Paul Biedermann "Ich hau nicht auf den Putz"

Deutschlands neuer Sportstar Paul Biedermann über seine Liebe zu Freundin Juliane, Heavy Metal und Ruhephasen. Und was Franziska van Almsick ihm mit auf den Weg gibt

Sich mit Paul Biedermann zu verabreden

, ist in diesen Tagen kompliziert. Die ganze Welt will etwas von dem 22-Jährigen aus Halle an der Saale, seit er bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Rom überraschend die Königsdisziplinen (200 m und 400 m Freistil) gewann, beide in Weltrekordzeit.

Den neuen Sporthelden dann auch noch mit Goldfisch Franziska van Almsick, 31, interviewen zu wollen - scheinbar völlig unmöglich. Als es dann doch zu klappen scheint, kommt kein Geringerer als Gottes Vertreter auf Erden dazwischen: Biedermann wird zur Audienz beim Papst gebeten. Für Gala legen die beiden Sport-Ikonen dann am Samstagmorgen eine Frühschicht ein. Franziska van Almsicks Sohn Don Hugo, 2, schläft noch, aber sie und Paul sind hellwach.

Herr Biedermann, haben Sie schon begriffen, was passiert ist?
Paul Biedermann: So langsam gewöhne ich mich daran, dass ich jetzt zweifacher Weltmeister bin und zwei Weltrekorde halte. Doch, dieses Gefühl wird mit jedem Tag besser.



Frau van Almsick, Sie waren 14, als Sie Ihre ersten WM-Medaillen gewannen und damit ins Licht der Öffentlichkeit katapultiert wurden. Wie lange brauchten Sie damals, um das alles zu verdauen?
Franziska Van Almsick: Mit 14 hatte ich noch keinen blassen Schimmer, es interessierte mich gar nicht. Richtig klar wurde mir das erst mit 18, 19. Im Gegensatz zu mir ist Paul in einer tollen Situation: Er ist alt genug, um alles zu verstehen.



Wie sollte Paul Biedermann Ihrer Meinung nach mit dem plötzlichen Ruhm umgehen?
Franziska Van Almsick: Am Anfang ist alles schön, aber irgendwann kommen auch negative Stimmen. Das kann schon passieren, wenn man mal kein Autogramm gibt. Weil man schon tausendmal unterschrieben hat und einfach los muss. Darüber muss er sich klar sein. Und er darf es nicht zu nah an sich heranlassen.



Apropos Autogramme schreiben: Haben Sie vor der WM geübt, Herr Biedermann?
Biedermann Nee ….
Franziska Van Almsick: Kennen Sie sein Autogramm? Er schreibt seinen Namen gar nicht aus.
(Der Weltmeister führt es vor: "Paul Bieder …" - dann kommt nur noch ein Kringel.)
Paul Biedermann: Manche kritzeln nur ihre Anfangsbuchstaben. Dagegen bin ich fleißig.

Sie sagen, Sie fühlen sich nicht als Star, Sie wollen an Ihrem Leben nichts ändern. Wie sah Ihr Alltag vor dieser Weltmeisterschaft aus?
Paul Biedermann:Von sieben bis neun Uhr Training. Danach entweder zum Praktikum bei den Wasserwerken oder – wenn ich freigestellt war - nach Hause, regenerieren. Von 16 bis 19 Uhr wieder Training.

Ihr Großvater sagte mir: "Der Junge schläft sehr viel."
Paul Biedermann:Stimmt schon …
Franziska Van Almsick: Das habe ich früher auch gemacht. Der Körper braucht diese Ruhephasen.



Kann man nach solch einem Erfolg weiterleben wie zuvor?
Franziska Van Almsick: Halle an der Saale ist nicht Berlin oder Hamburg. Dort ist er sicher gut aufgehoben, er wird nicht auf Schritt und Tritt beobachtet und kann sich auch mal zurückziehen. Er muss selbst entscheiden, wie viel Privatsphäre er sich bewahren möchte.



Sponsoren, Werbepartner - alle werden sich um Sie reißen, Herr Biedermann. Da sollte genug abfallen, um sich wenigstens ein neues Auto zu leisten.
Paul Biedermann: Ich werde jetzt bestimmt nicht auf den Putz hauen. Das Geld spare ich lieber, auch für später. Außerdem habe ich gar kein Auto - auch keinen Führerschein. Aus Überzeugung nicht?
Paul Biedermann: Bisher brauchte ich noch keinen. Mit dem Fahrrad bin ich mobil genug.

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