Christian Ulmen

Amore geht durch den Magen

Ein Buch, ein Film, vier Leben: Gala lud Christian Ulmen und Co. zu Pasta und Pizza - und erfuhr auf diese Weise viel über deutsch-italienische Familien

Christian und Huberta Ulmen

Christian und Huberta Ulmen

Seine Traumfrau

kann man sich aussuchen, ihre Familie bekommt man ungefragt dazu. Als , 41, sich in Sandra Limoncini, 39, verliebte - Vater Italiener, Mutter Deutsche -, lernte er bald den ganzen Clan in Süditalien kennen. Eine fröhliche und fordernde Verwandtschaft. Aus den Urlauben in Campobasso und dem nicht immer einfachen Verhältnis zum stolzen Schwiegervater Antonio machte Weiler den Roman "Maria, ihm schmeckt’s nicht". In der Verfilmung (Kinostart am 6. August) spielt , 33, die Hauptrolle. Auch er ist mit einer Halbitalienerin verheiratet; die 30-jährige Huberta hat eine italienische Mutter.

Stellt sich beim Essen in der Berliner "Trattoria a’Muntagnola" die Frage:
Was ist das Italienischste an Ihnen, Herr Ulmen?
Christian Ulmen: Ich kann sehr laut fluchen. Ich habe ja erst seit vier Jahren den Führerschein, und nun fluche ich permanent, wenn vor mir einer zu langsam fährt oder auf der linken Spur. Da entwickle ich mich zu so einem Auto-Proll. Oder wenn ich technische Geräte installiere, den DVD-Player zum Beispiel. Ich liebe diese Gerätschaften, aber wenn etwas nicht funktioniert, werde ich sehr wütend.
Sandra Limoncini: Jan schließt auch wahnsinnig gern solche Geräte an, und wenn ich ihm da mal vorgreife, wird er richtig sauer und flucht. Da denke ich dann: Das ist also dein Mann mit den ansonsten perfekten Manieren ...

Und wo ist er typisch deutsch?
Sandra: Ich mag es ja, wenn das Haus voll ist – Jan kriegt dann einen Vogel.
Huberta Ulmen: Christian liebt seine Ruhe auch. Am besten sollen nur Frau und Kind zu Hause sein, nach dem Motto: Menschen kann man doch auch draußen treffen.
Christian: Eine Zeit lang hat Huberta mich per SMS immer gefragt, wann ich nach Hausekomme. Fand ich irgendwie seltsam. Einmal kam ich dann früher heim als angekündigt und da sah ich dann, warum sie immer gefragt hatte: weil bei uns tausend Leute rumlungerten. Da fühlte ich mich uncool, so als würden die denken: "Achtung, schnell weg, er kommt!"
Huberta: Freunde von uns haben sogar einen Haustürschlüssel, die kommen einfach so rein.
Christian: Wie? Die haben einen Haustürschlüssel? Wer?

Hier sitzen zwei Elternpaare. Gibt es durch die verschiedenen kulturellen Hintergründe Unterschiede in der Kindererziehung?
Huberta: Christian ist sehr von Ängstlichkeit und Beschützerwahn getrieben. Das kann man positiv ausdrücken.
Sandra: Jan ist auch eine Glucke - um es mal nett zu formulieren. Wenn ich mit unserer zehnjährigen Tochter losziehe, ruft er uns nach: "Pass auf an der Straße!"
Huberta: Solche Sätze kenne ich auch.
Jan Weiler: Plötzlicher Kindstod ist auch so eine Horrorvision von mir. Ich habe gedacht, ich müsste die nächsten 25 Jahre am Bett meiner Kinder sitzen, damit sie morgens nicht tot sind.
Christian: Ich habe unseren Jungen in den ersten Nächten immer auf meinen Bauch gelegt und geguckt, ob er noch atmet.

Ihr Film zeigt, wie ein Mann die italienische Familie seiner Braut kennenlernt. Mal andersrum gefragt: Wie war der Antrittsbesuch der Damen Ulmen und Limoncini bei den deutschen Eltern?
Sandra: Ehrlich gesagt nur mitteloptimal. Jans Mutter hing damals noch an seiner vorherigen Freundin. In ihrer Vorstellung war ich wohl so eine Art linksradikale Irre. Inzwischen verstehen wir uns aber wirklich sehr gut.
Christian: Meine Eltern haben wahrscheinlich gedacht: "Was ist das denn für eine rechtskonservative Eule, die er da mitbringt?"
Huberta: Ich fand Christians Familie recht italienisch - alle waren versammelt, Cousine mit Kindern, Mann, Schwester mit Freundin, Eltern. Ich kam etwas zu spät, ihr wart schon beim Spaghetti-Essen. Euer Geschnatter habe ich bis auf die Straße gehört. Ich fand das toll! Ich stamme aus einem italienischen Haushalt, der eher ruhig ist. Und dann gerate ich an diese total wilde deutsche Familie! Christian ist mit Abstand der Ruhigste.

