschule über mich ausgefragt.

Gala: Wurden Sie auch gefragt, welche Partei Sie wählen?
Nein. Das ist eine persönliche Angelegenheit und spielt keine Rolle. Entweder möchte man der First Family dienen oder nicht – das hat nichtsmit Politik zu tun.

Gala: Welche Eigenschaften sollte ein White House Chef unbedingt besitzen?
Zunächst muss er begreifen, dass auch die First Family aus ganz normalen Menschen besteht. Wenn sie aus dem Haus gehen, sind sie die berühmtesten Leute auf der Erde, alle Augen blicken auf sie, und sie werden wie Rockstars behandelt. Doch wenn sie nach Hause kommen, dann wollen sie ganz normal sein. Mal die Füße hochlegen, im Pyjama rumlaufen.

Gala: Konnten Sie am Essverhalten ablesen, wie es der Familie jeweils ging?
Ein gutes Beispiel ist 9/11. Wir hatten fünf Tage vorher ein großes Staatsdinner für den mexikanischen Präsidenten Vicente Fox gegeben, sehr pompös und extravagant. Nach dem 11. September gab es keine Staatsdinner mehr. Es gab, wenn überhaupt, nur kleinere Dinner. Der Bush-Familie und ihren Gästen war der Appetit nach extravaganten Experimenten in der Küche vergangen. Sie wollten nichts mehr mit Soßen oder Chutneys, sondern lieber Hausmannskost, schlichtere Gerichte mit Fleisch und Kartoffeln. Ich glaube, dass dahinter eine Sehnsucht nach Geborgenheit stand, man wollte sich sicher wie bei Mama zu Hause fühlen.

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