Harry Potter Buchverkauf
© Getty Harry Potter Buchverkauf

NY Minute Wenn Voldemort den Straßenverkehr blockiert

Juuucheee!!! Es war nicht ganz klar, ob der Schrei aus hunderten von Kinderkehlen kam oder denen der erleichterten Mütter, die wussten, dass es nun bald nach Hause geht

Eine Minute nach Mitternacht, die Buchhandlungen geben den siebenten und letzten Teil des wohl heiß ersehntesten Buches aller Zeiten heraus: "Harry Potter and the Deathly Hallows". 2,3 Millionen wurden weltweit bestellt und 8,3 Millionen sind jetzt schon verkauft worden (die deutsche Ausgabe kommt am 27. Oktober auf den Markt).

Wer den dicken Schinken in den Händen hielt, rannte förmlich nach Hause. Lesen bis die Augen zufallen, war die Devise. Erschöpft sind die Kleinen schon, doch die ersten Kapitel mussten sein. 700 Läden der Buchkette Barnes & Noble schmissen in ganz Amerika eine Buchparty von fünf Uhr abends bis Mitternacht, um den Fans die Zeit zu verkürzen. In New York versammelten sich hunderte von denen am Union Square. Da standen sie dann, etliche Harry Potters mit der weltberühmten Brille, Hermines im Hogwarts-Outfit, Ron Weasleys mit roter Perücke, Sirius Blacks in Lumpen und sogar Voldemorts mit Schlangengesicht. New Yorker Cops mussten sie von der Strasse holen, damit es kein Unglück gab und auch der Verkehr ungehindert fließen konnte.

Selbst Erwachsene ohne Kinder standen da in der Reihe, ließen sich Schlüsselanhänger, Tücher oder Aufkleber geben. Einige hatten sich sogar einen Blitz auf die Stirn gemalt – so wie ihn Bösewicht Voldemort Harry einst verpasst hatte. "Wieso? Die Bücher sind doch superspannend", erklärte Matthew Gilman, 32, und schwang seinen Plastikzauberstab, als wolle er sich per Zaubertrick weiter nach vorn in die Wartereihe schmummeln, "ist doch ein Riesenspaß und ich will nun endlich wissen, wie es endet."

Damit sprach er allen Anwesenden aus der Seele. Keine Minute länger hätte man warten können, denn schließlich gab es einen Verräter in ihrer Mitte, einer, der glatt verwandt sein könnte mit You-Know-Who! Ein noch Unbekannter, der das Werk von Joanne K. Rowling schon vor zwei Tagen ergatterte, hatte doch tatsächlich alle 759 Seiten ins Internet gestellt! Und jeder, der es nicht mehr aushielt, schaute nach: Wer stirbt? Schafft es Harry Voldemort zu besiegen?

Und einige wollten das glatt rumposaunen. Doch die hartgesottensten Fans blieben hart. Joya, 10, hielt sich die Ohren zu, als ihr jemand erzählen will, welche der Hauptcharaktere am Ende sterben. "Nein, nein", brüllte sie, "ich will es lesen." Ihre Mutter nahm einen Schluck "Magic Punch", der für die Eltern ausgeschenkt wird und war froh, dass die Warterei nun ein Ende hat. "In ein paar Tagen, wenn wir die letzten Seiten lesen, werden wir wissen, ob Harry nun stirbt oder nicht. Und dann können wir alle Hogwarts verlassen."

Vanda Bildt