NY Minute
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NY Minute Große Gruselparade

In New York ist an Halloween alles erlaubt. Nur Eines ist verpönt - kostümlos zu sein. Dafür darf es dann gerne auch mal richtig schrill sein

Wenn die ersten Kürbisdekorationen in den Fenstern auftauchen, dann fängt so mancher an zu grübeln. Welches Kostüm könnte der Knaller sein bei der diesjährigen Halloween Parade? Will man ernst genommen werden, muss da schon etwas Kreatives her für die Parade am 31. Oktober. Wie Sie sicher wissen sind New Yorker gern etwas deftiger, auch gern mal zynisch. Während in Los Angeles die meisten Frauen gern hübsch aussehen wollen und zum Beispiel als Prinzessin, Engel oder Braut (wenn sie "extrem" sind, dann auch mal als Domina) gehen, wird das an der Ostküste nur müde belächelt. An Halloween soll man sich gruseln! Es soll fies sein! Hallo?!

Also sind hier eher die Kreaturen der Nacht gefragt. Je echter eine Frankensteinnarbe aussieht umso besser. New Yorker geben im Schnitt 100 Dollar für ihr Kostüm aus. Die Drogeriekette Ricky's macht in diesen Wochen ihren größten Umsatz mit Kostümen, Masken, Perücken etc. Vampire, Monster, Hexen, Freddie Krüger, aber auch extreme Kostüme à la Marge Simpson samt blauer Turmfrisur sind gefragt. Manche planen und arbeiten Wochen an einem Outfit. Und wenn es schön sein soll, dann bitte schön schlampig. Da ist das Outfit als Krankenschwester ganz sicher nicht krankenhaustauglich. Und natürlich hat auch New York seine Kostüm-Faulen. Die stülpen sich einfach eine Bush-Maske über den Kopf. Oder ein paar Teufelhörner! Denn eigentlich ist nur eines verpönt - kostümlos zu sein.

Aber die echte Bewunderung wird zuteil durch eine Spur Zeitgeist. Besonders populär sind ultra-gemeine Parodien von Stars (gern die aus LA). Dieses Jahr soll es schon ein paar Favoriten-Kostüme geben, eines krasser als das andere: Amy Winehouse samt toupierter Haarpracht, Tattoos und ner Flasche Whisky in der Hand. Gern auch die blutige Variante nach ihrem Sturz mit ein paar aufgemalten Schürfwunden. Oder Glatzen-Britney. In Shorts und grünem Regenschirm, mit dem sie auf Paparazzi einschlägt. Anna Nicole Smith eignet sich für Gruppen: Sie als bleiche Leiche mit großem Busen und Slimfast-Shake in der Hand, dazu zwei Männer, die an einer Babypuppe zerren, die Geldscheine in der Windel stecken hat. Hui! Nix für zarte Gemüter! Und diejenigen, die es nicht ganz so makaber mögen, kommen vermutlich als Jennifer Lopez in einem sexy grünem Kleid - mit großem Hintern UND großem Bauch.

Ein Freund sagte neulich "Halloween ist die Nacht, in der alle sich nicht verstecken müssen. Sie sind alle sie selbst. Come as you are." Und das gilt natürlich auch für die beliebten Vierbeiner. Am Sonntag gab es am Tompkins Park im East Village erstmal die "Dog-Halloween"-Parade. Hunde als Lokomotiven, Superhelden und chinesische Reisboxen verkleidet. Eine Hundebesitzerin bemerkt scherzhaft: "Sie verdienen sich in dieser Nacht die Leckereien fürs ganze Jahr- aber sie müssen durch diese Tortur." Yep. Und am Mittwoch sind die Zweibeiner dran. Ganz freiwillig.

Vanda Bildt