Queen Elizabeth
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Queen Elizabeth Diamantengeflüster

Für ein neues Buch gewährt die Queen erstmals Einblicke in ihre private Schmuckschatulle. Die deutsche Übersetzerin des Werks, Tatjana Gräfin Dönhoff, erzählt in "Gala" die Geschichte eines einmaligen Schatzes

Königin Elizabeths allererstes Schmuckstück war noch bescheiden:

eine kleine Kette aus Korallen und Perlen. Da war sie süße sieben Monate alt und Prinzessin von York. Als ihr Vater unerwartet König wurde, fing man an, die Thronfolgerin mit wertvolleren, oft mit Diamanten und anderen Edelsteinen bestückten Schmuckgeschenken zu bedenken.

Mit der Krönung 1953 erhielt sie nicht nur Zugriff auf die Kronjuwelen, die im Tower liegen, sondern auch auf die private Juwelensammlung der britischen Königinnen. Die wird im Safe im Keller von Buckingham Palace aufbewahrt - ein atemberaubender Schatz, bestehend aus persönlichen Schmuckstücken, Juwelen und Preziosen, vererbt und weitergegeben seit rund 500 Jahren, seit den Tagen von Königin Elizabeth I. (1533 - 1603).

"Cambridge Liebesknoten"-Tiara: Teure Last<br>Eine Dauerleihgabe der Queen an Diana, als sie 1981 Prinzessin von Wales wurde. Die Tiara war ein Erbstück von Königin Mary, Elizabeth trug sie gern in jungen Jahren. 1913 beim Hofjuwelier Garrard & Co. angefertigt, war die Preziose zunächst mit 38 Perlen besetzt. Sie wurden 1934 entfernt. Diana trug die Tiara oft (hier 1983 in Neuseeland), mochte sie aber nicht besonders. Sie sei schwer und mache ihr Kopfschmerzen, sagte sie. Nach der Scheidung gab die Prinzessin alle Leihgaben an die Queen zurück.
© WireImage.com"Cambridge Liebesknoten"-Tiara: Eine Dauerleihgabe der Queen an Diana, als sie 1981 Prinzessin von Wales wurde. Die Tiara war ein Erbstück von Königin Mary, Elizabeth trug sie gern in jungen Jahren. 1913 beim Hofjuwelier Garrard & Co. angefertigt, war die Preziose zunächst mit 38 Perlen besetzt. Sie wurden 1934 entfernt. Diana trug die Tiara oft (hier 1983 in Neuseeland), mochte sie aber nicht besonders. Sie sei schwer und mache ihr Kopfschmerzen, sagte sie. Nach der Scheidung gab die Prinzessin alle Leihgaben an die Queen zurück.

Anlässlich ihres diamantenen Thronjubiläums gewährt die Queen nun zum ersten Mal einen Blick in ihre private Schatzkammer und die dazugehörigen Archivunterlagen. Für ein exklusives Jubiläumsbuch durfte der emeritierte Ku rator der königlichen Sammlungen Hugh Roberts drei Jahre lang recherchieren, dann wählte er gemeinsam mit der Königin 74 Stücke aus der Diamantsammlung aus. Ein prächtiger Anblick! Nicht ohne Grund gilt der Schmuck der Windsors als die beste und historisch wertvollste Sammlung weltweit. In den vergangenen 200 Jahren haben vor allem die Königinnen Victoria und Alexandra durch Geschenke und Zukäufe zum Zuwachs der royalen Schatulle beigetragen. Die passionierteste Juwelenliebhaberin aber war Queen Mary, die Großmutter der Queen: Sie erschien nie ohne Tiara zum abendlichen Dinner der Familie. Viele der berühmtesten Stücke fallen in ihre Zeit, wie die "Delhi Durbar Parure" und die "Liebesknoten"-Tiara (beide ihr Design), die "Wladimir"-Tiara (Ankauf von einer geflüchteten russischen Verwandten) und natürlich die "Cullinan"-Diamanten-Brosche und der dazugehörige Ring, von den Royals "Granny’s Chips" genannt. Elizabeth II. ist sentimental, wenn es um die Juwelengeschenke aus ihrer engsten Familie geht. So trägt sie privat kaum Schmuck - bis auf eine Perlenkette, zweireihig oder dreireihig, Präsente der Eltern. Oft sieht man an ihrer linken Schulter auch die Brosche in Form eines Obstkorbs, die eine Anerkennung des Vaters zur Geburt von Charles war. Und natürlich ihren Verlobungsring, den sie so gut wie nie abnimmt. Prinz Philip hatte ihn nach eigenem Design mit Diamanten aus einer Tiara seiner Mutter anfertigen lassen.

"Halo"-Tiara: 2011 trug Catherine Middleton die "Glorienschein"-Tiara zu ihrer Hochzeit mit Prinz William. Cartier fertigte sie einst aus Platin mit 16 Blattvoluten, die mit 739 Brillanten und 149 Baton-Diamanten besetzt sind, plus je einem Solitärbrillanten in den Zwischenräumen und einem großen Brillanten an der Stirnseite. 1936 erworben vom Herzog von York (später George VI) für seine Gemahlin. Tochter Prinzessin Elizabeth erhielt sie zum 18. Geburtstag. In den Fünfzigerjahren verlieh sie das Diadem an Prinzessin Margaret (r.) und in den Siebzigerjahren an Prinzessin Anne.
© Reuters / Picture Alliance"Halo"-Tiara: 2011 trug Catherine Middleton die "Glorienschein"-Tiara zu ihrer Hochzeit mit Prinz William. Cartier fertigte sie einst aus Platin mit 16 Blattvoluten, die mit 739 Brillanten und 149 Baton-Diamanten besetzt sind, plus je einem Solitärbrillanten in den Zwischenräumen und einem großen Brillanten an der Stirnseite. 1936 erworben vom Herzog von York (später George VI) für seine Gemahlin. Tochter Prinzessin Elizabeth erhielt sie zum 18. Geburtstag. In den Fünfzigerjahren verlieh sie das Diadem an Prinzessin Margaret (r.) und in den Siebzigerjahren an Prinzessin Anne.

Nur zu Staatsbesuchen, Banketten oder Hochzeitsbällen greift die Monarchin in ihre Schatzkiste und holt die funkelnden Preziosen heraus. Oft verleiht sie einzelne Stücke, Broschen, Ketten, Ohrringe, alle von unschätzbarem Wert, auch an die weiblichen Verwandten. Sogar die Bürgerliche Catherine Middleton durfte bei ihrer Hochzeit mit Prinz William vor einem Jahr eine Tiara der Queen tragen. Eine emotionale Geste: Das Juwel war ursprünglich ein Geschenk ihrer Eltern zum 18. Geburtstag und lag der Queen deshalb besonders am Herzen.

Welche Tiara die Monarchin aus ihrer umfangreichen Sammlung (mehr als 50 sollen es sein) auswählt, hat oft eine tiefer gehende Bedeutung. Camilla erhielt 2005 nach der Hochzeit mit Charles gleich zwei prächtige Tiaras, die vormals Queen Mom gehörten: die "Delhi Durbar"-Tiara und die "Greville"-Tiara. Ein Beweis besonderer Wertschätzung, der die Behauptung einiger Lästermäuler widerlegte, die Queen könne Camilla nicht ausstehen. Camilla und Catherine haben Glück: Die beiden dürfen ihre Diademe bis auf Weiteres behalten, sie gelten als Dauerleihgaben. Alle anderen Juwelen wandern zurück in die Schatzkiste der Königin. Tatjana Gräfin Dönhoff

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