Country Life

Natur ist der neue Luxus

Raus ins Grüne! Immer mehr Stars tauschen High Heels gegen Gummistiefel, shoppen lieber Rosensträucher als Kleider. Gala erklärt die prominiente Lust am Landleben

Das Objekt der Begierde ist rot, wunderschön, und es wandert sofort in den Einkaufskorb. Der ist schon ziemlich voll. Wieder mal zu viel geshoppt? Vermutlich. Dabei geht es gar nicht um Outfits von Versace, Gucci & Co. - immer mehr Stars greifen jetzt im Gartenmarkt zu. Wie im Rausch wandeln sie durch die Gänge, suchen rote, weiße und gelbe Rosen, Clematis und Hortensien, atmen den Duft von Thymian und Salbei ein, prüfen Hängematten und Gartenbänke.

Von bis , von bis : VIPs haben die Lust am Gärtnern entdeckt, die Lust aufs Land. Man kehrt den Metropolen den Rücken, tauscht gegen Gummistiefel. Als Vorzeige-Landei gilt , 45. Nur ein, zwei Tage in der Woche verbringt sie in ihrem Londoner Stadthaus, die meiste Zeit über lebt sie auf ihrer Drei-Millionen-Euro-Farm in der Grafschaft Gloucestershire. Ihre Mitbewohner auf 150 Hektar: Ehemann , Sohn Damian, vier Hunde, zwei Katzen, drei Gänse, acht Hühner, 49 Kühe, 63 Schafe und 82 Schweine.

"Damian kann hier unbeschwert aufwachsen", schwärmt Liz Hurley. "Er tobt den ganzen Tag draußen rum". Mom tüftelt derweil neue Geschäftsmodelle aus. Das auf ihrem Hof produzierte Schweinefleisch verkauft sie sogar an In-Restaurants wie das Londoner "Le Caprice".Sie entwickelte kalorienarme Hartwurst-Snacks, bietet ihre Produkte gelegentlich selbst auf Biomärkten an. Mit Stiefeln und einem praktischen Pferdeschwanz ist die schöne Schauspielerin und Bikini-Designerin jederzeit bereit anzupacken. " macht sexy!", findet sie außerdem. "Nirgendwo sonst hat man so viel Sex wie auf einem Fell vor dem Kamin im Cottage".

Die Kuschel-Atmosphäre auf dem Land schätzt auch Sheryl Crow, 48. Mit ihren Adoptivsöhnen, dem dreijährigen Wyatt und dem fünf Wochen alten Levi James, lebt sie auf einer 60 Hektar großen Ranch in Tennessee. Vor zwei Jahren zog die Sängerin dorthin - nach 20 Jahren in Los Angeles, einer stressigen Karriere und einer Brustkrebsdiagnose. "Dieser Ort ist voller Frieden", sagt sie. Gleich morgens schwingt sie sich auf ihren John-Deere-Traktor und dreht eine Runde über den Hof, mit Wyatt auf dem Schoß.

Was lange belächelt und höchstens der Generation 50plus zugestanden wurde, ist heute hip: Gemüse anbauen, Blumen pflanzen, Tiere züchten. "Natur ist der neue Luxus", erläutert der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann. Stylishe Britinnen wie Kate Moss und Stella McCartney kaufen sich für mehrere Millionen Euro schmucke Landhäuser in Dorset oder den Cotswolds.

Und US-Popstar Pink, gerade mal 30 und alles andere als spießig, schwärmt in Interviews von den vier Beeten, in denen sie Spinat, Tomaten, Melonen und Majoran zieht. Viele der neuen Farming-Fans flüchten bewusst aus den durchgeplanten Glamourwelten von Fashion und Showbusiness, in denen der Schein mehr gilt als das Sein. In der Natur können sie sich selbst wieder spüren, sich im wahrsten Sinne des Wortes erden. Ungeschminkt wühlen sie im Mulch, machen sich schmutzig und haben ausnahmsweise mal nicht über alles die Kontrolle. Ob es regnet oder die Sonne scheint, ob der Boden gut genährt wird oder austrocknet - Petrus lässt sich mit keinem Geld der Welt bestechen.

