NYM Taxi
© Getty NYM Taxi

NY Minute New York blüht auf

Eine frische Blumenwiese mitten in der Weltmetropole? Zu verdanken haben das die New Yorker ausgerechnet einer Hand voll Taxis

Eines der bekanntesten Wahrzeichen von New York dürften ohne Zweifel die gelben Taxis sein. Wer einen amerikanischen Film im Fernsehen schaut und nicht weiß, wo die Handlung spielt, ist sofort sicher, wenn er eines der gelben Autos erblickt. Doch dieser Tage ist die Sonnenfarbe nur noch die Basisfarbe – denn die Fahrzeuge sind geschmückt mit bunten Blumen und wirken wie eine Wiese mitten im Sommer.

Auch wenn die Flower-Power-Idee mehr an Woodstock (was bekanntlich in Upstate im Staate New York liegt) erinnert, so ist zu beobachten, dass manchem Gast ein Lächeln über die Lippen huscht, wenn er eines der bunten Taxis erwischt. Sofort ist ein Gespräch mit dem Fahrer im Gange, der gern Auskunft darüber gibt, was es mit der Farbenpracht auf sich hat.

Auch Jacob aus Nigeria macht mit bei der Aktion. Die Fahrer melden sich freiwillig, wenn sie ihr Fahrzeug geschmückt haben wollen. "Es ist ein bisschen hübscher und froher", sagt er, "wir können alle ein wenig Farbe gebrauchen. Außerdem liebe ich Kinder." Er selbst hat zwei und schickt Geld zu seiner Frau, damit es ihnen Zuhause in der Heimat gut geht.

Die Stadt hofft, dass die Mehrheit der 13.000 Taxis bei der Aktion "Garden in Transit" (zu Deutsch Gärten in Bewegung) mitmachen. Dahinter steckt "Portraits of Hope", eine gemeinnützige Organisation. Die Brüder Ed und Bernie Massey gründeten sie 1995, um Kindern mit unheilbaren Krankheiten zu helfen. Mittlerweile bieten sie aber auch Programme an Schulen an, die die Kinder nach Schulschluss beschäftigen. Ihre Aktion zierte schon Flugzeuge, Boote, sogar Rennautos. Wo immer sie können, machen sie auf ihre Organisation auf diese Weise aufmerksam. Sie brauchten nicht lange, um das Rathaus von dieser Idee zu überzeugen, dass die Metropole durchaus etwas Farbe gebrauchen könnte.

90 Prozent der 27.600 Abziehbilder wurden von New Yorker Kindern in Schulen oder Krankenhäusern gemalt. Kindlich sehen sie aus, in allen Farben von Blau, Rot, Orange oder Lila - was halt den Kids zwischen die Finger kam. Die Folien beschädigen das Auto nicht und halten jedem Wetter stand. "Wir haben Blumen gewählt, weil es ein Zeichen für Hoffnung ist. Und fast jedes Kind malt Blumen", so Ed Massey. Finanziert ist die ganze Aktion durch private Spenden. 1,5 Millionen Dollar kamen bereits in die Kassen geflossen und die Firma MACtac, die die Folien herstellte, arbeitete nur auf Kostenbasis.

"Es ist mal eine positive Sache - ansonsten gibt es ja nur Katastrophen in der Stadt", sagt Alma Vasquez lächelnd. Sie hat eine "New York Post" in der Hand und liest gerade den Artikel über die Pläne von Bürgermeister Michael Bloomberg, eventuell SMS an New Yorker zu schicken, wenn es mal wieder einen Notfall gibt: Wenn eine Dampfleitung explodiert, U-Bahnen wegen Tornados lahm liegen oder ähnliches. Doch vorerst blüht New York in bunten Farben - bis zum Dezember. Und dann schauen wir mal.