Christian und Huberta Ulmen
© Alfred Steffen Christian und Huberta Ulmen

Christian Ulmen Amore geht durch den Magen

Ein Buch, ein Film, vier Leben: Gala lud Christian Ulmen und Co. zu Pasta und Pizza - und erfuhr auf diese Weise viel über deutsch-italienische Familien

Seine Traumfrau

kann man sich aussuchen, ihre Familie bekommt man ungefragt dazu. Als Jan Weiler, 41, sich in Sandra Limoncini, 39, verliebte - Vater Italiener, Mutter Deutsche -, lernte er bald den ganzen Clan in Süditalien kennen. Eine fröhliche und fordernde Verwandtschaft. Aus den Urlauben in Campobasso und dem nicht immer einfachen Verhältnis zum stolzen Schwiegervater Antonio machte Weiler den Roman "Maria, ihm schmeckt’s nicht". In der Verfilmung (Kinostart am 6. August) spielt Christian Ulmen, 33, die Hauptrolle. Auch er ist mit einer Halbitalienerin verheiratet; die 30-jährige Huberta hat eine italienische Mutter.

Stellt sich beim Essen in der Berliner "Trattoria a’Muntagnola" die Frage:
Was ist das Italienischste an Ihnen, Herr Ulmen?
Christian Ulmen: Ich kann sehr laut fluchen. Ich habe ja erst seit vier Jahren den Führerschein, und nun fluche ich permanent, wenn vor mir einer zu langsam fährt oder auf der linken Spur. Da entwickle ich mich zu so einem Auto-Proll. Oder wenn ich technische Geräte installiere, den DVD-Player zum Beispiel. Ich liebe diese Gerätschaften, aber wenn etwas nicht funktioniert, werde ich sehr wütend.
Sandra Limoncini: Jan schließt auch wahnsinnig gern solche Geräte an, und wenn ich ihm da mal vorgreife, wird er richtig sauer und flucht. Da denke ich dann: Das ist also dein Mann mit den ansonsten perfekten Manieren ...

Und wo ist er typisch deutsch?
Sandra: Ich mag es ja, wenn das Haus voll ist – Jan kriegt dann einen Vogel.
Huberta Ulmen: Christian liebt seine Ruhe auch. Am besten sollen nur Frau und Kind zu Hause sein, nach dem Motto: Menschen kann man doch auch draußen treffen.
Christian: Eine Zeit lang hat Huberta mich per SMS immer gefragt, wann ich nach Hausekomme. Fand ich irgendwie seltsam. Einmal kam ich dann früher heim als angekündigt und da sah ich dann, warum sie immer gefragt hatte: weil bei uns tausend Leute rumlungerten. Da fühlte ich mich uncool, so als würden die denken: "Achtung, schnell weg, er kommt!"
Huberta: Freunde von uns haben sogar einen Haustürschlüssel, die kommen einfach so rein.
Christian: Wie? Die haben einen Haustürschlüssel? Wer?

Hier sitzen zwei Elternpaare. Gibt es durch die verschiedenen kulturellen Hintergründe Unterschiede in der Kindererziehung?
Huberta: Christian ist sehr von Ängstlichkeit und Beschützerwahn getrieben. Das kann man positiv ausdrücken.
Sandra: Jan ist auch eine Glucke - um es mal nett zu formulieren. Wenn ich mit unserer zehnjährigen Tochter losziehe, ruft er uns nach: "Pass auf an der Straße!"
Huberta: Solche Sätze kenne ich auch.
Jan Weiler: Plötzlicher Kindstod ist auch so eine Horrorvision von mir. Ich habe gedacht, ich müsste die nächsten 25 Jahre am Bett meiner Kinder sitzen, damit sie morgens nicht tot sind.
Christian: Ich habe unseren Jungen in den ersten Nächten immer auf meinen Bauch gelegt und geguckt, ob er noch atmet.

Ihr Film zeigt, wie ein Mann die italienische Familie seiner Braut kennenlernt. Mal andersrum gefragt: Wie war der Antrittsbesuch der Damen Ulmen und Limoncini bei den deutschen Eltern?
Sandra: Ehrlich gesagt nur mitteloptimal. Jans Mutter hing damals noch an seiner vorherigen Freundin. In ihrer Vorstellung war ich wohl so eine Art linksradikale Irre. Inzwischen verstehen wir uns aber wirklich sehr gut.
Christian: Meine Eltern haben wahrscheinlich gedacht: "Was ist das denn für eine rechtskonservative Eule, die er da mitbringt?"
Huberta: Ich fand Christians Familie recht italienisch - alle waren versammelt, Cousine mit Kindern, Mann, Schwester mit Freundin, Eltern. Ich kam etwas zu spät, ihr wart schon beim Spaghetti-Essen. Euer Geschnatter habe ich bis auf die Straße gehört. Ich fand das toll! Ich stamme aus einem italienischen Haushalt, der eher ruhig ist. Und dann gerate ich an diese total wilde deutsche Familie! Christian ist mit Abstand der Ruhigste.

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