Olympia

Sie waren Helden

Sie stellten Rekorde auf und Millionen Menschen fieberten mit ihnen mit: Viele Sportler aus vergangenen Jahren waren Idole ihrer Zeit. Wir werfen einen Blick zurück und zeigen, was die Helden von damals heute machen

Ben Johnson und Carl Lewis

Ben Johnson und Carl Lewis

Olympia fasziniert die Menschen alle vier Jahre aufs Neue. Viele Sportler schrieben Geschichte - sei es mit Rekorden, Medaillen oder auch Dopingsünden.

Doch was machen beispielsweise Michael Groß, Carl Lewis oder Katrin Krabbe eigentlich heute? Auf den nächsten Seiten werfen wir einen Blick zurück auf die bekanntesten Sportler der vergangenen Jahrzehnte, ihre größten Erfolge, ihre bittersten Niederlagen und zeigen, was die Helden von damals heute machen.

Michael Groß

Michael Groß (Deutschland): Schwimmen

Michael Groß ist bis heute der erfolgreichste deutsche Schwimmer. Aufgrund seiner großen Arm-Spannweite von 2,13 Meter und seinem eigenwilligen Schwimmstil wurde er gerne als "Albatros" betitelt.

Seinen ersten Olympia-Einsatz sollte er eigentlich bereits 1980 in Moskau haben, doch Deutschland boykottierte die Spiele. Also startete er vier Jahre später in Los Angeles und gewann auf Anhieb drei Gold- und eine Silbermedaille. Auch in Seoul konnte er 1988 eine Goldmedaille in der Einzelwertung und eine Bronzemedaille mit der Mannschaft holen.

Anschließend beendete Michael Groß seine sportliche Karriere. Der promovierte Medienwissenschaftler gründete seine eigene Agentur für Öffentlichkeitsarbeit. 2000 übernahm er die Beratung für die Berliner Olympia-Bewerbung. Als jedoch bekannt wurde, dass er dafür 300.000 Deutsche Mark kassiert hatte, erntete er heftige Kritik. Trotzdem war er im Vorfeld der Leipziger Kandidatur für die Spiele 2012 als Geschäftsführer im Gespräch.

Katrin Krabbe

Katrin Krabbe (Deutschland): Sprint

Katrin Krabbe gehörte Anfang der 90er Jahre zu den hoffnungsvollsten Kurzstreckenläuferinnen Deutschlands. Bereits mit zwölf Jahren begann sie ihr Training und gehörte schnell zu den erfolgreichsten Teilnehmerinnen bei Meisterschaften. 1988 fuhr sie zu den Olympischen Spielen in Seoul. Dort erreichte sie über 200 Meter immerhin das Halbfinale, schied aber letztlich als Sechste aus.

Ihre größten Erfolge folgten ein paar Jahre später: Bei der Europameisterschaft 1990 im kroatischen Split gewann sie gleich drei Mal Gold, ein Jahr später nahm sie bei der Weltmeisterschaft in Tokio zwei Goldmedaillen mit nach Hause. Katrin Krabbe war zu dieser Zeit nicht nur überaus erfolgreich, sondern auch sehr beliebt: 1990 und 1991 wurde sie zur deutschen "Sportlerin des Jahres" gewählt. 1991 erhielt sie zusätzlich den Titel "Weltsportlerin des Jahres.

Doch 1992 zogen dunkle Wolken auf: Gemeinsam mit ihrer Traninigspartnerin Grit Breuer wurde Katrin Krabbe positiv auf Doping getestet. Beide wurden daraufhin für ein Jahr vom "Deutschen Leichtathletikverband DLV" gesperrt. Der "Internationale Leichtathletikverband IAAF" schloss die beiden weitere zwei Jahre, bis zum August 1995, aus.

Katrin Krabbe zog in einem Aufsehen erregenden Prozess gegen das Urteil vor Gericht mit der Begründung, dass eine Sportsperre von mehr als zwei Jahren das Grundrecht auf Berufsfreiheit beeinträchtige. Sie bekam Recht und erhielt insgesamt 1,2 Millionen Deutsche Mark.

Anschließend versuchte sie nach mehrjähriger Pause ihre Sportkarriere fortzusetzen, was ihr jedoch nicht gelang. Heute betreibt die mittlerweile 38-jährige Katrin Krabbe-Zimmermann, wie sie nach der Hochzeit mit dem ehemaligen Ruder-Weltmeister Michael Zimmermann heißt, ein Sportgeschäft in ihrer Heimatstadt Neubrandenburg. Dieses hatte sie gemeinsam mit ihrem ehemaligen Verlobten, dem Kanuten Torsten Krenz, eröffnet.

Carl Lewis

Carl Lewis (USA): Sprint, Weitsprung

Carl Lewis, der eigentlich Frederick Carlton Lewis heißt, zählte zu den erfolgreichsten Leichtathleten der Sportgeschichte. Seine Karriere verdankt er seinen Eltern, die in seiner Heimatstadt Willingboro in New Jersey einen Lauftreff gründeten und ihren Sohn früh förderten. 1980 wurde er erstmalig in die US-Auswahl für die Olympischen Spiele in Moskau berufen, doch der amerikanische Boykott verhinderte seinen ersten großen Auftritt.

