Nadeshda Brennicke

"Hier war es gleich schön"

Schauspielerin Nadeshda Brennicke suchte lange nach dem passenden Ort für ein Leben auf dem Land. Unweit von Berlin wurde sie fündig - nun pendelt sie zwischen zwei Welten

Nadeshda Brennicke

Nadeshda Brennicke

Sattgelbe Rapsfelder, sanft geschwungene Hügel, mächtige Alleen

. Dazwischen Kühe, Pferde und ein paar heruntergekommene Häuser. Malerisch finden es die, die das Landleben lieben. "Einöde", denken Städter. Berlin ist rund eine Autostunde entfernt von Wriezen, dem kleinen Ort im Märkischen Oderland, den , 37, sich als neue Heimat ausgesucht hat. Seit zweieinhalb Jahren lebt sie mit ihrem heute 13-jährigen Sohn Nikita auf einem Bauernhof, den sie liebevoll restauriert. Von morgens um sieben bis spätabends flickt das zarte Persönchen Zäune, schleift Türen und füttert Tiere. Ihre Mitbewohner: neun Pferde, sechs Katzen und vier Hunde. Nadeshda Brennicke züchtet Arabische Vollblüter, ihr Hengst El Mariachi wurde bei einer wichtigen Schau in Aachen bereits mit Gold prämiert.

Der Schauspielerei bleibt sie trotzdem treu. Gerade drehte sie mit Regisseur das TV-Beziehungsdrama "8 Uhr 28" - auch ihr Sohn Nikita hat darin eine kleine Rolle. Ab August steht sie für einen Leipziger "Tatort" vor der Kamera, danach reist sie für eine NDR-Produktion nach Indonesien. Viel Stress. Neue Kraft tankt sie auf ihrem Hof. Gala besuchte Nadeshda Brennicke in Wriezen.

El Mariachi ist Nadeshda Brennickes bestes Pferd im Stall. Der vierjährige Araber wurde schon auf mehreren Schauen ausgezeichnet

El Mariachi ist Nadeshda Brennickes bestes Pferd im Stall. Der vierjährige Araber wurde schon auf mehreren Schauen ausgezeichnet. Und jeder seiner Einsätze als Zuchthengst wird gut bezahlt ...

Leben Sie hier Ihren Traum?

Ein Traum ist ein Traum. Das Leben hier ist wirklich anstrengend. Es gibt Tage, an denen ich mich frage: Wie soll ich das nur schaffen? War die Entscheidung richtig, herzukommen? Aber dann gibt es diese wunderbaren Momente mit den Tieren und die positive Erschöpfung am Abend. Das weiß ich besonders zu schätzen, wenn ich mal wieder auf einem Event in der Stadt war. Eine Preisverleihung etwa gibt einem einfach nicht diese Erdung, diesen Frieden.

Dann pendeln Sie also zwischen zwei Welten?

Ja. Hier Arbeit, dort Kunst. Und zwischendrin wird mir klar: Oh ja, ich bin zufrieden! Es ist nicht immer leicht, aber ich kann mir im Augenblick kein anderes Leben vorstellen. Der Schauspieljob allein hat mich fast unglücklich gemacht. Ich brauche das Gefühl, etwas mit meinen Händen erschaffen zu können. Ich will etwas sehen am Abend. Wenn ich zum Beispiel einen Zaun gebaut habe, dann setze ich mich davor und gucke ihn mir an. Das ist ein richtig tolles Gefühl.

Wann ist der Wunsch nach einem Leben auf dem Land entstanden?

Nach ein paar richtig anstrengenden Rollen, "Sillykon Wally", "Hotte im Paradies". Aber ich war schon immer ein Kind der Natur. In Berlin hat es mir irre gefehlt, mal schnell rausfahren zu können, in die Berge oder zum Surfen. Ich brauchte mehr als diese mediale Befriedigung. Damit kann es ja morgen schon vorbei sein. Man entspricht gerade dem Trend, hat das richtige Projekt erwischt oder mit dem richtigen Regisseur gedreht, aber das kann sich im nächsten Monat alles ändern. Diese Schnelllebigkeit fällt Menschen wie mir, die wenige Freunde haben - dafür aber gute -, wahnsinnig schwer. Ich musste rausfinden, was mir guttut. Und dann bin ich auf die Pferde gekommen. Geritten bin ich ja früher schon.

Sind Sie jetzt glücklicher?

Ja. Aber wie gesagt: Ich will nicht ausschließlich dieses Leben auf dem Land. Der künstlerische Aspekt meiner schauspielerischen Arbeit ist mir schon sehr wichtig, mir gefällt es immer, wenn wir drehen. Was mir oft nicht gefällt, ist der Umgang miteinander in der Branche.

Was meinen Sie da genau?

Früher fand ich Preisverleihungen zum Beispiel ganz schlimm. Dieser Smalltalk - ich war darin gar nicht geübt! Jetzt beleastet mich das nicht mehr.

