Brooklyn Bridge
© Olafur Eliasson/Courtesy Public Art Fund Brooklyn Bridge

NY Minute New York Waterfalls

Mach Platz, Christo! Das nächste Kunstwerk der Superlative kommt - und die Niagarafälle braucht niemand mehr

Waren Sie schon mehrfach in New York und haben zum Beispiel die Brooklyn Bridge von allen Seiten fotografiert? Dann speichern Sie die Bilder in einen Ordner auf dem Computer und betiteln Sie den mit "BB gestern". Denn ab Mitte Juli kriegt die schönste Brücke New Yorks ein temporäres Upgrade der Superlative. Der dänische Künstler Olafur Eliasson wird einen Wasserfall installieren - 40 Meter hoch und 25 breit, pro Minute werden gigantische Mengen an Wasser gepumpt. Und das ist nur einer von vier spektakulären Kunst-Wasserfällen, die in Manhattan, Brooklyn und Governors Island aufgebaut werden.

15 Millionen Dollar aus privaten Spenden werden für das Mammut-Kunstprojekt ausgegeben, das bis Mitte Oktober zu sehen sein wird. Einer der Spender für den "Public Art Fund" ist sogar der amtierende Bürgermeister Michael Bloomberg selbst: "Man muss es gesehen haben, um es zu glauben", schwärmt er. Es sei ein echter Hingucker und so beeindruckend wie ein echter Wasserfall.

Natürlich macht Bloomberg das nicht nur wegen seiner bekannten Liebe zur Kunst. Die Stadt erhofft sich einen Touristenstrom und damit 55 Millionen Dollar mehr Einnahmen. Denn schon einmal kamen aus aller Welt Besucher für das bisher größte Kunstprojekt: Christo und Jean-Claudes "The Gates". Die safranfarbenen Tore des Verhüllungskünstlers Christo im Jahre 2005 lockten 1,5 Millionen Kunstneugierige hierher - und sie pumpten satte 254 Millionen Dollar in die lokale Wirtschaft.

Mach Platz, Christo! Denn mit ähnlichen Zahlen kann auch Eliasson auftrumpfen. Die Ausstellung "Weather Project", wo der Däne eine gigantische Sonne mit 200 gelben Lampen und Spiegeln aufgebaut hatte (die Werke des Künstlers sind stets von der Natur inspiriert), wollten 2003 zwei Millionen Besucher in der Londoner "Tate Gallery of Modern Art" sehen. Jetzt spekulieren alle, dass auch die Wasserfälle ein ähnliches Interesse in New York kreieren werden.

"Wasserfälle sind ein großartiges Naturphänome. Ich mag sie, weil jeder sie kennt und Erinnerungen damit verbindet. Indem ich vier Wasserfälle in das Stadtbild von New York einbaue, möchte ich zeigen, das man Natur auch als Konstruktion sehen kann", sagt Eliasson über seine neue Idee. Das "Museum of Modern Art" und "P.S. 1" zeigen außerdem die Ausstellung "Take Your Time: Loafur Eliasson" (20. April bis 30. Juni), um den Künstler schon vorab näher vorzustellen.

Bisher mussten New Yorker 500 Kilometer nach Upstate New York bis an die kanadische Grenze fahren, um einen Wasserfall - die Niagarafälle - zu bewundern. Doch jetzt können sie sich einfach in die U-Bahn setzen. Und ob Einwohner von New York oder Besucher - jeder wird genug Zeit haben, sich an dem Wassermassen satt zu sehen: Die "New York Waterfalls" werden um 7 Uhr morgens eingeschaltet und bis abends 10 Uhr an bleiben. Nach dem Dunkelwerden sollen sie sogar mit Lichtern angestrahlt werden. "Aber keine Angst, es wird nicht wie Las Vegas", scherzt Eliasson. Der Sommer 2008 gehört damit offiziell New York City. Sorry, Niagarafälle, vielleicht nächstes Jahr wieder!

Vanda Bildt