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NY Minute Ellbogen in die Rippen

Um an Roberto Cavallis H & M-Kollektion zu kommen, sind alle Tricks erlaubt - vom Schubsen bis zum Ellenbogeneinsatz

Als regelmäßige Leserin dieser Kolumne wissen Sie es schon. New Yorker stehen gerne an. Endlose Stunden lang. Für ein begehrtes Objekt. iPhone, "I'm Not A Plastic Bag"-Ökotasche, das neueste Harry-Potter-Buch lösten schon Straßenblockaden aus. Am vergangenen Donnerstag kam es zum nächsten Menschenauflauf. Fifth Avenue, Ecke 51. Die Straße glich einem Wrestlingmatch. Denn Designer Roberto Cavalli kam höchstpersönlich mit dem Model Jessica Stam, um seine exklusive Kollektion bei H & M vorzustellen. Allerdings stand er nur im Mittelpunkt der Fotografen, weniger in dem der Kundinnen. Die hatten ganz andere Sorgen.

Nämlich so viele Cavalli-Entwürfe wie möglich von den Ständern zu reißen. Dabei galt es, so geschickt wie möglich vorzugehen. Ellbogen in Rippen, trampeln auf Zehen, von Hinten schubsen - alles legitime Tricks, um die häufig im Leopardenmuster bedruckten Kleider zu erhaschen. Da wurde gefaucht, gekrallt und sicher auch gekratzt wie eine Wildkatze. Ans Anprobieren war nicht mal zu denken.

Frances, 24, hatte sich um 7 Uhr abends den Tag zuvor vor dem Geschäft angestellt. Sie lief mit ihrer Cousine Margeret als Erste hinein und griff sich so viele Kleider wie sie tragen konnte - unter dem Berg von Stoffen konnte man an der Kassenschlage nur noch ihre Füße sehen. Als ein Fernsehsender sie nach dem Einkauf fragte, ob es sich denn gelohnt hätte, antwortete sie: "Ich glaube, ich falle gleich in Ohnmacht. Und ich übertreibe nicht." Dann rief sie eine Freundin auf dem Handy an, um von ihrem Glück zu berichten - und brach dabei in Tränen aus.

Selbst Roberto Cavalli, der einiges in seinem Leben gewöhnt ist, war erstaunt über die Hysterie. "Mit soviel Erfolg hatte ich nicht gerechnet", staunte er. Seine Kollektion war in nur 30 Minuten in ganz New York restlos ausverkauft. In Mailand, Hong Kong und London soll es zwei Stunden gedauert haben. In der selben Zeit hatten die New Yorker ihre Einkäufe bereits auf eBay gepostet. Das Leoparden-Tunic-Kleid gab es dort für läppische 249.99 Dollar zu kaufen (der Buy-Now-Fix-Preis, falls man nicht tagelang ersteigern möchte). Das nennt man effizient!

Doch die Cavalli-Jäger waren nicht die Einzigen, die auf Leoparden setzten. Vor einer Woche brachte Apple ihr neuestes Betriebssystem mit dem Namen Leopard auf den Markt. Zwei Millionen verkaufte die Computerfirma bereits von den Programmen. 300 neue Features bietet die Software. Die "Spaces"-Funktion bietet zum Beispiel die Möglichkeit, 16 verschiedene Screens gleichzeitig offen zu halten. Wer das braucht? Jeder, der den Überblick über das nächste begehrte Objekt behalten will, für das sich das Anstellen lohnt.

Vanda Bildt