Doch anschließend startete Carl Lewis richtig durch: An insgesamt vier Olympiaden nahm er teil und konnte dabei neun Gold- und eine Silbermedaille gewinnen. Zwischen 1983 und 1996 erzielte er im Sprint und im Weitsprung mehrere Weltrekorde und wurde für seine Erfolge 1999 von der "IAAF" als "Leichtathlet des Jahrhunderts" geehrt.

Nach den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 zog sich Carl Lewis aus dem Leistungssport zurück und versucht sich seither als Schauspieler. Bislang allerdings mit eher mäßigem Erfolg: Zu sehen war er bisher in den TV-Produktionen "Speed Zone", "Material Girls" und "Dirty Laundry".

Frank Busemann

Frank Busemann (Deutschland): Zehnkampf

Frank Busemann kennt man spätestens seit 1996, als er bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Silbermedaille im Zehnkampf gewann. Vier Jahre später versuchte er sein Glück in Sydney erneut und landete auf dem siebten Platz. In den nächsten Jahren wurde er durch Verletzungen immer weiter zurückgeworfen, so dass er seine Karriere 2003 an den Nagel hängte. Seine Erfahrungen als Spitzensportler schrieb er in seiner Biographie "Aufgeben gilt nicht" nieder.

Auch heute noch bestimmt der Sport sein Leben. Auf seiner Homepage schreibt Frank Busemann: "Ich habe den Sportdress gegen ein anderes Outfit getauscht und bewege mich nun in den Disziplinen Business, Journalismus, Sport und PR." Als Berater coacht er Führungskräfte großer Unternehmen und deren Mitarbeiter und erklärt ihnen, wie man sich erfolgreich durchsetzt. Auch seine neuen Erfahrungen als Coach schrieb Frank Busemann nieder: 2004 veröffentlichte er das Buch "Zehnkampf-Power für Manager".

Florence Griffith-Joyner

Florence Griffith-Joyner (USA): Sprint

Florence Griffith-Joyner, die in den Medien häufig als Flo-Jo betitelt wurde, fiel am Anfang ihrer Karriere weniger durch ihre sportlichen Leistungen als durch ihr auffälliges Äußeres aus: Ihre langen schwarzen Haare trug sie fast nie wie die anderen Läuferinnen zum Zopf gebunden, ihre Fingernägel waren lang und bunt lackiert und sie trug Laufanzüge in den grellsten Farben. 1984 nahm sie erstmals an den Olympischen Spielen in Los Angeles teil und gewann prompt eine Silbermedaille über 200 Meter.

Vier Jahre später war Florence Griffith-Joyner eine der überragenden Läuferinnen bei den Olympischen Spielen in Seoul: Gleich drei Gold- und eine Silbermedaille konnte sie mit nach Hause nehmen. Ein Jahr später brachte sie ihre Tochter Mary Ruth zur Welt und kehrte dem Spitzensport erst einmal den Rücken zu.

1996 wollte sie bei den Olympischen Spielen in Atlanta ihr Comeback feiern, das sie jedoch kurzfristig wegen einer Verletzung absagen musste. Noch im selben Jahr erlitt sie einen leichten Schlaganfall und musste sich fortan regelmäßig ärztlich behandeln lassen. Am 21. September 1998 verstarb sie überraschend im Alter von nur 38 Jahren. Die Todesursache konnte nie eindeutig geklärt werden: Die Gerüchte reichten von einem plötzlichem Herztod über einen seltenen Hirntumor bis hin zum Ersticken nach einem epileptischen Anfall. Immer wieder wurde auch gemunkelt, dass Florence Griffith-Joyner während ihrer aktiven Laufbahn gedopt haben soll und ihr der Missbrauch von Anabolika letztlich zum Verhängnis geworden sein soll.

Ben Johnson

Ben Johnson (Kanada): Sprint

Ben Johnson war einer der hoffnungsvollsten Sprinter Kanadas. Doch der Läufer machte nicht nur mit sportlichen Erfolgen auf sich aufmerksam. Bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 gewann er die Goldmedaille und stellte gleichzeitig einen neuen Weltrekord über 100 Meter auf. Doch nur zwei Tage später wurde er des Dopings überführt und die Medaille wurde Carl Lewis zugesprochen.

Nach einer vierjährigen Sperre kehrte Ben Johnson zurück. Doch nur ein Jahr später wurde er bei einem Rennen in Montreal erneut positiv auf Doping getestet und lebenslang gesperrt.

Anschließend versuchte er sich als Football-Spieler und wechselte 2003 als Konditionstrainer zum italienischen Fußballverein "AC Perugia". Doch so wirklich Fuß fassen konnte er in keinem der Bereiche.

2005 brachte Ben Johnson daher seine eigene Modekollektion in Kanada auf den Markt, die sowohl Sport- als auch Freizeitbekleidung beinhaltet. Nebenbei arbeitet er als Personal Trainer und verkauft Aufbaudrinks, die Müdigkeit bekämpfen sollen.

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