NY Minute Spiderman im Doppelpack

Der Franzose Alain Robert kletterte ohne Sicherung an einem Wolkenkratzer hoch, um gegen die Erderwärmung zu protestieren. Sieben Stunden später machte es ihm ein Amerikaner nach - diesmal um auf Malaria aufmerksam zu machen

4. Juni, 11.39 Uhr, 620 Eighth Avenue: Passanten schauten auf die Fassade des Gebäudes der "New York Times" und rieben sich die Augen. Es war tatsächlich wahr: Ein Mann kletterte ohne Seil und ohne jegliches Sicherheitsnetz die glatte Fassade hinauf. Weniger als eine Stunde brauchte Alain Robert (45), um die 52 Stockwerke zu erklimmen.

Wo anderen schon bei dem Blick auf dem Fenster schwindelig wird, schaffte der Franzose den Aufstieg mit nur einer kleinen Verschnaufpause in Höhe des 47. Stockwerks. Seinen Spitznamen "French Spiderman" trägt er zu Recht - schließlich erklomm er auch schon den Eiffelturm und das Opernhaus in Sydney. Mit dem Kletterakt in New York wollte er auf die Erderwärmung aufmerksam machen und rollte ein Plakat mit der Aufschrift "Global Warming Kills More People Than 9-/11 Every Week" (die Erderwärmung tötet jede Woche mehr Menschen als 9/11) vom Dach. Von den Mitarbeitern der "New York Times" und von den Passanten auf der Strasse erhielt er stehende Ovationen, die New Yorker Polizei führte ihn jedoch in Handschellen ab.

Bürgermeister Bloomberg verurteilte die Aktion und rechtfertigte die Festnahme: "Er hätte abstürzen und andere Menschen töten können." Während die Diskussionen über Alain Robert noch in vollem Gange waren, verbreitete sich die Nachricht, dass Spiderman wieder aktiv sei. Diesmal sorgte jedoch Renaldo Clarke (33) aus Brooklyn für Aufregung. Er hatte schon eine Weile heimlich trainiert und als er die Aktion von Alain Robert im Fernsehen sah, machte er sich auf den Weg nach Manhattan. Auf seinem steilen Weg nach oben trug er ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Malaria – No More", womit er auf die große Verbreitung der Krankheit in Afrika aufmerksam machen wollte. Zwar brauchte der Spiderman aus Brooklyn auch nur knapp über eine Stunde, um das Gebäude der "New York Times" zu erklimmen, aber er musste mehrfach eine Pause einlegen.

"Ich habe niemanden verletzt", schnaufte der "French Spiderman", der angeblich nicht glücklich darüber sein soll, dass er seine Aufmerksamkeit nun teilen muss. Er halte Nachmacher für unverantwortlich, schließlich sei eine solche Aktion ziemlich gefährlich.

Auch bei seiner eigenen Familie erntete Renaldo Clarke keine Lorbeeren. Sein Vater erkannte ihn nicht einmal im Fernsehen. Er rief seine Ehefrau mit den Worten: "Schau mal, noch so ein Spinner, der dort hochklettert!" Erst die Presse, die anrief, klärte ihn auf.

Auch wenn beide Fassadenkletterer nicht von allen New Yorkern Beifall erhielten, ein spektakulärer Wettkampf war es in jedem Fall. Und immerhin für den guten Zweck.

"French Spiderman" bei der Arbeit

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