Nadeshda Brennicke
© Philipp Rathmer Nadeshda Brennicke

Nadeshda Brennicke "Hier war es gleich schön"

Schauspielerin Nadeshda Brennicke suchte lange nach dem passenden Ort für ein Leben auf dem Land. Unweit von Berlin wurde sie fündig - nun pendelt sie zwischen zwei Welten

Sattgelbe Rapsfelder, sanft geschwungene Hügel, mächtige Alleen

. Dazwischen Kühe, Pferde und ein paar heruntergekommene Häuser. Malerisch finden es die, die das Landleben lieben. "Einöde", denken Städter. Berlin ist rund eine Autostunde entfernt von Wriezen, dem kleinen Ort im Märkischen Oderland, den Nadeshda Brennicke, 37, sich als neue Heimat ausgesucht hat. Seit zweieinhalb Jahren lebt sie mit ihrem heute 13-jährigen Sohn Nikita auf einem Bauernhof, den sie liebevoll restauriert. Von morgens um sieben bis spätabends flickt das zarte Persönchen Zäune, schleift Türen und füttert Tiere. Ihre Mitbewohner: neun Pferde, sechs Katzen und vier Hunde. Nadeshda Brennicke züchtet Arabische Vollblüter, ihr Hengst El Mariachi wurde bei einer wichtigen Schau in Aachen bereits mit Gold prämiert.

Der Schauspielerei bleibt sie trotzdem treu. Gerade drehte sie mit Regisseur Christian Alvart das TV-Beziehungsdrama "8 Uhr 28" - auch ihr Sohn Nikita hat darin eine kleine Rolle. Ab August steht sie für einen Leipziger "Tatort" vor der Kamera, danach reist sie für eine NDR-Produktion nach Indonesien. Viel Stress. Neue Kraft tankt sie auf ihrem Hof. Gala besuchte Nadeshda Brennicke in Wriezen.

El Mariachi ist Nadeshda Brennickes bestes Pferd im Stall. Der vierjährige Araber wurde schon auf mehreren Schauen ausgezeichnet. Und jeder seiner Einsätze als Zuchthengst wird gut bezahlt ...
© Philipp RathmerEl Mariachi ist Nadeshda Brennickes bestes Pferd im Stall. Der vierjährige Araber wurde schon auf mehreren Schauen ausgezeichnet. Und jeder seiner Einsätze als Zuchthengst wird gut bezahlt ...

Leben Sie hier Ihren Traum?

Ein Traum ist ein Traum. Das Leben hier ist wirklich anstrengend. Es gibt Tage, an denen ich mich frage: Wie soll ich das nur schaffen? War die Entscheidung richtig, herzukommen? Aber dann gibt es diese wunderbaren Momente mit den Tieren und die positive Erschöpfung am Abend. Das weiß ich besonders zu schätzen, wenn ich mal wieder auf einem Event in der Stadt war. Eine Preisverleihung etwa gibt einem einfach nicht diese Erdung, diesen Frieden.

Dann pendeln Sie also zwischen zwei Welten?

Ja. Hier Arbeit, dort Kunst. Und zwischendrin wird mir klar: Oh ja, ich bin zufrieden! Es ist nicht immer leicht, aber ich kann mir im Augenblick kein anderes Leben vorstellen. Der Schauspieljob allein hat mich fast unglücklich gemacht. Ich brauche das Gefühl, etwas mit meinen Händen erschaffen zu können. Ich will etwas sehen am Abend. Wenn ich zum Beispiel einen Zaun gebaut habe, dann setze ich mich davor und gucke ihn mir an. Das ist ein richtig tolles Gefühl.

Wann ist der Wunsch nach einem Leben auf dem Land entstanden?

Nach ein paar richtig anstrengenden Rollen, "Sillykon Wally", "Hotte im Paradies". Aber ich war schon immer ein Kind der Natur. In Berlin hat es mir irre gefehlt, mal schnell rausfahren zu können, in die Berge oder zum Surfen. Ich brauchte mehr als diese mediale Befriedigung. Damit kann es ja morgen schon vorbei sein. Man entspricht gerade dem Trend, hat das richtige Projekt erwischt oder mit dem richtigen Regisseur gedreht, aber das kann sich im nächsten Monat alles ändern. Diese Schnelllebigkeit fällt Menschen wie mir, die wenige Freunde haben - dafür aber gute -, wahnsinnig schwer. Ich musste rausfinden, was mir guttut. Und dann bin ich auf die Pferde gekommen. Geritten bin ich ja früher schon.

Sind Sie jetzt glücklicher?

Ja. Aber wie gesagt: Ich will nicht ausschließlich dieses Leben auf dem Land. Der künstlerische Aspekt meiner schauspielerischen Arbeit ist mir schon sehr wichtig, mir gefällt es immer, wenn wir drehen. Was mir oft nicht gefällt, ist der Umgang miteinander in der Branche.

Was meinen Sie da genau?

Früher fand ich Preisverleihungen zum Beispiel ganz schlimm. Dieser Smalltalk - ich war darin gar nicht geübt! Jetzt beleastet mich das nicht mehr.

Empfinden Sie den Bauernhof als Ihr Zuhause?

Absolut. Je näher ich meinem Hof komme, desto entspannter bin ich.

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