GALA im Gespräch mit Christian Ulmen samt Ehefrau Huberta und Autor Jan Weiler mit seiner Frau Sandra Limoncini

GALA im Gespräch mit Christian Ulmen samt Ehefrau Huberta und Autor Jan Weiler mit seiner Frau Sandra Limoncini

Und wie haben Ihre Eltern auf die Nachricht reagiert, dass Ihr neuer Freund ein berüchtigter TV-Moderator ist?
Huberta: Begeistert waren sie nicht ... (lacht)
Christian: Hat deine Mutter sich nicht sogar bekreuzigt?
Huberta: Er war ja auch der erste Freund, den ich jemals vorgestellt habe. Und dann ausgerechnet einer, der nicht studiert hatte.


Hatte Hubertas Vater einen "Antonio-Moment" mit Ihnen, Herr Ulmen?
Christian: Ihr Vater rauchte sehr gern Zigarre. Und er wusste - wie Antonio im Film - um meine Angst und Aufgeregtheit und genoss meine Misere. Bei Familienfesten wurde groß angekündigt: Der Christian darf die Zigarre anschneiden! Dann ist mir das Ding zerbröselt, und ich wurde ausgelacht.

Würden Sie den Zukünftigen Ihrer Kinder den Antrittsbesuch leichter gestalten?
Jan: Auf gar keinen Fall!
Christian: Wenn wir mal eine Tochter kriegen, werde ich das mit dem Kerl genauso machen. Mit seiner Angst spielen und ihn so richtig auflaufen lassen.
Jan: Ich werde super Fragen stellen, zum Beispiel: "Was willst du denn mit meiner Tochter nachher im Kino?" Und wenn er dann sagt "Nichts", geht es natürlich weiter: "Wie nix? Findest du meine Tochter hässlich?" – "Nein, Herr Weiler, Ihre Tochter ist hübsch." – "Aha! Hübsch ist sie? Da lässt du aber schön die Pfoten weg!"
Christian: Mein Großvater war Organist in der Kirche und hat die Freunde meiner Mutter immer die Tonleiter singen lassen, die mussten do-re-mi-fa-so-la singen. Und mein Großvater dann immer: "Nein, falsch!" Das werde ich später auch so machen.

Abgesehen von den kleinen Gemeinheiten - gab es mal größere Probleme mit den Familien?
Huberta: Oh ja, weil ich katholisch bin.
Christian: Das war hart.
Huberta: Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass so etwas in der Neuzeit noch eine Rolle spielen könnte. Christian hat es sogar lange verheimlicht. Erst bei unserer Hochzeit kam es raus. Da mochten seine Eltern mich aber schon.

Frau Ulmen, Sie sind seit zehn Jahren mit Christian liiert, aber erst seit vier Jahren verheiratet. haben sich zur Hochzeit entschlossen ...
Christian: ... als sie schwanger war.
Huberta: Wobei meine Familie damals fand, man müsste deswegen nicht gleich heiraten.

Christian: Als ich bei deinem Vater um deine Hand anhalten musste, stand er da mit seinem Sektglas und meinte: "Hach, es gibt doch so viele Männer auf der Welt." Aber dann hat er uns doch gratuliert. Sie tragen keine Eheringe.
Christian: Mir steht der einfach nicht.
Jan: Na ja, Christian trifft halt beruflich immer viele Frauen ...
Huberta: ... und kann dann ohne Ehering sagen: "Wie, verheiratet? Ich?"

Ist Ihr Medium, das Fernsehen, für Ihren Sohn ein Thema?
Christian: Dekadenterweise habe ich ihm die Disney-Serie "Die kleinen Einsteins" mal auf einem iPhone gezeigt. Und seitdem sagt er diesen Satz: "Papa, wo ist mein iPhone?" Da schäme ich mich jedes Mal.

Haben eigentlich inzwischen Italienisch gelernt, Herr Weiler?
Jan: Nein, sonst würde Sandra ja nicht mehr alles für mich in Italien erledigen. Und das ist irre praktisch.
Sandra: Genau, da heißt es dann gern: "Jetzt müsste jemand mal die Zeitung kaufen gehen." Sind Sie bei Ihrer Schwiegerfamilie immer noch die "Kartoffel", Herr Weiler?


Jan: Das hat sich gelegt. Überhaupt hat sich bei der Familie viel getan. Es gibt sogar einen Cousin, der unverheiratet mit seiner Freundin zusammenlebt! Was sich nicht verändert hat: Wenn ich nach Italien komme, ist immer viel Bier im Kühlschrank. Das ist bei denen so abgespeichert: Der deutsche Mann trinkt hemmungslos Bier. Und dann muss ich immer das ganze Zeug saufen, um denen einen Gefallen zu tun.

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