"Wir entdecken den Rhythmus des Lebens neu", erklärt Gabriella Pape, Leiterin der Königlichen Gartenakademie Berlin, den immensen Reiz am Gärtnern. Ein Satz, den jeder versteht, der schon mal Samenkörner gesät und dann über Wochen beobachtet hat, wie daraus Salatköpfe oder Sonnenblumen entstehen. Beim morgendlichen Rundgang durch den Garten registriert man lächelnd, dass eine Rosenknospe sich seit dem Vortag einen Millimeter weiter geöffnet hat, dass der Bärlauch nun blüht und das Zitronengras doch nicht eingegangen ist. Im verkopften, hochtechnologisierten Alltag empfinden es die Menschen als Wohltat, im Garten nur die Sinne walten zu lassen. Morgentau unter den Füßen, einen alten Baum umarmen: Was einst als esoterischer Humbug galt, wird heute ernst genommen und auf Partys in den Metropolen besprochen.

Gemeinsam mit Schülern bepflanzt Michelle Obama den Küchengarten des Weißen Hauses. Sie versichert: Kräuter und Salat stehen bei

Gemeinsam mit Schülern bepflanzt Michelle Obama den Küchengarten des Weißen Hauses. Sie versichert: Kräuter und Salat stehen bei ihr täglich auf dem Speiseplan.

Sind Liguster, Eibe oder Hainbuche für eine Hecke geeignet? Kann die Sylter Rose auch in Hamburg überleben? Dürfen Rhododendren beschnitten werden? Gutsherren wie Enno Baron von Ruffin organisieren Gartenfestivals, Landschaftsarchitektinnen wie Gabriella Pape werden selbst zu Prominenten und sind über Jahre ausgebucht. Derweil führen Kleingartenvereine Wartelisten mit bis zu 1000 Positionen, und Hersteller von gartenaffinen Produkten erleben ein Wirtschaftswunder. Der Markt für Outdoor-Möbel etwa boomt. Die deutsche Firma Dedon, seit 20 Jahren im Geschäft, kann die Nachfrage kaum noch befriedigen. Barbara Becker und Königin Ranja von Jordanien relaxen auf den Sesseln und Liegen aus Lüneburg, Brad Pitt und Angelina Jolie besitzen allein acht der Sofas im Loungestil.

"Man trennt oft nicht mehr drinnen und draußen, sondern hat eine große Wohnlandschaft", erläutert Firmensprecherin Julia Roeckner die Motivation ihrer Kunden. Im sonnenverwöhnten Kalifornien wollen immer mehr Menschen draußen arbeiten – aber bitte perfekt ausgestattet! "Wir haben in diesem Jahr deutlich mehr zu tun als in den Vorjahren", jubelt Hector Gonzales, Manager des Gartencenters "Orchard Supply Hardware" in .

Auffällig sei, dass jetzt viele seiner prominenten Kunden "bei der Gartenarbeit selbst Hand anlegen wollen. Früher haben sie das ihren Gärtnern überlassen". Bei Schaufeln, Heckenscheren und Rasenmähern sei der Umsatz enorm angestiegen, so Gonzales.

Und auch die Fashionszene setzt den Trend um. Die Blütenmeere auf den Sommerkleidern von Moschino und Valentino sind so üppig, dass man glaubt, den Duft zu riechen. Viele Parfums erinnern jetzt an den Zauber romantischer Rosengärten. Und selbst Karl Lagerfeld, stets penibelst durchgestylt, setzt auf den Charme des Bäuerlichen: Seine Modelswandelten bei den Schauen in Paris zwischen Strohballen.

Tatjana Detloff

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