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NY Minute Schönheitsfolter für 800 Dollar?

Wer schön sein will, muss leiden. Das gilt auch für die New Yorkerinnen. Das Kosmetikstudio wird da schonmal zur Vorhölle

Ein Gang zur Kosmetikbehandlung ist normalerweise mit lauter wunderbaren Dingen verbunden. Gesichtsmassage, Aromatherapie, eine fantastisch riechende Maske, Entspannung. Dafür lässt eine New Yorkerin zwischen 90 und 150 Dollar springen. Der unangenehmste Teil ist stets, wenn die Pickel und Mitesser ausgedrückt werden. Und wissentlich versucht jede Kosmetiker so schnell und so sanft wie möglich zu sein. Vielleicht sogar mit etwas Smalltalk die Kundin abzulenken. Nicht so Christine Chin.

Wer schön sein will, muss leiden. Diese Redewendung nimmt die Kosmetiker, die ihr Spa an der Lower East Side hat, wörtlich. Sie sagt, sie sei besessen davon, ihren Kunden eine bessere Haut zu verpassen. Und dafür tut sie, was immer nötig ist. Da fließt viel Schweiß, oft Blut und manchmal auch Tränen. Denn Chins Spezialität ist das Reinigen. Da wird herausgedrückt oder herausgeschnitten, was nicht in die Pore gehört. "Unreinheiten sind wie Karies", erklärt Christine Chin, die ihr Handwerk seit 20 Jahren betreibt, "wenn man zum Zahnarzt geht, will man auch nicht, dass er nur in den Mund guckt und einen wieder nach Hause schickt."

Ihre Technik ist so hardcore, dass es der Kosmetikerin den Beinamen Skin Nazi (Hautnazi) eingebracht hat. Kunden reden nur davon zur "mean Christine" (fiese Christine) zu gehen. Denn die Spa-Chefin duldet keinerlei Widerrede. Als eine Schönheitschirurgin meinte, Chin sei keine Ärztin und dürfe gar nicht so extrem die Haut bearbeiten, bekam sie lebenslang Hausverbot. Und trotz der Ähnlichkeit mit einer Folterkammer reißen sich Models, Promis und andere Mutige um einen Termin. Penélope Cruz, Gisele Bundchen, Naomi Campbell, Rachel Weizs – sie alle waren schon unter den Fittichen von Mean Christine.

Denn das C. Chin Facial bestehend aus Shiatsu-Massage, Mikrodebrasion und hausgemachter Ginseng-Maske hat offenbar eine derartig tolle Wirkung, dass die Kundinnen nicht nur regelmäßig wiederkommen, sondern sogar noch ordentlich draufzahlen. Das normale Facial kostet nur 180 Dollar. Doch wer zur härtesten Kosmetikerin New Yorks will, muss das Royal Treatment für 800 Dollar buchen. Plus 50 Dollar für jede Pore, die ausgedrückt werden muss.

"Ich habe schon mal 1.200 Dollar berechnen müssen – für eine Gesichtshälfte", sagt Chin nicht ohne Stolz, "aber es war nun mal nötig. Das Gesicht war voller Vulkane und Donuts." Das ist ihr humorvoller Ausdruck für Unreinheiten. Und die königliche Behandlung mit 11 Fingern gibt es dann gratis. Kein Witz, Christine Chin hat sechs Finger an der rechten Hand. Es heißt, sie lächele sogar manchmal. Die Kundin bemerkt es meist nur nicht durch die verschwommenen Augen.