Martin Kaymer

Mit einem Schlag berühmt

Deutschlands neuer Sportstar heißt Martin Kaymer. Der Golfprofi aus Mettmann fegt Tiger Woods & Co. vom Platz. Gala traf ihn zum Interview

Martin Kaymer

Martin Kaymer

Dass er müde ist, lässt er sich nicht anmerken

. 20 Stunden war Golfprofi Martin Kaymer am Tag zuvor auf den Beinen. Mal wieder. Denn seit er im August spektakulär die PGA-Championship in Amerika gewann und die Golf-Weltelite inklusive Tiger Woods schlug, jagt ein Termin den anderen. Beim Interview in Köln wird klar: Der 25-Jährige aus Mettmann könnte auch gut Model sein. 1,84 Meter groß, durchtrainierter Körper, braun gebrannt. Und ein zielstrebiger Blick. Anfang Oktober will er beim Ryder-Cup, einer Art Golf-Weltmeisterschaft, mit dem Team Europa den Titel holen.

Pokal-Held: Martin Kaymer mit der Trophäe der PGA-Championship im August. Es war der erste Major-Turnier-Sieg eines Deutschen se

Pokal-Held: Martin Kaymer mit der Trophäe der PGA-Championship im August. Es war der erste Major-Turnier-Sieg eines Deutschen seit Bernhard Langers Masters-Triumph 1993.

Sie haben die PGA-Championship in den USA gewonnen, eines der bedeutendsten Golfturniere der Welt. Haben Sie schon begriffen, was Ihnen da gelungen ist?

Das dauerte tatsächlich zwei Wochen, aber jetzt ist es bei mir angekommen. Ich bin ziemlich stolz, allerdings auch überrascht, so schnell einen solch großen Titel gewonnen zu haben.

Hat Ihnen Tiger Woods gratuliert?

Tiger schied relativ früh aus und reiste gleich ab. Wäre er noch da gewesen, hätte er sicher gratuliert. Wir gehen alle sehr respektvoll miteinander um.

Woods ist einer der größten Sportstars überhaupt. Wie ist es, neben ihm ein Turnier zu bestreiten?

Anfangs war das etwas Besonderes, ich habe fast ehrfürchtig zu ihm aufgeschaut. Inzwischen kennen wir uns ein bisschen, reden auch mal miteinander, sind wie Kollegen.

Rivale auf dem Grün: Martin Kaymer besiegte kürzlich Tiger Woods. Kaymer sagt über ihn: "Wir respektieren einander".

Rivale auf dem Grün: Martin Kaymer besiegte kürzlich Tiger Woods. Kaymer sagt über ihn: "Wir respektieren einander".

Boris Becker startete seine Karriere ähnlich furios wie Sie. Er kann bis heute kaum einen Schritt gehen, ohne beobachtet zu werden. Schreckt Sie das ab?

Popularität gehört dazu. Das war mir schon klar, bevor ich Profi wurde. Es wäre schön, so erfolgreich zu werden wie Boris Becker im Tennis. Das andere kann man irgendwie steuern - wie oft man präsent sein möchte oder wie viel vom Privatleben man preisgibt.

Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal auf einem Golfplatz standen?

Ich war neun. Mein Vater nahm meinen Bruder Philip und mich mit auf eine öffentliche Driving Range, zu Hause in Mettmann. Wir standen auf einer Kunstrasenmatte, und es ging uns nur darum, den Ball so weit wie möglich zu schlagen.

Viele halten Golf für den Sport älterer Männer: Karierte Hosen, ulkige Schuhe und den halben Tag über eine Wiese latschen. Waren Sie gleich begeistert?

Als Kind interessieren einen die Leute um einen herum nicht. Für mich war es einfach schön, mit der Familie etwas zu unternehmen. Außerdem spielten da viele junge Leute. Noch ein Klischee: Auf Golfplätzen tummeln sich nur Kinder wohlhabender Eltern. In unserem Club war das nicht so. Wir kamen alle aus ganz normalen, bodenständigen Familien.

Sie spielten auch Fußball – damit Ihre Mitschüler Sie nicht zu sehr hänselten?

Stimmt schon, Golf fanden die meisten eher spießig. Aber mit Fußball hatte ich bereits als Dreijähriger angefangen. Eigentlich wollte ich Fußballprofi werden. Doch als mit vierzehn, fünfzehn beides zu viel wurde, entschied ich mich fürs Golfen.

Konzentration: Martin Kaymer, 25, ist ehrgeizig und trainiert hart. In nur fünf Jahren kämpfte er sich an die Weltspitze des Gol

Konzentration: Martin Kaymer, 25, ist ehrgeizig und trainiert hart. In nur fünf Jahren kämpfte er sich an die Weltspitze des Golfsports vor.

Hätten Sie es als Fußballer, Sie waren Stürmer, nicht auch weit bringen können?

Ich fand, dass ich mich beim Golf talentierter anstellte, und dachte, da könnte ich mehr erreichen. Außerdem ist man als Golfer sein eigener Boss und für alles, was man auf dem Grün fabriziert, selbst verantwortlich. Ich bin wohl mehr der Einzelplayer.

Die Schule war Ihnen wohl nicht so wichtig?

Doch. Zuletzt ging ich auf ein Sportgymnasium, wollte unbedingt das Abi machen. Habe ich auch geschafft.

Waren Ihre Eltern streng? Also: entweder gute Noten oder Schluss mit Sport?

Sie achteten darauf, dass ich meine Sachen erledigte, aber so extrem waren sie nie. Ich hatte eine schöne Kindheit.

Was war Ihren Eltern besonders wichtig?

