New York Minute
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NY Minute Flirten am Oliven-Öl-Stand

Probieren, soweit das Auge reicht und der Magen fasst: Die Supermarktkette "Whole Foods" lädt Woche für Woche zum großen Schmaus

Parties gehören zu New York wie ein Bagel mit Cream Cheese. Im Grunde hat jeder immer irgendeine Einladung. Die mag nicht direkt an einen persönlich gegangen sein. Eher an den Freund von einem Freund. Oder vielleicht sogar dessen Freund. Anders als in Deutschland ist es völlig normal, wenn man auf eine Party geht und den Gastgeber nicht mal kennt - oder je trifft. Auf meiner letzten Geburtstagsfeier kannte ich die Hälfte der Gäste nicht. Einzige Etikette um eine Party zu crashen: Getränke mitbringen!

Und dann gibt es auch noch die "Bloc Party". Eher Zuhause in Brooklyn oder Queens heißt das, da gibt es eine Party und der gesamte Block, also Strassenabschnitt, ist eingeladen. Da gibt es keine formale Aufforderung, sondern eine mündliche, wenn man Glück hat, einen Flyer. Und jeder kann kommen. Man hat also selbst Schuld, wenn man es nicht mitkriegt.

An diese Tradition hat nun die Supermarktkette "Whole Foods" angeknüpft. Sehr populär in Kalifornien (Julia Roberts, Renée Zellweger, Jennifer Garner sind dort regelmäßig) eröffnete vor ein paar Jahren zunächst ein Laden in Chelsea, dann poppten immer mehr in anderen Stadtteilen auf. Seit April 2007 gibt es den größten Laden an der Bleecker und Houston Street - und diese lädt jeden Mittwoch Abend zu ihrer "Bloc Party".

Der Supermarkt, dessen Besonderheit darin liegt biologische Waren anzubieten, die meist von lokalen Farmers stammen (Fleisch und Fisch sind ebenfalls biologisch), hat dafür einen Haus-DJ. Der legt dann geile Musik auf und der Einkauf zwischen 7 - 9 Uhr wird da zu einer Art Club-Erlebnis. Und man sollte auf jeden Fall hungrig kommen. Denn an diesem Abend gibt es Probierstände, die manchmal besser sind als so manches Catering auf einer Film-Premiere. Da duftet jede Ecke anders!

Das Sortiment: Die indischen Fertiggerichte von "Patel's", zum Beispiel Linsen mit Curry, werden da auf Mini-Tellern angeboten. Oder die neuen Cracker mit Fire Roasted Vegetables von "Kashi", die man in Bio-Guacamole dippen kann. Oder da wird vorgeführt, was man mit den vorgekochten japanischen Tofu-Nudeln mit den Namen "Shirataki" anfangen kann. Der Stand mit belgischen Pommes gibt Proben aus und selbst der Pizzastand ist großzügig ihren Stücken.

Und natürlich hetzt niemand zur Kasse. Ganz im Gegenteil. Da plaudert man an Oliven-Öl-Stand mit dem gutaussehenden Kerl darüber ob "Frankie's" oder "Paul Newman's Virgin Olive Oil" besser schmeckt. Hier wird geflirtet ohne Ende. Dieser Abend ist wie eine Single-Börse - aber ohne den Druck. Denn man kann ganz unverfänglich den Herren oder die Dame in den Beer Room zum Testen führen (wo momentan übrigens Oktoberfestwoche ist) und der Abend beginnt, sich interessant zu entwickeln. Oder sich einfach locker zur nächsten "Bloc Party" verabreden. Und niemand denkt sich was dabei.

Vanda Bildt