Botox Glatte Wahrheit

Peinlich war gestern: Immer mehr Stars bekennen sich ganz selbstverständlich zum Faltenkiller Botox - der ewigen Jugend zuliebe

Sie sehen einfach fabelhaft aus,

diese Hollywood-Ladys um die 40. Ein strahlender Teint, die Haut faltenlos und glatt wie die frisch polierte Motorhaube eines Porsche 911. Alles gute Gene? Oder hat die ein oder andere Dame vielleicht doch etwas nachhelfen lassen? Jetzt ist Schluss mit dem ganzen verschämt-hämischen Getuschel.

Denn die aprikosenhäutigen A-Lister stehen neuerdings ganz offen zu ihrem Sprung in den Jungbrunnen. Hier ein Piekser Botox, da eine Portion Kollagen gehören zwischen New York und Los Angeles neuerdings zum guten Ton - auch als Zeichen eines neuen Selbstbewusstseins nach dem Motto: Ich sehe fantastisch aus und stehe zu meinen kleinen Nachhilfestunden.

Cindy Crawford, 42, will durch Botox die Elastzität ihrer Haut erhalten
© Getty ImagesCindy Crawford, 42, will durch Botox die Elastzität ihrer Haut erhalten

Supermodel Cindy Crawford war eine der ersten Mutigen, die sich zum Griff in die Zauberkiste bekannte. Sie gestand vor knapp zwei Jahren der französischen GALA, dass sie seit dem 30. Lebensjahr den Erhalt ihrer Schönheit einem plastischen Chirurgen verdankt. "Ab einem bestimmten Alter wirken sich Cremes positiv auf die Beschaffenheit deiner Haut aus. Aber um Elastizität wieder herzustellen, zähle ich auf Vitamin-Injektionen, Botox und Kollagen", so Crawford. Model-Ikone Linda Evangelista oder "Sex And The City"-Star Kim Cattrall sind derselben Meinung. Und gerade haben auch "Friends"-Star Courteney Cox sowie die Sängerin Anastacia die Botox-Beichte abgelegt.

Selbst die Herren der Schöpfung tun es. Designer Tom Ford etwa verriet der "Welt am Sonntag", wie er mit dem Stoff seine Stirnfalten eliminiert. Dass der flüssige Faltenkiller zu einer Art Allzweckwaffe in Hollywood avancierte, ist für die Hamburger Dermatologin Dr. Wiebke Petzold keine Überraschung: Das Wundermittel "ist keine irreversible Schönheits-OP, trotzdem kann es jemanden um zehn bis 15 Jahre verjüngen". Botox, so die Haut-Fachärztin zu GALA, sei "ideal für Frauen, die vom Facelifting weit entfernt sind, aber durch den natürlichen Alterungsprozess schon ein paar müde Züge bekommen haben."

Doch was als verjüngende Maßnahme beginnt, kann bei einer Überdosis schnell im Gesichtsverlust enden. Mit dem "Frozen Face"-Syndrom verabschieden sich neben den Falten nämlich auch Ausdruck und Charakter eines Gesichts. Einem Model oder einem Designer mag das vielleicht egal sein, aber für Schauspieler, deren Kapital die Kunst der Mimik ist, stellt das ein Problem dar. Regisseure wie Baz Luhrmann ("Moulin Rouge") oder Altmeister Martin Scorsese beklagen schon seit Jahren, es werde immer schwerer, Darsteller zu bekommen, die trotz Botox Emotionen wie Trauer, Wut und Verzweiflung gekonnt zum Ausdruck bringen können.

Eine gute Balance scheint Virginia Madsen gefunden zu haben. Die Amerikanerin gab 2007 zu, dass sie sich schon "seit Jahren" behandeln lasse und wirbt ganz offiziell für den Botox-Anbieter Allergan. Trotzdem ist sie als Charakterdarstellerin erfolgreich. Für "Sideways" erhielt sie 2004 eine Oscar-Nominierung. Madsens Ansatz: "Ich habe nicht das Ziel, dank Injektionen wie 25 zu wirken. Ich möchte nach wie vor wie ich selbst aussehen."

So glatt, so gut. Aber was ist mit der wunderbar reifen Erscheinung einer Judi Dench, 73? Könnten würdevolle Schönheiten wie Charlotte Rampling, 62, oder Helen Mirren, 63, überzeugen, wenn sie erstarrt wären? Berührt uns das ausdrucksstarke Gesicht einer Vanessa Redgrave, 71, nicht hundertmal mehr als das geraffte Antlitz der vielfach generalüberholten Joan Collins, 75? Das muss wohl jede für sich selbst beantworten. Fest steht: Hübsch anzusehen sind die Damen allesamt - jede auf ihre eigene Art und Weise.

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