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NY Minute Ohren zu und durch!

In New York grassiert ein neuer Trend: In den Bars werden statt Drinks Tipps von Technik-Profis serviert und die Lieblinge repariert

Die neueste Bar in Manhattan befindet sich im trendigen Meatpacking Distrikt in Chelsea, in direkter Nachbarschaft von Alexander McQueen, Stella McCartney und LaPerla. Nein, es hat kein neuer Szene-Club seine Pforten geöffnet, sondern der dritte und größte "Apple"-Computer-Store der Stadt. Und die neueste Bar ist ganz einfach eine 14 Meter lange "Genius-Bar", wo anstelle von Drinks technisch versierte "Apple"-Profis Tipps servieren - oder sogar die zickigen Geräte reparieren.

Das "Big Apple" hat ja nun schon seit geraumer Zeit eine fast unnatürliche Obsession für "Apple". Seit vergangenem Freitag gibt es jetzt "Apple"-Filialen in drei sehr unterschiedlichen Stadtteilen der Stadt. Der "Soho"-Store, welcher sich in einer alten Post befindet und unendlich viel Charme hat. Der 24 Stunden lang geöffnete unterirdische Laden an der Fifth Avenue, welcher bereits zur Touristenattraktion geworden ist, weil von Außen nur ein durchsichtiger Glaskasten mit einem schwebenden weißen Apfel zu sehen ist. Und nun dieser, im Meatpacking Distrikt - eine der hottesten und modernsten Gegenden der Stadt. Bis vor einigen Jahren gab es hier mehr Prostituierte, Drogen, Sex-Clubs und vor allem Fleischereien. Jeden Tag im Morgengrauen sah man Schweinehälften an Haken baumeln. Nun hängen dort Kleider von Diane von Fürstenberg und Carlos Miele. Und die Straßenmädchen von damals wurden gegen schicke New Yorkerinnen ausgetauscht, die mit ihren dünnen Beinchen und 10 -cm-Stilettos auf dem Original Kopfsteinpflaster von Bar zu Bar staksen (so mancher Manolo musste hier seinen Absatz einbüßen).

Das Innendesign des neuen "Apple"-Store, der sich in einem für New York typischen Fabrik-Haus aus dem frühen 20. Jahrhundert befindet, ist ebenfalls ein architektonisches Meisterwerk. Über eine große Wendeltreppe aus Glas gelangen die Besucher in die oberen Etagen. Im ersten und zweiten Stock befinden sich Ausstellungs- und Verkaufsräume, wo der Besucher einkaufen, ausprobieren oder einfach nur abhängen kann. Die obere Etage dient ausschließlich dem Service und Seminaren. Insgesamt arbeiten satte 175 Angestellte in den Räumen. Hier gibt es "Nanos" satt und hey, so ein silberner kleiner Player passt prima in eine Clutch!

Doch hier macht die Stadt mit ihrer Vorliebe für bunte MP3-Player noch lange nicht halt. Die Rekruten an der Police Academy wurden ebenfalls mit "Ipods" ausgestattet! Aufgeladen sind die Geräte nicht mit Justin Timberlake und Beyoncé, sondern mit Studien über Ethik, Gesetze über Kriminalität, Anweisungen über polizeiliche Maßnahmen - und sogar Steckbriefen der gesuchten Kriminellen. "So können unsere Polizeischüler während jeder freien Minute nutzvolle Dinge für ihren Job lernen", so Polizeichef Ray Kelly. Klar. Und ein paar Töne Bruce Springsteen sind sicher auch nicht das Schlechteste.

Vanda Bildt