Empfinden Sie den Bauernhof als Ihr Zuhause?

Absolut. Je näher ich meinem Hof komme, desto entspannter bin ich.

Sie pflanzt, baut, kümmert sich um die Tiere: Nadeshda Brennicke, hier mit Dogge Ganscha im selbst gezimmerten Laubengang, der d

Sie pflanzt, baut, kümmert sich um die Tiere: Nadeshda Brennicke, hier mit Dogge Ganscha im selbst gezimmerten Laubengang, der direkt zum Kräutergarten führt.

Nun hätte Ihr Hof ja auch ein paar Nummern kleiner sein können ...

Ich brauche viel körperliche Arbeit, um ausgelastet zu sein. Und ich brauche diese verschiedenen Charaktere der Tiere. Wie mit Menschen muss man auch mit ihnen kommunizieren und agieren - man kann sich sogar streiten. Das ist eine Art Großfamilie, mit der ich hier lebe. Nur dass die Tiere abends in den Stall gehen und ich ins Bett.

Warum haben Sie sich gerade für diesen Hof entschieden?

Es ist die Schnittmenge aus den Dingen, die wichtig waren: Der finanzielle Rahmen stimmte, der Zustand des Hauses, und es gibt in der Nähe eine Schule für meinen Sohn. Das war ein Glücksfall.

Was haben Sie beim ersten Anblick gefühlt?

Ich hatte mir vorher so viele Objekte angeguckt - alles war furchtbar. Hier war es gleich schön. Als ich auf den Hof zufuhr, wusste ich: Das ist er! Ich habe die ganze Zeit den Haken an der Sache gesucht, aber es gibt keinen.

Wie haben Ihre Freunde reagiert?

Die habe ich gar nicht um ihre Meinung gebeten. In meinem Bekanntenkreis diskutieren viele ja sogar aus, ob sie sich 'ne Katze kaufen - während ich mir überlegen muss, was es kostet, wenn der Tierarzt kommt und alle Pferde einmal durchimpft. Jetzt erzielen wir erste Erfolge mit den Pferden. Das ist so schön, sensationell, richtig, richtig toll. Aber dahinter steckt hartes Training.

Reden Sie mit Schauspielkollegen über Ihr Leben auf dem Land?

Ich fange nicht von selbst damit an. Und wenn mich jemand fragt, merke ich ziemlich schnell, ob er das aus Höflichkeit oder aus echtem Interesse macht.

Können Sie sich vorstellen, zurück in die Stadt zu ziehen?

Vielleicht wenn ich älter bin. Vielleicht sehne ich mich dann nach mehr Kultur und Menschen. Aber im Augenblick kann ich mir das nicht vorstellen. Ich zehre zwar von den Ausflügen in die Stadt, wenn ich schön essen war, Freunde getroffen habe. Aber ich kann auch wahnsinnig gut mit mir alleine sein und mir Gedanken machen über das, was am Tag passiert ist, was ich Schönes erlebt habe mit den Tieren.

Wie wichtig ist Ihnen heute die Resonanz von draußen?

Was ich mache, muss nicht der ganzen Welt gefallen. Natürlich freue ich mich über eine gute Kritik, einen positiven Zeitungsartikel. Aber das gucke ich mir an, und dann ist es weg. Wenn allerdings mein kleiner Hund die Nase vom Fohlen ableckt, das gerade geboren wurde, dann bleibt mir das für immer im Gedächtnis.

Wünschen Sie sich manchmal einen Mann an Ihrer Seite?

Ja, natürlich. Aber so wie ich lebe, kann ich nicht böse sein, wenn der Mann sagt: "Das mach ich nicht mit." Außerdem nehme ich ja auch nicht jeden. Nach einer gescheiterten Beziehung dauert es bei mir Jahre, bis ich mich wieder öffnen und begeistern kann. Zurzeit bin ich gar nicht reif für einen neuen Mann - meine letzte Beziehung liegt zwei Jahre zurück.

Wie muss Mr. Right denn sein?

Ich brauche einen Mann, der genauso ausgeflippt ist wie ich. Er muss einen Job haben, der es ihm erlaubt, hier mit anzupacken. Oder es ist vielleicht ein Schriftsteller, der hier sitzt und schreibt. Generell kann ich sagen: Wenn man ein Kind allein großgezogen hat, erkennt man, dass man vieles ohne Mann kann.

Zum Beispiel einen großen Hof führen.

Genau. Ich wollte einfach nicht darauf warten, dass mir irgendwann vielleicht mal irgendjemand meinen Traum erfüllt.

Tatjana Detloff

Nadeshda Brennicke liebt die vielen verschiedenen Charaktere ihrer Hunde, Pferde und Katzen. Sie spricht mit den Tieren fast so

Nadeshda Brennicke liebt die vielen verschiedenen Charaktere ihrer Hunde, Pferde und Katzen. Sie spricht mit den Tieren fast so wie mit Menschen - und kann sich sogar mit ihnen streiten.

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