"I'm not a Plastic Bag"
© Getty "I'm not a Plastic Bag"

NY Minute The It-Bag Goes Green

Trendtalk aus New York: Die neue It-Bag fordert Opfer. Wonach sich modebewusste New Yorkerinnen an einem Mittwoch Morgen in Soho die Beine in den Bauch stehen, verraten unsere New Yorker Insider

Mittwochmorgen im trendigen New Yorker Stadtteil Soho. Die Müllabfuhr sammelt noch schnell die letzten Säcke ein, da kommen sie bereits an – die Fashionistas! Ausgerüstet mit einem double-shot Latte in der Hand reihen sie sich in die Schlange, die sich langsam und immerhin Stunden vor der Ladenöffnungszeit vor dem Anya-Hindmarch-Laden in der 115 Greene Street bildet. Eine der Damen verlagert ihr Gewicht von einem Bein aufs andere. Zum einen tun die Füße weh vom Rumstehen auf Pumps. Zum anderen ist sie nervös, weil sie nacher ihrem Chef erklären muss, warum sie so spät kommt. Doch Opfer müssen gebracht werden, wenn es um die neue It-Bag geht.

Viele Designer versuchen das jedes Jahr, was nur den wenigsten gelingt: War es im vergangenen Jahr die Spy-Bag von Fendi für 3000 Dollar, so reißen Fashion-Addicts sich dieses Jahr um eine Öko-Tasche. Ja, richtig gelesen. Die Must-Have-Tasche des Sommers ist eine umweltfreundliche Baumwoll-Einkaufstasche für 15 Dollar. Achtung und aufgepasst, wiederhole, F-ü-n-f-z-e-h-n Dollar! Geschmückt in großen handgeschriebenen Buchstaben mit der Message "I'm Not a Plastic Bag". Mit einem rustikalen Griff aus Seemannstau. Sorry Chanel, Marc Jacobs, Gucci und all die anderen Großen der Industrie – ihr müsst diese Saison leider aussetzen.

Und wie soll es denn auch anders kommen bei dem Hype? Die ersten Fakes sind bereits auf Ebay aufgetaucht. Klar, die Dinger sehen so simpel aus, da lässt sich eine Kopie schnell in einer Garage basteln. Doch das Klöppeln lohnt sich. Bis zu 200 Dollar werden da geboten.

Die britische Designerin Anya Hindmarch, sonst eher bekannt für extrem teure Clutches, begann zuerst, die Tasche in England zu verkaufen. Der Jute-Beutel schlug ein wie eine Bombe. Innerhalb von zwei Stunden waren alle ausverkauft. Bilder von Keira Knightley, Alicia Silverstone, Petra Nemcova und Lily Allen tauchten auf und die trugen das Ding rum wie sonst nur ihre Kelly-Bag. Anya bekam Fan-Post aus aller Welt von Models, Schauspielern, Politikern. Sie alle wollten die Tasche (vermutlich auch für die Ehefrauen), gratulierten zur tollen Öko-Idee. Ja, sogar Prinz Charles bedankte sich und bot Unterstützung an (hat Camilla etwa auch eine??).

Anya Hindmarch versucht mit diesem Projekt, auf den oft nutzlosen Verbrauch von Plastiktüten hinzuweisen. "Ich wollte eine praktische, wiederverwendbare, stylische Tasche kreieren, die gleichzeitig auf das Problem aufmerksam macht", so die Designerin über das schlichte Wunderwerk. Da macht jede New Yorkerin eine gute Figur am Gemüsestand im Supermarkt. Ein Öko-Trend mit Chic!

Vanda Bildt