Wenn man sich ein Ziel setzt, sagten sie, muss man alles dransetzen, es zu erreichen, darf sich von nichts ablenken lassen. Und dass man vor anderen Menschen Respekt haben muss, egal welchen Beruf sie ausüben oder wie erfolgreich sie sind. Alles Dinge, die mir beim Golf enorm helfen.

Bescheidenheit dürfte auch dazugehört haben. Sie sind gerade mal fünf Jahre Profi und schon Nummer fünf der Weltrangliste, hauen aber kein bisschen auf den Putz.

Ich erledige meinen Job, so gut ich kann. Das versuchen andere auch. Warum also soll ich mich aufplustern?

Sie sagten einmal, Ihre Stärken seien Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß. Klingt, als wären Sie perfekt ...

Das sind eben wichtige Dinge für mich, als Sportler und auch sonst. Aber keine Sorge, ich habe auch meinen Spaß!

Wobei denn?

Beim Golf sowieso, aber auch beim Gokart-Fahren. Ich kenne eine gute Bahn mit Flatrate. Allerdings war ich seit einem Jahr nicht mehr dort. Beim letzten Mal ist mir einer hinten rein gekracht, drei Zehen waren gebrochen, ich musste operiert werden. In Zukunft werde ich etwas vorsichtiger sein.

Sie entschieden direkt nach dem Abitur: Ich werde Golfprofi! Ganz schön mutig.

Ich habe mich so gefühlt, dass ich es schaffen könnte. Allerdings setzte ich mir auch eine Frist. Innerhalb von zwei, drei Jahren wollte ich es in die European Tour schaffen und sehen, ob Golf meine Zukunft sein kann.

Und falls das nicht geklappt hätte?

Dann hätte ich studiert, Physiotherapie oder irgendwas mit Bezug zu Sport.

Als Profi müssen Sie zwangsweise erfolgreich sein, um Geld zu verdienen. Können Sie diesen Gedanken auf dem Rasen ausblenden?

Anfangs war das manchmal schwierig, weil ich natürlich wusste, wie viel Geld mir entgeht, wenn ich einen entscheidenden Schlag verpatze. In der einen oder anderen Situation spielte ich da noch mit angezogener Handbremse, riskierte weniger. Trotzdem bin ich überzeugt: Wer Golf nur aus finanziellen Gründen spielt, ist nicht mit vollem Herzen dabei, wird nie ein wirklich Großer.

Kennen Sie das Sprichwort: Geld verdirbt den Charakter?

Klar, warum?

Sie sind 25 und schon Millionär, also stark gefährdet.

Meinen Sie? Ich habe ein paar Turniere gewonnen und jetzt auch ein großes - und bin ich ausgeflippt? Dafür bin ich gar nicht der Typ. Fragen sie meine Freunde oder die Familie, die passen auf, dass ich nicht abhebe.

Die US-Amerikanerin Alison Micheletti ist seit einem Jahr Kaymers Freundin. Überraschung: Er lernte die Sportmarketing-Assistent

Die US-Amerikanerin Alison Micheletti ist seit einem Jahr Kaymers Freundin. Überraschung: Er lernte die Sportmarketing-Assistentin beim Golfen kennen.

Wenn Reichtum Sie nicht verdirbt, dann vielleicht Ihr Alltag? Sie jetten pausenlos um die Welt, wohnen in Hotels, spielen Turniere oder trainieren. Normal ist das nicht.

Für mich schon. Man kann das auch positiv sehen: Ich lerne ständig etwas Neues kennen, andere Länder, verschiedene Kulturen, treffen viele Menschen. Das bereichert mich.

Anders gefragt: Wissen Sie, was ein Stück Butter kostet? Oder könnten Sie bei der Post in Mettmann einen Nachsendeantrag ausfüllen?

Vielleicht nicht perfekt, aber das ginge schon. Mit der Butter ist es allerdings schwierig: Ich esse mein Brot immer ohne.

Macht die ständige Reiserei nicht furchtbar einsam? Wie kann man da Freundschaften pflegen?

Dafür gibt es doch Telefon oder Skype. Der Kontakt zu meinen Kumpels ist wichtig, gerade, weil die meisten nichts mit Golf zu tun haben. Immer nur Golf, das geht nicht! Einen meiner besten Freunde kenne ich, seit ich drei war. Wir gingen zusammen in den Kindergarten.

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Welchem sportlichen Star wohl diese knackige Rückseite gehört?

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Manche Sportler scheinen sich dennoch einsam zu fühlen, sonst wären sie nicht für gewisse Verlockungen empfänglich - wie Tiger Woods.

Es wurde so viel über Tigers Affären berichtet, ständig gab es irgendwelche Gerüchte. Ich kenne ihn einfach zu wenig, um das beurteilen zu können.

Bei Ihnen drehen sich die Groupies bestimmt auch nicht weg.

Bei manchen merkt man schnell, worauf sie es abgesehen haben. Aber glauben Sie mir, ich weiß, wie ich mich zu verhalten habe.

Das sagen Sie jetzt, weil Sie eine feste Freundin haben?

Nein, weil es so ist.

Wie haben Sie Alison eigentlich kennengelernt?

Auf dem Golfplatz, vor gut einem Jahr. Sie spielt auch.

Seitdem weicht sie nicht von Ihrer Seite?

Wir führen eine ganz normale Fernbeziehung, versuchen, uns möglichst oft zu sehen, was bei meinem Terminplan allerdings schwierig ist. Aber das versteht sie.

Man sagt, zum Erfolg gesellen sich schnell viele Freunde.

Das Schwierigste ist sicher, zu unterscheiden, wer es ehrlich meint und wer es nur aufs Geld abgesehen hat. Ich bin sehr vorsichtig geworden. Allerdings kann man nicht ständig eine Wand aufbauen und niemanden an sich heranlassen. Das macht auch nicht glücklich.

Fred Sellin

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